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Luftbuchungen und leere Versprechungen

Luftbuchungen und leere Versprechungen

Mit dieser Bezeichnung für das jetzt neu verhandelte "Klimapaket" der Regierung trifft der Bundesgeschäftsführer der deutschen Umwelthilfe den Nagel auf den Kopf. Ein weiteres Feigenblatt in der unrühmlichen Geschichte der politischen Ignoranz. Anstatt wirklich schnell wirksame, effektive Maßnahmen einzuleiten, hat man sich wieder einmal auf lasche, annähernd unwirksame und finanziell schmerzlose "Ziele" geeinigt. Es deutet nichts darauf hin, dass es in der Regierung und in den Klima-Gremien ernsthafte Bemühungen gibt - und sollte das jetzt beschlossene Klimapaket das Ergebnis der ernsthaften Bemühungen sein, dann sollten wir uns alle warm anziehen, denn alles was die Damen und Herren da zustande gebracht haben ist ein Hofknicks vor dem Wirtschafts- und Finanzsystem.

 

Betrachtet man die Eckpfeiler des Klimapakets im Detail, wird schnell klar, wer da gute Lobbyarbeit gemacht hat:

1. Die Bepreisung des Ausstoßes von CO2 durch Verschmutzungs-Zertifikate

 Das bedeutet bei einem moderaten Zertifikatspreis für eine Tonne CO2 von 35€, einen Preisanstieg von ca. 11 Cent pro Liter Kraftstoff und Heizöl. Nun das ist zu verkraften, wenn auch nicht schön und wir können weitermachen wie bisher. Die Energie-Industrie lässt grüßen und der Verbraucher muss wieder einmal bluten.

Ab 2026 sollen Öl-Heizungen in Gebäuden nicht mehr eingebaut werden dürfen, in denen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist. Schon ganz gut, wäre da nicht die Einschränkung "wo es möglich ist". Eine Hintertür, die mit Sicherheit in einer Phalanx von Ausnahmen ausarten wird und es ermöglicht, wieder alles so zu lassen, wie es ist. Selbst der offensichtliche Gier-Köder, dass das Auswechseln von Öl- auf Gas-Heizungen mit 40% subventioniert wird, ist ein Schuss in den Ofen, denn Erdgas erzeugt nahezu gleich viel CO2 Abgas wie Erdöl. Vom Umbau muss 60% wieder vom Hausbesitzer getragen werden. Das ist nicht nur Nichtsnutz, sondern es schlägt auf die Mieten durch und beschert der Wirtschaft satte Aufträge für Gas-Heizungsanlagen.

Bahntickets im Fernverkehr sollen niedriger besteuert werden.

Insgesamt 2,6 Milliarden Menschen fuhren 2018 mit der Bahn. Davon rd.147 Mio. im Fernverkehr (3%). Für 97% bleibt alles wie gehabt. Wer daher glaubt, dass dadurch ein nennenswerter Effekt am CO2 Ausstoß in Deutschland erreicht wird, muss sich schon selbst perfekt in die Tasche lügen können. Das gleiche gilt natürlich auch für die Verteuerung der Flugtickets, denn die Effekte der Maßnahmen sind einfach zu gering.

 

2. Die jährliche Überprüfung der Klimaziele.

Es ist schon in Ordnung, wenn eine Regierung dafür sorgen will, dass ihre selbstgesteckten Ziele auch erreicht werden, aber ist das nicht auch nur selbstverständlich? Jedes irgendwie geartete Unternehmen muss doch dafür sorgen, dass Beschlossenes auch zu Resultaten führt. Wieso also erst jetzt ein groß angelegtes Tam-Tam für eine Überprüfung, die schon vor Jahrzehnten hätte funktionieren müssen. Wer will uns da Sand in die Augen streuen, dass das ignorante Gequatsche jetzt endlich zu was anderem wird, als heißer Luft?

  

3. Senkung des deutschen CO2 Ausstoßes von heute 866 Mio. Tonnen auf 563 Mio. Tonnen jährlich

Das sind -38% bis 2030. Ein hehres Ziel für ein unfähiges Team. So, wie das bisher nicht funktioniert hat, wird es das auch weiterhin nicht tun. Ganz einfach deswegen, weil die heiß diskutierten Maßnahmen nämlich alle nicht effektiv sind. Und in ein paar Jahren, nach den Wahlen, sind eh andere dafür verantwortlich. Nur so wird sich eben nichts verändern.

