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Tanz um das goldene Kalb

Tanz um das goldene Kalb

 

Wir können es uns schon gar nicht mehr anders denken:

In der Wirtschaft und in den meisten Bereichen unserer Gesellschaft dreht sich alles nur noch um Macht und Geld. Das ökonomische Denken hat sich zum Götzen hochgespielt und bedroht nun als allesfressender Dämon, unsere Existenz. Wir befinden uns im orgiastischen Tanz um das goldene Kalb, wie einst die Israeliten auf Ihrer Flucht aus Ägypten. Unser Gottesdienst besteht im Geld verdienen und darin, unsere Gesundheit dafür zu opfern. Der Dämon hat uns von einer Zukunft besessen gemacht, in der alles besser wird. Dabei verlieren wir das rechte Maß für den Augenblick. Wir verlieren uns in der Hoffnung auf das Bessere und können die Gegenwart nicht mehr genießen. Wir leben weder jetzt noch in der Zukunft, weil die erhoffte Zukunft niemals eintritt. In diesem Vakuum existieren wir, als ob wir niemals sterben würden und sterben dann, ohne jemals richtig gelebt zu haben. Wir verfallen der Idee, alles mit Geld, Gold und Macht regeln zu können, aber ich frage dich, hast du schon einmal versucht eine einzige verstrichene Sekunde zurück zu kaufen? Ist es das goldene Kalb des Geldes und der Macht wirklich wert, alles Menschliche dafür zu opfern? Kannst du dir wirklich keine menschliche Gemeinschaft vorstellen, in der es kein Geld gibt und der Erwerb von Reichtum und Macht nicht mehr die treibende Kraft unseres Lebens ist? Eine Gesellschaft, in der wir daran arbeiten, uns selbst zu verbessern, zu lernen und unser Wissen zu vervollständigen und damit den Rest der Menschheit ebenfalls anzuheben?

Wurden die Menschen nicht erschaffen, um geliebt zu werden und um sich zu lieben? Wir haben das alles verdreht und ins Gegenteil verkehrt: Wir lieben Dinge und ordnen dem Drang nach "Haben", der Anhäufung von Vermögen, alles unter. Die Dinge, die wir eigentlich zum Wohle unseres Lebens erschaffen, lieben wir mehr als den Menschen, der sie erschafft. Dieser Verdrehung der Ordnung verdanken wir das Chaos, in dem sich unsere Welt heute befindet. Wir benutzen die Menschen, um das goldene Kalb zu füttern.

 

Die Metapher vom goldenen Kalb geht auf eine Geschichte aus dem zweiten Buch Moses zurück. Sie beschreibt, wie Moses die Israeliten aus ihrem Sklavendasein in Ägypten, in eine neue Zukunft führen will. Er beruft sich dabei immer wieder auf die Führung einer höheren Intelligenz, den unsichtbaren Geist. Doch die Flucht dauert lange und das Volk muss Hunger und Entbehrungen aushalten. Die Menschen wurden sauer auf ihn und seine Anführer und sehnten sich nach den guten alten Zeiten zurück, in denen es wenigstens genug zu essen gab. Selbst wenn das Knechtschaft bedeuten würde. Irgendwann hatte das Volk dann genug von dem Geist, den man nicht sah und nicht anfassen konnte. Sie schmiedeten sich einen eigenen Gott aus Gold, dem Symbol für Macht und Geld. Heute würden wir es Kapitalisierung und Aktien nennen. Sie wählten damals den Stier (das Kalb) um den sie ihre Ausschweifungen ausbreiteten, ganz ähnlich, wie sie heute um die Aktienkurse an den Börsen scharwenzeln. Damals wie heute beten sie diesen neuen Gott an, der auch heute in der Form des Stieres, mit hoch erhobenem Haupt, vor der Frankfurter und anderen Börsen der Welt steht. Vor dem Untergang hat sie das jedoch damals nicht bewahrt und weil die gleichen Taten immer die gleichen Ergebnisse liefern, wird uns das heute auch nicht helfen.

 

Damals wie heute wird das sich Abwenden vom Wesentlichen seinen Tribut in Form von Menschenleben fordern. Über mehr als zwei Jahrhunderte haben wir Menschen uns auf diesem Planeten wie die wilden Tiere aufgeführt. Wir haben eine maßlose Gier nach den Ausdünstungen des Mammon entwickelt und sind auch jetzt noch nicht bereit mit diesem Tun aufzuhören. Moses zettelte damals einen Bruderkrieg an, indem er seine Getreuen durch das Lager schickte, jeden zu töten, der ihnen vor die Augen kam. Dieser Vergeltung fielen angeblich Dreitausend zum Opfer. Bedenkt man, dass es wahrscheinlich nur 30-50 Tausend Flüchtende waren, sind das ca. 6-10%. Bezogen auf eine heutige Menschheit von 7.7 Milliarden wären es ca. 460-770 Millionen Tote. Mehr als in allen Weltkriegen zusammen. Seit 2008 wurden laut den Daten von "Brot für die Welt", im Durchschnitt jedes Jahr mehr als 26 Millionen Menschen durch Umwelt- und Klimaveränderungen aus ihrem Zuhause vertrieben. Sie flohen Menschen vor Überschwemmungen, extremen Dürren oder der Versalzung von Ackerland. Seither sind 11 Jahre vergangen, was bedeutet, dass es heute 286 Millionen Menschen sind, die bereits direkt von der weltweiten Untätigkeit betroffen sind. Bis 2030 werden es 592 Millionen sein und bis 2050 dann über eine Milliarde. Dagegen nimmt sich meine Hochrechnung der biblischen Zahlen doch noch sehr gnädig aus.

Angesichts dieser Zahlen aber, ist es mir unverständlich, wie wir - dh. die von uns gewählten Entscheidungsträger - ruhigen Gewissens heute hier sitzen können und über CO2 Steuern, deren Zahlen und anderen Unfug diskutieren. Natürlich gibt es heute keinen Moses, Aaron oder Joshua mehr, die einen Bruderkrieg anzetteln. Der entsteht ganz von allein, wenn den mächtigen Staaten die Scheuklappen von den Augen fallen und sie erkennen, dass ihre ganze Technologie sie nicht vor der Herausforderung durch Mutter Erde schützt.

Doch vielleicht wissen sie ja alles schon und ihr Nicht-Handeln ist das planvolle Vorgehen, um die Erdbevölkerung zu reduzieren. Ein unvorstellbarer, geplanter Genozid. Was ich für mich daran schlimm finde, ist, dass ich den Regierenden der Welt so etwas überhaupt zutraue. Ich bin nicht leicht in meinem Vertrauen zu erschüttern, aber hier habe ich wohl keines mehr und ich fürchte, es wird viele, viele Menschen mehr geben, denen es ebenso geht.

Im Buch Römer heißt es "Denn der Lohn der Sünde ist der Tod ....." und der klopft in erdgeschichtlichen Zeiträumen gedacht, längst an unsere Tür und ruft: "Jedermann". Auch wenn im gleichen Vers bereits von der Gnade gesprochen wird, so ist es doch ein Weg, der durch schwere Zeiten führt. Schwere Zeiten brauchen aber auch schwere Änderungen, um sie zu überstehen. Warum also suchen wir nach Schuldigen und Ausreden, anstatt Lösungen zu produzieren?

Ach ja, da ist ja noch die Legislaturperiode von vier Jahren und das Problem der Wiederwahl. Mit einer Wiederwahl wird es wohl nichts werden, wenn man dem betrogenen Volk jetzt mit den unbequemen Wahrheiten kommt. Wenn man öffentlich eingestehen muss, fast 60 Jahre lang versagt zu haben, denn die Wissenschaft hat bereits seit Mitte der 1960iger Jahre Langzeitstudien geliefert. Doch man hat sich lieber hinter dem goldenen Kalb der Hochfinanz versteckt und die Welt in die Brüche gehen lassen. Diese Ereignisse lagen zu weit in der Zukunft, als dass es für die eigene Regierungszeit relevant gewesen wäre. Sollten sich doch die zukünftigen Generationen damit beschäftigen und Lösungen finden. Ja, da sind wir jetzt und beschäftigen uns auch, aber leider fliegen wir bereits aus der Kurve, weil wir viel zu schnell hinein gefahren sind. Es bleibt keine Zeit mehr zum Bremsen. Der Crash ist unausweichlich, selbst bei einer Vollbremsung - was einer weltweiten Einstellung der Atmosphärenverseuchung gleichkäme und das noch mehr Menschenleben kosten würde.

