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Phasen einer sterbenden Welt (Teil4)

Phasen einer sterbenden Welt (Teil 4)

(siehe dazu auch Teil1 und Teil2 und Teil3)

 

Wie schon erörtert, wird der sich jetzt vollziehende Klimawandel das Gesicht der Erde verändern. Diese Veränderung wird das Leben und das Selbstverständnis der ganzen Menschheit  in den nächsten Jahrhunderten  stark beeinflussen. Es ist heute nicht absehbar in welchem Maße, für den Menschen nutzbares Land verschwindet, oder wie sich die Wetterveränderungen auf seine Nahrungsketten auswirken, aber es werden deutliche Veränderungen sein. Viele Menschen werden ihren bisherigen Lebensraum verlassen müssen, entweder, weil die Küstengebiete im Meer versinken oder die neuen Wetterbedingungen den sicheren Hungertod bedeuten. Wir werden in einem Maße zusammenrücken müssen,  vor dem sich die Flüchtlingszahlen der letzten zehn Jahre wie eine Bagatelle ausnehmen. Es wird eine völlig neue Art der gegenseitigen Toleranz und Achtung vonnöten sein. Etwas, dass zurzeit noch jenseits unserer Vorstellungskraft liegt. Doch bevor wir diese hohe Form der Menschlichkeit erreichen, werden die bestehenden gesellschaftlichen System zerfallen. Seit über 270 Jahren, seit Beginn der Industrialisierung und mit dem Aufstieg der Finanzierung von Produktivität, haben diese Systeme gegen die Grundgesetze von Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Zusammenleben verstoßen. Subtil raffiniert ausgelegt und im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert, hat das so entstandene Geld-System die naiv an das Gute glaubende Menschheit in asolute Abhängigkeit und Versklavung gebracht. Doch heute regen sich die tief im Menschen angelegten Abwehrkräfte in der gleichen Art, wie sie bereits die Befreiung in der französischen Revolution 1789 gebracht haben. Der Mensch lässt sich nicht auf Dauer unterdrücken und für dumm verkaufen. Wer es versucht,  muss mit  Revolutionen, Bürgerkriegen und Verteilungskämpfen rechnen, die schließlich zum Zerfall und zum Untergang der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung und deren Werte führen. Aus diesem Untergang alter Werte und Traditionen, entstehen neue und besser angepasste Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die Geschichte der Befreiungs-Revolutionen zeigt, dass es bisher immer zu einem radikalen Existenzkampf mit dem Alten kam. Können wir das heute besser?

Der Ausgang einer solchen Krise ist unvorhersehbar.

Die Tendenz der Klima-Aktivisten-Bewegungen neigt sich immer weiter einem radikalen Ansatz zu. Vernunft und Mäßigung werden der Angst vor einer hochgerechneten, aber unbestimmten Zukunft geopfert. Jeder tut so als ob die Erdveränderungen innerhalb der nächsten Monate ihr volles Ausmaß erreichen. Tatsache ist, nur wenige der heute Lebenden, werden die volle Auswirkung des Klimawandels noch erleben, denn er wird sich durch die nächsten Jahrhunderte ziehen und bei allem Verständnis für Furcht: Wir leben im statistischen Durchschnitt nur mehr 84 Jahre!

Trotz alledem darf sich jeder Einzelne aber nicht daran hindern lassen, die ihm möglichen neuen Wege zu beschreiten und den alten, auf Finanz-Paradigmen keinen Glauben mehr schenken. Wenn wir es nicht für uns tun, dann tun wir es für unsere Kinder und Enkel oder allgemeiner gesagt: für die folgenden Generationen! Eine Krise ist immer die Chance auf Veränderung und vielleicht sind wir ja bewusst genug, auf sinnlose Radikalität zu verzichten.  Vielleicht sind wir ja in der Lage, eine neue, harmonische und menschlichere Welt hervorzubringen. 

