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Wasser, Gier und Profit

Wasser, Gier und Profit

Die UN schätzt, dass zur Zeit 753 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,5 Milliarden Menschen keine  sanitären Anlagen zur Verfügung haben. 85% der Weltbevölkerung lebt in den trockensten Gebieten der Erde. Trotzdem gehen Konzerne wie Nestlé genau an diese Orte, um ihr Wasser zu beziehen. Denn für diese Wasserhändler ist es dort günstig. Nestlé, der weltweit größte Nahrungsmittelkonzern macht mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz mit dem Wasser-Geschäft. In welchen Größenordnungen sich die Gewinne bewegen wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die Firma Nestlé in Ontario 3,71 US$ für eine Million Liter Wasser bezahlt - das sind 1.000 m³ oder ein Würfel von 10mx10mx10m. Aus diesem Wasser füllen sie ca. 666.667 PET Flaschen ab, für die Nestlé im Verkauf dann ca. zwei Millionen US-Dollar. Das bedeutet einen Gewinn von 539083 Prozent. Dieser unglaubliche Gewinn wird nicht nur in Kanada erzielt, sondern auf der gesamten Welt.  

In Südafrika, betreibt Nestlé eine weitere Wasserfabrik. Der Konzern besitzt hier exklusive Wasserechte für die nächsten Jahrzehnte. In einem Gebiet, in dem die Infrastruktur der Dörfer weder Wasserleitungen noch Sanitäranlagen aufweist. Nestlé pumpt das Grundwasser ab , sodass die verbleibenden Brunnen versumpfen und nur noch stark belastetes Wasser liefern. Die Menschen, darunter viele Kinder, müssen täglich weite Strecken zurücklegen, um an sauberes Wasser zu gelangen. Der Fußmarsch zum Wasserholen kostet viel Zeit für Schule und Bildung. In der Folge ist die Gesundheit der Menschen in Gefahr, die eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes ist und damit Armut verhindern kann. Kinder und Erwachsene, die täglich lange Wege zum Wasserholen gehen müssen, fehlt diese Zeit für Ausbildung und Arbeit. Das alles nur damit in der westlichen Welt die Menschen bestes "Pure Life, San Pellegrino, Vittel oder Perrier" Wasser erhalten können. Für die Menschen in unmittelbarer Umgebung der Wasserfabrik ist das in Plastikflaschen abgefüllte Wasser unerschwinglich.  

Nestlés Verkaufsstrategie ist geschickt und simpel: Sie verkaufen Leitungswasser in Plastikflaschen als hochwertiges Tafelwasser. Die meisten Quellen, werden von Wasserschutzgesetzen nicht erfasst. Beispiel USA: In Kalifornien darf der Konzern Wasser abpumpen, auch wenn wegen Wasserknappheit der private Wasserverbrauch rationiert wird.

Im Juli 2010 wurde das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser von der UN Vollversammlung als Menschrecht anerkannt.

Nestlé scheint das wenig zu stören. Der Konzernchef ist nach wie vor der Meinung, dass Wasser einen Marktwert hat und wie jedes andere Lebensmittel zu behandeln sei. Damit hat er wohl recht, denn die Menschen, die neben der Wasserfabrik in Doornkloof bei Pretoria unter permanentem Durst leiden, sind sich dessen sehr wohl bewusst. Sie kennen den Marktwert, denn sie können ihn nicht bezahlen!

 

Vielleicht hält der Nestlé Konzern regionale und nationale Gesetze ein. Doch die Privatisierung des Wassers verstößt letztendlich gegen internationales Menschenrecht, wenn durch die Privatisierung und Kapitalisierung des lebensnotwendigen Wassers, es den Menschen nicht mehr möglich ist an die Flüssigkeit zu gelangen. Daher ist und bleibt das Geschäftsfeld des Wasserhandels von Nestlé und seiner Kumpanen eine mehr als fragwürdige Geschäftsstrategie. 