Nun gut, es sei alles verziehen. Wir alle haben dieses System aufgebaut und durch unser Verhalten unterstützt. Doch heute frage ich: Bedeutet vier Jahre Legislaturperiode nicht, dass wir schnellstens Gesetze definieren müssen, die der Hochfinanz und der Großindustrie Bandagen anlegt? Bedeutet das nicht auch für alle, zu arbeiten, um auf diesem Planeten zu überleben? Wie wichtig sind Finanz-, Rendite- und Umsatzüberlegungen noch, wenn in den Städten das Wasser ausgeht, die Abwasserleitungen eintrocknen, die Infrastruktur zusammenbricht und die Kollateralauswirkungen einer Lebensmittelverknappung spürbar werden? Glaubst du wirklich, das wird in den Millionenstädten ohne Gewalt, ohne Plünderungen, ohne Aufflammen der Kriminalität vonstatten gehen?

 

Überleg mal, was ist in den letzten vier Jahren überhaupt geschehen ist, außer dem Ruhigstellen der Bevölkerung? Was ist anderes getan worden, als aus Öko-Bewegung und Klimaschutz einen weiteren lukrativen Geschäftsbereich mit interessanten Renditen zu machen? Ja, lukrativ, denn die unternommenen Maßnahmen dürfen ja nicht wirklich effektiv wirken, da sich sonst der aussichtsreiche Geschäftsbereich selbst zerstören würde. So hat sich niemand überlegt, wohin mit den ausgemusterten Windrädern, wenn diese das Ende ihrer Betriebszeit erreicht haben? Wohin mit dem Atommüll, diese Frage ist uns allen geläufig, aber wohin mit dem Müll der "grünen Energieerzeugung"? Niemand hat darüber nachgedacht. Diesen Mechanismus finden wir übrigens überall in unserer Gesellschaft. Es liegt offenbar nicht im Interesse des Systems die Lage der Menschen zu verbessern, sondern sie möglichst auf unverändertem Niveau zu halten. Mit Propaganda in den Medien wird immer nur die Volkswut gedämpft und auf Sündenböcke gelenkt. Heute Flüchtlinge, die Zuwanderer und Fremden, morgen die Dieselfahrer, die Vielflieger oder der Geldadel. Die Revolution frisst ihre Kinder - immer wieder.

Was täten wir nur, wenn alle Menschen gesund, lebensfähig, glücklich und selbstversorgend wären? Dann würden viele Einrichtungen unserer Zivilisation keine Existenzberechtigung mehr haben und schlimmer: sie würden nichts mehr verdienen und ein Sakrileg gegenüber ihrem Götzen begehen. Aber vielleicht könnte man dann diesen ganzen goldenen Dämon in Stücke hauen und Goldplomben oder Beschichtungen für Rettungsdecken draus machen.

 

So wird aus einem uralten Mythos, plötzlich bittere Wirklichkeit. Wir können nur hoffen, dass die von Vielen projizierten apokalyptischen Zustände durch weltweite Intuition und Kreativität gemildert, wenn nicht gar abgewendet werden. Mit Kontrolle und "im Griff haben" hat das allerdings gar nichts zu tun. Es ist eher eine Gnade des Geistes, an den richtigen Stellen einzugreifen und die Gedanken und Ideen zu pflanzen, die in den heranwachsenden Menschen reifen und aufgehen. Ja, in den Jungen! Unsere Kinder und Kindeskinder müssen diese keimenden Gedanken ausführen. Uns, die wir in der Endphase der Macht- und Gier Epoche, alles zuließen, alles glaubten, solange wir nur unser bequemes Leben behalten konnten, bleibt nur übrig, unsere Kinder um Vergebung zu bitten. Die müssen nämlich mit dem leben, was wir ihnen in die Wiege gelegt haben. Dieses Erbe ist eine Klimakatastrophe unvergleichlichen Ausmaßes. Alles andere als eine Liebesgabe. Vielleicht sind sie aber so gnädig zu uns, wie einst Gott, der auf die Bitten Moses hörte und Gnade vor Recht ergehen ließ. Wir, deren Kinder jetzt bereits eigene Kinder haben, versündigten uns an der Schöpfung, indem wir sie ohne Maß und Gewissen dem goldenen Kalb opferten. Vielleicht sind wir heute in der Lage, uns einzugestehen, was wir da angerichtet haben und bereit einer Greta Thunberg und den vielen anderen jungen Menschen, die um ihre Welt kämpfen wollen, den Rücken zu stärken, anstatt auf antike Gesetze zu klopfen und sie mit Strafen zu bedrohen, weil sie die Schule schwänzen. Wir müssen sie mit unseren positiven Gedanken unterstützen, auch dann, wenn wir gegen blödsinnige Gesetze eines sterbenden Systems verstoßen oder es dadurch zu Einschnitten in unserer eigenen Bequemlichkeit kommt.

Das wäre sicherlich ein Stück Wiedergutmachung für unsere tiefe schlafwandlerische Unbewusstheit, in der das alles passiert ist.

Wir Heutigen hören, wie damals Moses, als er mit den ersten Gebotstafeln vom Berg kam, das Geschrei der Welt und können es, so wie er, nicht einordnen. Die Stille ist im rauschenden Lärm der Aktivität verschwunden, der von den Menschen erzeugt wird, die den dunklen Dämonen des goldenen Stieres nachjagen. Joshua klärte Moses damals auf: "Nein, Moses, es ist kein Kriegsgeschrei. Es ist der Lärm eines Festes!"

Wer klärt uns heute auf? Wessen Fest wird da gefeiert? Ist es der erwachte Shiva, der die Dämonen zu Tode trampelt oder sind es die zombieartigen Menschenhüllen, die unbewusst und enthemmt ihren orgiastischen Tanz um das Monster stampfen? Wer zeigt heute mit dem Finger auf den Götzen und sagt: Das ist, um das sich alles dreht! Aber viel wichtiger noch: Wer hört heute noch zu? Die ganze Welt tanzt zum Takt der Renditen, Shareholders-Value und Aktienkursen. Wir feiern jeden Börsenaufstieg und sind betrübt, wenn es wieder runter geht. Wir haben längst vergessen, dass es ein falsches Zentrum ist, um das wir uns drehen. Die Gebotstafeln, die einen sicheren Weg durch ein Leben in Gemeinschaft sichern sollten, sind längst zerbrochen und modern als skurrile Artefakte in den dämmerlichen Gewölben unseres Bewusstseins dahin.

Nun, die Erde, unser Mutterplanet, hat beschlossen uns vor eine unerfüllbare Aufgabe zu stellen. Eine Aufgabe, die eine totale Lossagung vom goldenen Kalb erfordert. Etwas, dass uns in unserem Herzen tödlich trifft. Je länger wir warten, wieder nach unserem Gewissen zu leben, desto mehr Tote wird es geben. Und auch, wenn viele, die das lesen, mich jetzt für einen Phantasten halten, dessen Ideen fern der Realität sind: Wir hatten ALLE versprochen der Liebe zu dienen. Das hatten wir versprochen - und wir haben dieses Versprechen im besten Fall vergessen.