 

Politik ist regieren und nicht der Kniefall vor dem Möglichen

Was die Regierenden in ihrem Klimapaket, das ja für mehr als 10 Jahre gelten soll, da abgeliefert haben, ist ein Trauerspiel. Man geht einfach nicht von dem Grundsatz des Kompromiss mit allen Beteiligten ab und wälzt die Belastungen auf diejenigen ab, die bei der Beschlussfassung nicht dabei waren: Die deutsche Bevölkerung, die wieder einmal in ihrem (stumpfsinnigen) Vertrauen betrogen wird. Allerdings wären die Alternativen weitaus schmerzvoller, als sich auf ein Warmduscher-Paket einzulassen, dass weder Zielvorgaben noch Korrektivmaßnahmen enthält. Das Klimapaket lässt alles beim Alten. Es lässt keinen Willen für ernsthaften Klimaschutz erkennen und noch weniger enthält es eine Vision für die zukunftsfrohe Welt, von der Frau Merkel faselt. Das Klimapaket ist die Dokumentation eines breitbandigen Versagens, der Angst und der Schwäche. Es ist die Festschreibung der herrschenden Verhältnisse, was ja auch den Prinzipien der konservativen christlichen Parteien entspricht.

 

Doch was wir heute brauchen ist weder eine Kritik an der Unfähigkeit der Herrschenden, sondern ein Paradigma-Wechsel, ein System-Wechsel, und zwar auf der ganzen Linie. Wollen wir wirklich eine zukunftsfrohe Welt erschaffen, dann müssen wir bestimmte Dinge tun und andere lassen, die nachweislich in die Misere geführt haben. Regieren bedeutet, stellvertretend für die Wähler, Entscheidungen zu fällen, die zum Wohl der Wähler sind. Es bedeutet nicht, Entscheidungen zu fällen, die nur einer kleinen Clique finanzkräftiger Narzissten guttun. Regieren bedeutet, aus der Balance geratene Zustände in der Gesellschaft wieder auszugleichen. Seit Jahrzehnten bricht die Mittelschicht in Europa zusammen und es gibt eine Polarisation zwischen Arm und Reich. Regieren bedeutet, die Hoheitsrechte wahrzunehmen und die Reichen u.U. auch zu zwingen für die Armen zu arbeiten. Hoheitsrechte bedeuten die Freiheit, die Gerechtigkeit und den Frieden in der Gesellschaft zu sichern. Alles das haben die gewählten Politiker in den Sand gesetzt. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa. Dieser Virus ist dabei sich über die ganze Welt auszubreiten und jeder hält still.

 

Ich frage mich manchmal, ob es die Erkenntnis der Sinnlosigkeit ist, die unsere gewählten Vertreter davon abhalten, wirklich wirksame Dinge zu tun oder einfach nur lähmende Angst. Es ist schon richtig, dass deutsche und europäische Maßnahmen zum Klimaschutz im Kontext des Weltklimas nur sehr wenig bewirken. Egal wie sehr wir uns auch bemühen. Die wirklichen Umweltschweine sind in USA, China, Südamerika und Russland zu finden und deren Haltung ist bekannt: Ist uns doch schei... egal. Wobei ein trüber Lichtblick in China zu finden ist, wo das Regime auf das neue Marktsegment "Umwelt" setzt, um weiteres Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Naja, ein Schuft, wer Böses dabei denkt.

 

Wenn unsere Regierung jedoch versagt, dann bedeutet das nicht, dass wir machtlos sind. Ja, wir haben diese Pappnasen vor einiger Zeit gewählt und wir können das in einigen Monaten vielleicht korrigieren, aber bis dahin sind wir ganz allein auf uns gestellt. Um etwas zu bewirken, müssen wir alle unser Fixierung auf finanzielle Werte, wirtschaftliche Sicherheit und soziale Unterschiede hinterfragen und aufgeben. Wir müssen uns auf Neuland wagen, auf die Zivilcourage bauen und die Veränderungen selbst einleiten. Wir werden unsere Ängste und den inneren Schweinehund überwinden müssen, der sich in den letzten 50 Jahren in uns dick und fett gefressen hat. Wir müssen uns selbst gesunden. In geistiger und körperlicher Hinsicht, denn nur so wird auch Mutter Erde wieder gesund.