 

Wer soll uns denn heute schon daran hindern, weniger Energie zu verbrauchen, seltener zu telefonieren, weniger einzukaufen und weniger mit dem Auto unterwegs zu sein? Wer soll uns daran hindern hin und wieder einen neuen Baum zu pflanzen, nicht mehr zu wählen zu gehen und keinerlei Finanzdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Wer sollte uns daran hindern, unsere Essgewohnheiten zu ändern? Weniger Fleisch zu essen, bedeutet dass, der Fleischmarkt an Lukrativität verliert und damit die entwürdigende Massentierhaltung an Boden verliert. Die anderen Lebensmittel auf dem Markt beim Bauern zu kaufen, bedeutet ein Absinken der enormen Transportwege industriell abgepackter Ware. Wir müssen uns nicht ohnmächtig gegenüber Tierfabriken und Industrienahrung fühlen. Wir können das alles FREIWILLG tun, aufgrund unseres Wissen, dass wir als Menschheit sonst unseren Lebensraum verlieren!

Wir können das ändern, indem wir freiwillig VERZICHTEN. 

Das bestehende Weltsystem ist sehr empfindlich für sinkende Verkaufszahlen. Es ist auf den unreflektierten Konsum angewiesen, auf die Massen unbewusster Konsumenten, zu dem man die Menschen herangezogen hat. Es gerät sofort in massive Schwierigkeiten, wenn seine Regeln plötzlich nicht mehr funktionieren. Wir können passiv und ohne Gewalt dafür sorgen, dass das bestehende System in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus, während gleichzeitig ein neues gesunderes System entsteht. Wir können wieder eine Kultur des Designs hochwertiger Produkte entwickeln, deren Lebensdauer nicht durch das MTBF (Main time between failure) bestimmt wird, sondern die auf Langlebigkeit ausgelegt sind. Produkte, bei denen das Reparieren sich noch lohnt, reduzieren die Ressourcen-Verschwendung und das Müllaufkommen. Ich weiß, das all das mit unserem heutigen "Systemdenken" unvereinbar ist, doch ich kann mich noch an die vielen kleinen Handwerkerläden erinnern, die Bügeleisen, Radios, Waschmaschinen und sogar Emailleschüsseln repariert haben. Heute werfen wir doch alles gleich weg, weil es so entwickelt wurde, dass eine Reparatur nicht möglich oder zu „teuer“ wird. Auch das lässt sich ändern! Wir können die Dinge unseres Lebens achtsam behandeln und wenn möglich, wiederverwenden, umwidmen oder anderweitig benutzen. So manche Plastikverpackung lässt sich noch einige Zeit in Küche oder Kühlschrank verwenden - es muss ja nicht immer gleich Tupperware sein. Wir können kreativ und sorgfältig mit den Kunststoffprodukten umgehen bevor sie sofort im Plastik-Müll landen. Leider ist es in den wenigsten Ländern der Erde Usus, auf PET-Flaschen etc ein Einwegpfand zu erheben. So landen Millionen Tonnen des wertvollen PET Rohstoffs in den Meeren und auf Deponien, wo er dann die nächsten 450 Jahre verrottet. Die weltweite Zwangseinführung von Einwegpfand auf Plastikverpackungen  kann dazu führen, dass wir kein Nano-Plastik mehr in den Nahrungsketten von Mensch und Tier finden. Wenn wir großräumig begreifen, das "recyceln" besser ist als nutzen und entsorgen, verhalten wir uns wieder "schöpfungskonform". Wir müssen mit der Verbrennungsideologie aufhören, nur sie die billigste Entsorgungsmethode ist, denn sie setzt das meiste CO2 frei. Wir können zu einem Denken in Zyklen zurückkehren, in dem wir der Erde die Stoffe zurückgeben, die wir mal als Rohstoffe entnommen haben. Wie wär's? Gebieten wir der Ressourcenverschwendung Einhalt und nutzen unser Mobiltelefon vier oder mehr Jahre! Beenden  wir den Wahn des Computer-Entertainments und der Computerspiele und sparen wir dadurch Milliarden Kilowatt Energie ein. Zum Leben sind Xbox, Playstation und Konsorten nun wirklich nicht nötig. Das Internet ist eine der großen Errungenschaften der Menschheit des letzten Jahrhunderts, aber müssen wir es wirklich für alles nutzen? Die dazu erforderliche Rechenleistung und der damit zusammenhängende Energieverbrauch kann auf ein Minimum gesenkt werden, wenn die Verwendung von Video/Audio Streaming Diensten, Cloud Services und anderen datenintensiven Services bewusster angegangen wird. Auch Facebook, Twitter und Instagram, Xing, LinkedIn etc. sind Einspar-Kandidaten, ebenso wie alle weltumspannenden unternehmerisch genutzten Datenkraken. 