 

Was muss erst noch geschehen, damit wir wieder aufwachen aus dieser Trance, in die uns das goldene Kalb getrieben hat. Sicherlich wird einigen unter uns schnell klar, dass wir eine große "Sünde" begangen haben, als wir gegen Menschlichkeit, Mitgefühl und Nächstenliebe verstießen. Einige fühlen den Stich im Herzen, wenn sie die modernen Nachrichten lesen. Bei vielen ist es ein echtes Aufwachen, aber es gibt auch jene, die es nicht schert und sie machen weiter wie bisher.

Moses damals, ließ den goldenen Stier wieder einschmelzen und das Gold zu Staub zerreiben. Dann mischte er den Goldstaub ins Wasser und alle mussten es trinken. Aber es war auch ebenso, dass nicht alle um den falschen Götzen getanzt hatten. Doch auch denen blieb nichts anderes übrig, als das Goldwasser zu trinken. In der Wüste gibt es nämlich kein anderes Wasser. Nun, neben der "Mitgegangen, mitgefangen", Moral, die so offensichtlich aus der alten Geschichte spricht, gibt es noch eine andere verstecktere Symbolik. Das Feuer, in dem das Gold geschmolzen wurde, ist das Symbol der Läuterung und das Wasser, in das es gestreut wurde, ist das Symbol für Reinigung. Indem die Menschen das Goldwasser tranken, nahmen sie das geläuterte und gereinigte "Wertvolle" in sich auf. Sie selbst wurden damit zum Teil der Kraft, die das alles hervorgebracht hatte. Gleichzeitig mussten sie lernen, dass dieses Wertvolle in ihnen selbst unsichtbar weiter existierte.

Um es kurz zu machen: Auch damals versuchten sich die Anführer und Verantwortlichen herauszureden. Die Floskeln waren nicht anders als heute: Ich kann nichts dafür, es waren die Umstände, das Volk hat es so gewollt, usw. Doch all diese Ausflüchte haben nicht dazu geführt, den Blutzoll zu mindern, der dem Volk abverlangt wurde.

Die Erde, im Hinduismus als Göttin Durga symbolisiert, erscheint uns heute in der Form der Kali, der Verkörperung ihres Zornes. Kali repräsentiert die Schattenseiten Durgas, der Göttin der Vollkommenheit, des Wissens, des Handelns und der Weisheit. Genau das, wohin unser Weg der letzten 200 Jahre geführt hat: In die Schattenseite all unserer technischen Errungenschaften. Wir haben Shakti, die weibliche Urkraft des Universums einfach vergessen. Nun ist sie also sauer und gibt uns, wie Moses seinen Israeliten, unseren eigenen Dreck zu atmen. Falls du glaubst, das hätte doch nichts mit der heutigen Situation zu tun: Durga gilt als die Bezwingerin des Büffeldämons. Der Geschichte nach erschlug Durga im Kampf den „Büffeldämon“ Mahisasur mitsamt seiner Armee.   Mahisasur terrorisierte die Welt, da er sich machtgierig und arrogant zum Herrscher des Himmels aufspielte und alle ihn anbeten sollten. Daraufhin wurden Shiva und Vishnu zornig und schickten Durga, um die Lage zu klären. 

Auf den tiefen Ebenen des Bewusstseins folgen wir diesen alten Mythen, die uns als Vorlagen für die Gestaltung unserer Realität dienen. In unserer Aufgeklärtheit haben wir aber längst diese symbolisch magische Ebene unseres Bewusstseins verlassen. Was kümmern uns die Symboliken alter Geschichten? Unser rationaler Geist ist so klar, so rein, dass wir uns an seiner schneidenden Kälte mittlerweile selbst verletzen. Wir leben in einer quadratisch, praktisch, guten Welt und denken uns die Schöpfung sauber. Passend zu unseren Ansichten über Gott und die Welt. Wobei Gott dabei kleingeschrieben wird.

Wann hast du zum letzten Mal "Vergib mir" gesagt?

Wann hast du zum letzten Mal Tränen des Bedauerns vergossen?