 

Und wenn morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch ein Bäumchen pflanzen

Wir müssen uns alle von der Idee, des immer mehr haben Wollens abkehren. Wir müssen uns wieder darauf besinnen, dass jedes Ding letztendlich von Menschen gemacht wird. Wir müssen aufhören in Produktionsstätten zu arbeiten, die offensichtlich umweltschädigend sind oder die umweltschädigende Produkte herstellen. Wir müssen den Mut aufbringen, persönliche Opfer zu bringen, indem wir den Job aufgeben oder streiken und die Wirtschaft zwingen, ihre Finanzhörigkeit zu überwinden. Es ist nicht damit getan neue Elektro-Autos zu produzieren, solange dabei unterm Strich nur 10% weniger Umweltschädigung eintritt. 10% sind zu wenig. Wir müssen die Wertschöpfungsketten ändern und die Finanzblutsauger daraus entfernen. Wenn jeder sein Konto auf der Bank nach Eingang des Gehaltes und Abbuchung der Fixkosten bis auf ein Minimum leert und das Geld zuhause aufbewahrt, Beim Einkaufen, Tanken und Ausgehen bar bezahlt, dann werden dem System Milliarden Summen entzogen und das ist für das Finanzsystem extrem schmerzlich. In Zeiten von Negativzins, kostenpflichtigen Girokonten, Sparzinsen unter der Inflationsrate usw., ist es völlig egal, wo das Geld gelagert wird.

Viele haben Landbesitz oder Gärten: Informiert euch über Waldgärten, Terra Perta, pflanzt neue Bäume und widmet einen Teil der Blumenbeete und Rasenflächen dem Anbau von Gemüse für die eigene Familie. Seht die Arbeit dafür als ebenso wichtig an, wie den eigenen Job. Lasst keine Flächen mehr brach liegen, sondern verteilt Terra Perta, denn diese Erde bindet CO2 so effektiv, wie nichts anderes und ist dabei sehr fruchtbarer Humus. Buchen als Hecken und Bäume sind großartige Sauerstoff-Erzeuger und entziehen der Luft große Mengen CO2.

 

Jeder kann also etwas tun, wenn er will.

Wir müssen uns über unser Konsumverhalten bewusst werden. Ist es wirklich nötig jedes Jahr ein neues Handy zu haben? Ist es nötig, jedem neuen Hype zu folgen? Vielleicht ist ja auch Yoga oder Meditation zu lernen weitaus erschwinglicher und sicher umweltschonender als ein Urlaub in Bali, Miami, Phuket oder Bora Bora.

Wir können beim Einkauf bei Aldi, Lidl und Konsorten genau darauf achten, was wir einkaufen und die Produkte einfach liegen lassen, die in Verpackung, Aufbau und Materialbeschaffenheit nicht umweltoptimiert sind. Einfach liegen lassen, auch wenn der Schnäppchenpreis noch so verlockt. Das ist bewusstes Einkaufen, das nicht nur auf Finanzwerte achtet, sondern ein Herz für Mutter Erde hat. Wir brauchen keine Revolution. Wir können durch passiven Widerstand das bestehende System in die Knie zwingen. Dazu muss sich nur jeder - auch DU - dazu entschließen und es beherzigen. Wir dürfen uns nicht Bange machen lassen, wenn die großen Unternehmen dann aufjaulen und mit Produktionsverlagerung drohen. Courage bedeutet die eigene Überzeugung zu leben und unser Sozialsystem ist für alle da. Eine Belastung des, schon jetzt auf dem letzten Loch pfeifenden Sozialsystems, wird genügend Druck auf das politische System ausüben, um auch hier ein bedingungsloses Grundeinkommen ohne Gängelei durch staatliche Stellen durchzusetzen.

Wir brauchen keine Gesetze und Verbote, keine dummköpfigen Politiker, die sich von raffinierten Lobbyisten verführen lassen, denn wir sind immer noch selbstständig denkende, wertvolle Menschen mit einem unbeschränkten Recht auf Selbstbestimmung. Wir brauchen bewusste und achtsame Menschen, die bereit sind unter Einsatz ihrer Bequemlichkeit dafür zu sorgen, dass ein neues System entstehen kann. Eine Transformation beruht auf der Bereitschaft ein unbekanntes Neues mit Leben zu erfüllen. Dass es soweit ist, beweist die FFF Bewegung, an deren Spitze Greta Thunberg hunderttausende Kinder und Jugendliche mobilisiert. Es sind unsere Kinder, die Kinder in uns, die da aufbegehren. Wenn sie auch noch nicht in der Lage sind einen Staat zu führen und noch nicht wissen, wie man eine Zivilisation zusammenhält, so sollten wir ihnen jetzt und heute das Gefühl geben, dass sie gehört, gesehen und geliebt werden.

Indem wir alle unser Verhalten allmählich ändern.

alles liebe

Hans