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind sicherlich grandios. Doch lieber fliege ich mit einem Flugzeug, das mit einer 50%iger Wahrscheinlichkeit abstürzen wird, als in einem, das bereits im Absturz begriffen ist. Das Zurückschrauben des Verkehrs und seiner Bedürfnisse ist wohl eine der einschneidendsten möglichen Maßnahmen. Doch genau so, wie wir heute alle technischen Geräte bei achtsamer Behandlung schon zehn und mehr Jahre klaglos benutzen könnten (so wie der Computer, auf dem gerade dieser Text entsteht), könnten wir auf die spaßbasierende Nutzung von Flugzeugen verzichten. Das bedeutet nicht, dass niemand mehr in den Urlaub fliegen darf, aber eben freiwillig nur einmal im Jahr. Ja sicher, dass wird vom existierenden System alles als Utopie betrachtet, denn niemand will auf etwas verzichten. Doch es ist wirklich lebensnotwendig das mögliche Entwicklungstempo der Welt auf ein umweltverträgliches Entwicklungstempo zu reduzieren. Nur so können alle Aspekte der Entwicklung und ihre Auswirkungen in der Zukunft im Auge behalten werden.

Vor allem werden wir als Menschheit die kommenden Jahrhunderte nur so überleben.

Die psychologischen Viren haben sich längst in unserem Bewusstsein festgesetzt und verhindern ein schnelles und einfaches Umdenken. Daher müssen wir – jeder Einzelne von uns – durch Handeln, sich selbst beweisen, dass ein Strand aus Milliarden Sandkörnern besteht, die alle ihr Eigenleben haben. Und wenn sich nach und nach alle Sandkörner aneinander anpassen und die gleichen Ziele verfolgen, dann kann der Strand einfach gar nichts dagegen tun.

Hören wir endlich auf ohnmächtig über den für uns alle spürbaren Klimawandel zu lamentieren. Diese Klimaänderung findet gerade statt und ihre Folgen für uns werden kommen. Es ist die zwangsläufige Folge eines bereits über Jahrhunderte andauernden, im besten Fall als „unbewusst“ zu bezeichnenden Geisteszustandes. Daran ist eben jetzt nichts mehr zu ändern. Aber die Zukunft ist offen. Wir alle können uns hier und jetzt entscheiden: 

1. Für ein ohnmächtiges Warten darauf, dass die Politik und die anderen endlich etwas tun

oder

2. Für das Übernehmen von Verantwortung durch die aktive Veränderung des Lebensstils,
    hin zu 
bewusstem Verzicht und Selbstbeschränkung in der eigenen Lebensgestaltung. 
Werden wir uns besser schnell bewusst, denn nur so kann die drohende Radikalisierung durch unbewusste Menschen abgewendet werden.  Es ist wichtig Maß und Zahl im Auge zu behalten, wenn die Emotionen hochkochen. Es ist verständlich, dass viele Menschen vor dem was ihnen medial nahe gebracht wird, Angst haben. Aber es ist unverantwortlich von den Medien, Politikern und Wissenschaftlern in ihrer sklavischen Hörigkeit an das Finanzsystem, diese Angst zu schüren. Lösungen kommen durch Zuversicht und den Glauben an eine lebenswerte Zukunft, nicht durch das Gejammer um verlorene Vermögens-Werte. Wir brauchen keine Schlagzeilen und keine Einschaltquoten, keine Dividenden oder Quantencomputer. Wir müssen auch nicht auf den Mars oder den Mond, solange hier die Erde brennt. Die jungen Ingenieure/innen und Wissenschaftler/innen dürfen sich nicht demotivieren lassen. Sie müssen eine neue, schöpfungskonforme Technologie entwickeln und durchsetzen und alle müssen dabei helfen, ihnen die Zeit dazu zu verschaffen. Wir sitzen alle im gleichen Boot und da es so lecker makaber ist: Das Boot trägt den Namen Titanic, die ja bekanntlich auch als unsinkbar galt.

Im Österreichischen gibt es einen Spruch, den ich früher oft belächelt habe, aber dieses Lächeln gefriert mir heute auf den Lippen: „Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an!“ - und ja, der Kopf bin ich!

Wenn ich mich nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten ändere, dann wird sich auch keine andere, gesundere, bessere Welt aufbauen - und dann wird letztendlich auch kein Gesicht für ein Lächeln mehr da sein.

 

alles liebe
Hans

(zum Teil1,Teil2,Teil3)