Wann hast du zum letzten Mal den Fernseher ausgeschaltet, weil dir das gezeigte Leid unerträglich wurde? Mein eigenes Herz zerbricht jedes Mal ein wenig mehr und ich wünsche mir oft, keinem Außerirdischen jemals erklären zu müssen, was wir hier als Menschen getan haben. "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" sagte einmal ein großer Menschheitslehrer, der viel später als Moses in er christlichen Bewusstseinsgeschichte auftritt. Heute ist es an der Zeit diese Bitte um Vergebung, nicht länger zu strapazieren. Wir sind am Ende unserer Chancen angelangt. Jetzt müssen wir als Menschheit insgesamt aufwachen und handeln.

Wenn dabei die hochgehaltenen Werte der Vergangenheit zerbrechen - ist das wahrscheinlich gut. Nichts hält ewig. Leben ist andauernde Veränderung und wir haben uns dem anzupassen. Wir dürfen nicht länger träumen und glauben, dass da jemand ist, der das Chaos für uns aufräumt. Wir müssen unseren komatösen Zustand verlassen und anfangen die Dinge zu verändern. Nicht weil wir sonst sterben, das leider können wir nämlich nun gar nicht, aber weil wir die Verantwortung für diese, unsere Welt tragen. Diese Verantwortung sollte uns dazu bringen, wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen, die eine friedliche Koexistenz allen Lebens auf diesem Planeten ermöglicht. Dazu gehört auch, dass Unterlassen von allem, was dieses gemeinsame Leben beeinträchtigt. Ich sag es nicht gerne, aber angesichts des Ernsts der Lage, auch mit legislativer Gewalt. Wir Heutigen brauchen nicht mehr in den Krieg zu ziehen und Blut vergießen. Wir können die großen Konzerne mit Gesetzen an die Kandare nehmen und sie "zwingen", freiwillig für die Allgemeinheit zu arbeiten. Wir brauchen keine Börsengewinne, keine Geldverzinsung oder sonstige, dem Mammon ausströmende Regeln und Argumente zu beachten. Wir haben alle Ressourcen, um schnell und effektiv handeln zu können. Aber dazu ist eine mutige und entscheidungsfreudige Politiker-Gilde nötig, die wir leider nicht haben. Deshalb denke ich, dass wir uns ganz und gar dem schöpfenden Geist anheimgeben müssen, denn in der Zeit, die uns noch bleibt, wird sich diese vertrauenswürdige Politiker-Gilde weltweit nicht zusammenfinden. Neben unserem, in den Grenzen unserer Möglichkeiten, ganz persönlichen Handeln, sollten wir daher bereit sein Neues anzunehmen. Neues insofern, dass wir uns auf die, im Dämmerlicht unseres Bewusstsein schlummernden Artefakte besinnen, uns mit den geistigen Gesetzen und ihrer Rolle beschäftigen, die sie für unsere Realität spielen und vielleicht sogar in Betracht ziehen zu meditieren oder zu beten. Wir können uns darauf verlassen, dass wir nie allein sind und "jemand" immer mithört, mitdenkt, mitspricht, mittut und uns unendlich liebt.    

Und so bitte ich dich, deine Gedanken zu beobachten und deine Gefühle zu besänftigen. Weine über die Lage, in die wir die Welt gebracht haben, aber verzweifele nicht darüber. Sei dir immer bewusst, dass die ganzen zivilisatorischen Errungenschaften der letzten achtzig Jahre zum einfachen, liebevollen Leben auf dieser Erde nicht nötig sind. Es sind unsere eigenen Vorstellungen davon, wie es sein soll, die uns nun Angst machen.

Wir - alle 7.7 Milliarden Menschen, können auf dieser Erde friedlich leben, wenn wir die Angst, die uns das goldene Kalb beschert hat, überwinden und damit auch die Angst voreinander. Vielleicht müssen wir uns dazu entscheiden, ob wir in einer technokratisch geregelten, klar strukturierten Welt leben möchten oder lieber in einer von Mitgefühl und Miteinander geprägten. Vielleicht sollten wir unser Gewissen fragen und unser Herz um Vergebung bitten. Die Erde wird dann entscheiden.

alles liebe

Hans