 

In einem Bericht der deutschen UNESCO-Kommission wird gewarnt, dass ohne neuen Maßnahmen, über fünf Milliarden Menschen unter akutem  Trinkwassermangel leiden werden. Das in einem Zeitraum von heute bis 2050. Zwar haben heute mehr Menschen Zugang zu einer grundlegenden Trinkwasserversorgung (89%), doch haben heute 2019 weltweit ca. 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser (WHO), das frei von Kontaminationen und Schmutz ist, bedarfsgerecht und in ihrem Lebensumfeld verfügbar ist. Die WHO führt einen Großteil der heute entstehenden Seuchen auf diesen Umstand zurück und hat eine führende Rolle in der Bekämpfung von durch Wasser übertragbaren Krankheiten inne. Heute (2019) gehört der Mangel an sauberem Wasser zu den häufigsten Todesursachen, besonders bei Kleinkindern. Verunreinigtes Trinkwasser kann zu Infektionskrankheiten wie Bilharziose oder Durchfallerkrankungen wie Cholera führen. Täglich sterben mehr als 800 Kinder an solch vermeidbaren Krankheiten. Auf Platz 5 der Liste der weltweit häufigsten Todesursachen befinden sich die  Durchfallerkrankungen.

 

Laut ihren Studien werden nicht einmal 1% der Wasserbewirtschaftungsinvestitionen in naturbasierte Lösungen investiert. Dabei  Wiederaufforstung, Nutzung von Feuchtgebieten und eine umweltfreundliche Städteplanung massiv die Wasserversorgung verbessern. Gegenüber   

Stauseen, Bewässerungskanäle und Kläranlagen) wäre das auch kostengünstiger. So konnte in einem Projekt in New York 2018, dreihundert Millionen US$ eingespart werden, weil durch einen naturbezogene Wasserwirtschaft, einfach nur die Filterung eingespart werden konnte.

 

Um die Wasserressourcen der Welt nachhaltig zu bewirtschaften, muss Wasser als Lebensraum und Lebensmittel geschützt werden. Es muss für künftige Generationen erhalten werden und es darf durch Profitgier und kapitalistisch-feudale Anwandlungen nicht künstlich verknappt werden. Wir können das Wasser auf der Erde nicht vernichten, denn es kehrt immer wieder zu uns zurück. Aber nur nicht immer dort, wo wir es erwarten. Und wir können durch unsere Profitgier dafür sorgen, dass sich nicht mehr alle Menschen ihr Trinkwasser leisten können. Es müssen daher Möglichkeiten erforscht werden, wie man Wasser überall verteilen und dauerhaft nutzen kann. Ein Weg wäre die 

Regenwasserspeicherung, die Entwicklung von Meerwasser- Entsalzungsanlagen und neuer Kondensationsanlagen. Die Technologie dafür ist längst da, aber sie scheitert an dem allgegenwärtigen Kostendenken und den unternehmerischen Profitscheuklappen. Was auf einer ISS Raumstation möglich ist, darf uns zum Lebenserhalt auf der Erde nicht zu teuer sein. Eine verbesserte Abwasseraufbereitung wäre gerade für Schwellenländer segensreich. In diesen Ländern ist es nicht selbstverständlich, Abwässer zu klären und so einerseits wieder Frischwasser zur Bewässerung und andererseits Dünger in Form von Klärschlamm für die Landwirtschaft zu erhalten. Wenn auch das geklärte Abwasser nicht unbedingt als Trinkwasser genutzt werden sollte, so reduziert die Reinigung doch die Schadstoffkonzentrationen in den Flüssen, Seen und Meeren.

Wasser durch Pipelines zu transportieren, scheitert bisher ebenfalls am Profitdenken der Unternehmen. Jedoch hat China 2013 bereits solche Projekte gestartet, um den chinesischen Norden besser zu versorgen. Allerdings ist ein so transportiertes Wassers sehr teuer und nach heutiger ökonomischer Ansicht nicht rentabel. Ob diese Ansicht die Zukunft überlebt wird sich zeigen, wenn die Klimawandlung zu einer deutlichen Wasserumverteilung auf dem Globus sorgt. Ob dann Maßnahmen wie grüne Dächer, durchlässige Bodenbeläge und Feuchtgebiete rund um Stadtgebiete dabei helfen, Regenwasser zu speichern und somit die Wasserversorgung zu verbessern werden wir erleben.

 

alles liebe

Hans

 

PS: Es ist nicht nur der Nestlé Konzern, der hier seine Macht missbraucht, auch andere Wasserhändler beteiligen sich an dem schmutzigen Geschäft.

Wer mehr Informationen haben will, kann hier anfangen: