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Gedanken zu Karfreitag anno 2021

Karfreitag anno 2021

 

In diesem, von Angst, Leid und Misstrauen geprägten Jahr, habe ich für die Osterzeit diesen Text geschrieben.

Es fiel mir nicht leicht, in der aufgerührten gesellschaftlichen Atmosphäre, den tiefen Punkt zu erreichen, von dem aus ich sonst immer gut schreiben kann.

 

So wie wir alle, begegne ich jeden Tag den maskierten Menschen, deren Lächeln, hinter FFP2-Papier versteckt, nur mühsam den Weg zu den Mitmenschen findet. Nur die Klarheit ihrer Augen oder deren Stumpfheit, verrät etwas mehr über die Stimmungslage des Gegenübers. Ich begegne also genauso wie du, den verunsicherten Männern und Frauen, die in jeder Unterschreitung des Zwei-Schritte-Abstandes einen persönlichen Angriff oder eine  Gefährdung wittern. Und es macht etwas mit mir, wie auch dir, dass es scheinbar immer schwerer wird, eine optimistische und positive Haltung zum Leben zu bewahren.

Die Schwingung der Angst ist im Alltag allgegenwärtig und wirkt auf jeden ein. Ich spüre, dass ich damit noch ganz gut umgehen kann, auch wenn es mehr Kraft kostet. Im Grunde habe ich keine Angst. Weder vor Corona im medizinischen Sinne, noch vor den Folgen, die sich möglicherweise aus den vergangenen gesellschaftlichen Panikreaktionen in der Zukunft ergeben werden. 

Und vor allem habe ich keine Angst zu sterben. Vielleicht ein wenig vor den Umständen, aber nicht vor dem Tod. Ich schreibe dir das, weil ich glaube, dass es dir hilft, meinen Ostertext zu verstehen, der heute wieder etwas länger ist. 

 

Ich bekam letztens die Frage gestellt: 

 

"Warum sollten wir unsere Überzeugung dahingehend ändern, dass wir uns für ein Bewusstsein halten? 
Dass wir ein geistiges Wesen sind, das tief in der spirituellen Natur des Geistes verwurzelt ist, anstatt unser offensichtlich vorhandenes Bewusstsein als ein Produkt des physischen Körpers anzusehen?"

 

Ich hole für die Antwort etwas aus und gehe weit in das Jahr 130 nach Christus zurück, in der Ptolemäus klar und logisch postulierte, dass sich die Sonne um die Erde drehe und mit ihr alle anderen Planeten.  Ptolemäus war ein in Alexandria lebender Grieche, der in der, zu der Zeit unter römischer Herrschaft stehenden Provinz Ägypten forschte. Claudius Ptolemäus, war ein angesehener Wissenschaftler:  Mathematiker, Geograph, Astronom, Astrologe, Musiktheoretiker und Philosoph. Besonders tat er sich mit seinen Arbeiten über Astronomie und Astrologie hervor. 
Seine Werke galten in Europa und Vorderasien über 1250 Jahre als wissenschaftliche Standardwerke. Die ganze wissenschaftliche Welt verließ sich auf das "ptolemäisches Weltbild", in dessen Zentrum die Erde ruhte und quasi als Achse Gottes bildete, um die sich die Schöpfung drehte.

In dieser Zeit entwickelten sich auch die verschiedenen Christentum Varianten und der Islam. Allesamt Religionen, die in ihrer monotheistischen Theologie einen zentralen Gott postulieren, der die Geschicke seiner Schöpfung bestimmte und lenkte. Inklusive der Menschen.

 

Doch dann, im Jahre 1543 beschreibt ein preußischer Domherr, Astronom, Arzt und Mathematiker namens Nikolaus Kopernikus das heliozentrische Weltbild, in dem die Erde ein Planet unter anderen ist, sich gleich allen anderen Planeten um die Sonne bewegt und zudem auch noch um die eigene Achse rotiert. Kopernikus katapultierte mit seinen revolutionären Entdeckungen das über Tausend Jahre alte Weltbild des Ptolemäus auf den Komposthaufen wissenschaftlichen Irrtümer.
Die Erkenntnisse des Nikolaus Kopernikus führten zu einem allmählichen Umdenken bei den Wissenschaftlern der folgenden Jahrhunderte. Was wir heute noch als die „Kopernikanische Wende“ und als den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit bezeichnen.

 

Kopernikus hatte viele Anfeindungen zu überstehen.  In diesen frühen Epochen des Bewusstseins wurde ja jede Abweichung vom geltenden Wissen als Häresie, als Ketzerei, angesehen und oft mit dem Tode bestraft. Selbst Galileo Galilei, einige hundert Jahre später, der mit seinen Fernrohren die empirischen Beweise für Kopernikus und Johannes Keplers Berechnungen lieferte, kam lebenslang in Konflikt mit der kirchlichen Inquisition. Um sein Leben zu retten, widerrief er schließlich seine Erkenntnisse und musste in lebenslangem Hausarrest bleiben. Das war 1632.

Erst 1992, 360 Jahre später, rehabilitierte die katholische Kirche den Wissenschaftler.

Nun gut. Ein Schuft, wem da Parallelitäten zur heutigen Zeit auffallen. 

 

Warum nun dieser ausgiebige Ausflug in die Antike und das dunkle Mittelalter. 

 

Bewusstsein entwickelt sich nicht kontinuierlich. Bewusstsein ist ein Quantenphänomen und seine Entwicklung ist unvorhersehbar und zufällig. Bewusstsein wächst, in dem es reift, im rechten Augenblick platzt und seine Erkenntnisse frei lässt. Eine solches Platzen, eine immense Zäsur im Bewusstsein, war die Kopernikanische Zeitenwende. Sie hat die Basis des menschlichen Denkens, seine Rolle im Universum und sein Selbstverständnis nachhaltig verändert. Etwas, das wir heute kaum noch nachvollziehen können.  Wir haben den Paradigmen-Shift längst vollzogen und können den Ausführungen des Ptolemäus nur noch lächelnd folgen, weil wir ja wissen ....

 

Heute finden wir uns aber in einer ähnlichen Situation wieder.

In den letzten 100 Jahren haben die Wissenschaftler, beginnend etwa mit Max Planck um 1900, die Quantenphysik entdeckt. Lange Zeit stritten sie darüber, ob man so etwas Unhandliches und Unvorstellbares überhaupt brauche. Sie versuchten immer wieder die "alte" Physik des Isaak Newton zu verändern, um die Ergebnisse der quantenphysikalischen Experimente mit ihr erklären zu können. Doch sie sind jedes Mal gescheitert. Die Quantenmechanik  bricht mit der Newtonschen Physik.

Deshalb hatte man sich bisher auf einen Kompromiss geeinigt: Quantenmechanik OK, aber nur da, wo es winzig klein ist - also im subatomaren Bereich.
Doch heute führt Prof. Dr. Zeilinger an der TU Wien mit seinen Teleportations-Experimenten auch diese Trennung ad absurdum, indem er ganze Molekülstrukturen (Materie) teleportiert.  An allen Ecken und Enden brodeln die Erkenntnisse bereits, sind aber noch nicht stark genug, eine Wende im wissenschaftlichen Denken zu verursachen, das die grobstoffliche Welt mit einbezieht. 

 

Doch vor welcher Wende stehen wir heute?

 

Phänomenologisch ist es völlig egal, wie die physikalischen Theorien sind, denn als Menschen werden wir immer eine Welt erleben, in der dem Frühling der Sommer folgt und dann erst Herbst und Winter. Bei zwei sich umkreisenden Punkten spielt es keine Rolle, ob sich der eine, der andere oder beide relativ zueinander bewegen. Anders sieht es aus, wenn es weitere Mitspieler gibt:  Andere Planeten, Monde, Asteroiden, Satelliten, Raketen. Unsere Raumfahrt würde sich mit dem ptolemäischen System sehr schwer tun, wenn es darum ginge zum Mars zu fliegen oder auch nur den Mond zu erreichen.

 

Genauso tun wir uns schwer damit, die neuen Erkenntnisse auf uns selbst anzuwenden. Wir halten uns lieber an den alten mechanistischen Philosophien, nach denen wir ein Körper sind und dieser ein Bewusstsein hervorbringt. Natürlich, der Körper ist ja auch nach alter Tradition fühl und messbar und das Bewusstsein nicht. Es ist schwer für uns anzuerkennen, dass der uns so liebe Körper und damit die gesamte physikalische Welt ein Produkt des Geistes ist. Ein Geist, in dem unser Bewusstsein wurzelt und von dem wir nicht getrennt sind.  

Genau in diesen drei Sätzen wurzelt die revolutionäre Idee, die uns Menschen frei von Dogmen macht und uns den Weg in eine unendliche Freiheit öffnet.

 

Es ist die Wende vom "Materie bringt Geist hervor" zu "Geist bringt Materie in Erscheinung".

 

Im Grunde handelt es sich nur um eine eine Winzigkeit im Universum, aber nicht weniger schwerwiegend wie: "Die Sonne dreht sich um die Erde" zu "Die Erde dreht sich um die Sonne"!

 

Wir halten es heute für absurd, zu behaupten, dass die Sonne sich um die Erde drehe. Genau so absurd ist es, sich nicht als lebendes, geistiges Wesen zu betrachten, dessen Bewusstsein maßgeblich das weltlichen Erleben hervorbringt. Obwohl es längst neurowissenschaftliche bewiesen ist, dass wir nichts bewusst erleben können, was nicht durch die neuronalen Prozesse im Gehirn gelaufen ist und verarbeitet wurde. Wir haben daher keinen einzigen Beweis dafür, dass die Welt etwas anderes ist, als das was wir erleben.

 

Doch so, wie die erlebte Welt, der Ausdruck des einzelnen menschlichen Bewusstseins ist, so sind die Menschen und alles andere Lebende, der Ausdruck eines Geistes. Was wir als "unser eigenes" Bewusstsein ansehen, ist nur das Äquivalent zu einem Neuron in der Vernetzung des EINEN Geistes.

Was wir als "unseren" Willen bezeichnen, ist nur eine Manifestation dessen, was der EINE Geist ist.

Wenn wir also unsere Überzeugung dahingehend ändern, dass wir uns für ein geistiges Wesen halten, das tief in der spirituellen Natur des Geistes verwurzelt ist, dann wird es uns möglich, die Plagen abzuschütteln, die da lauten: Angst, Wut, Hass, Habgier und Neid.

Wenn wir diesen Plagen nicht mehr anhaften, wird der Weg frei, die von uns so hoch angesehene Individualität aufzugeben.

 

Da unsere Prägung jedoch die Individualität als höchsten Wert ansieht, kann sie das nicht akzeptieren. Diese Nicht-Akzeptanz hat das Ego mit all seinen Trennungen, Erklärungen und Ängsten hervorgebracht.

Du, alte Seele, und ich, wir alle, die ganze Menschheit, sind so lange individuelle Personen, bis wir uns von dieser Nicht-Akzeptanz lösen können. Bis dahin existieren wir auch nach dem physischen Tod als "Seele", als ein "individuelles" Wesen, dass an seine Inkarnationen und das Absolvieren von Leben glaubt, in denen es noch etwas zu lernen oder zu korrigieren gibt. Haben wir aber begriffen, dass Individualität eine, wenn auch schöne und interessante Illusion ist, können wir akzeptieren, dass das "EINE" nichts lernt oder erfährt, weil es bereits alles ist. Es kann in unserem menschlichen Sinne überhaupt nichts Neues erfahren oder dazulernen.

 

Solange dieser Erkenntnis-Durchbruch im Bewusstsein nicht erfolgt ist, werden wir das Karussell der vermeintlichen "Inkarnationen" nicht verlassen. Es ist einfach zu verlockend das Soma zu trinken und im Hologramm der Gedanken, in ein Leben einzutauchen. Diese individuelle Entscheidung treffen wir, wenn wir in einem neuen physischen Leben eine Aufgabe für uns oder andere sehen. 

Aber in Wirklichkeit manifestiert sich nur ein Aspekt des Geistes, der durch uns seine Vollkommenheit aufzeigt. Alles in der Schöpfung ist eine Manifestation des Geistes, des EINEN, Gottes, Brahma und Saraswati. Alles was ist, ist das Erscheinen von "Allem-was-ist. Und hier endet jeder rationaler Diskurs.

Es bleibt das Gewahrsein, dessen was ist. Das Erfassen ohne Denken. Die Kontemplation mit Gott.

 

Das ist der Weg. Er entsteht aus Liebe. Der einzigen Motivation des EINEN, sich als Schöpfung hervorzubringen. Wir sind dieses EINE und der Weg führt uns heute in die Aufgabe der Individualitäts-Idee. Wo es kein Individuum mehr gibt, gibt es auch keine Suche mehr. Dann ist Einheit ohne Trennung. Der Zustand der tiefen Meditation. Das Satori, das keine Erklärungen mehr zulässt.

 

Diese, sich tief im Bewusstsein der Menschheit vollziehende, Wandlung ist dass, was wir neue Energie nennen. Wir erfahren es weltlich - energetisch - als Licht und höher schwingende Gedanken. Wir fühlen es als ein an- und aufgehoben Sein in einer Qualität, die wir bisher nicht kannten. Es ist die gefühlte Wandlung des menschlichen Selbstverständnisses in seinem Universum.

 

Diese Transformation löst eine Reihe von Effekten aus, die sich in der wahrgenommenen Welt zeigen. Nicht alle davon sind wünschenswert oder lebensfreundlich. So sind die Zunahme mentaler Dunkelheit, das Auftreten der heutigen globalen Probleme und das zutage bringen deren Verursacher solche Effekte, die in unsere Erfahrung dringen. Wir erleben die Differenzen zweier Bewusstseinsbilder, die sich natürlich auch manifestieren. Erst dort, wo Licht erscheint, wird die Dunkelheit erkennbar. Nur wenn wir Krankheit kennen, können wir Gesundheit schätzen und nur wenn wir wissen was Not ist, können wir erfahren was Glück bedeutet.

 

Wie gesagt, wir sind geistige Wesen, deren Ursprung das EINE ist. Wir haben uns in der Idee verrannt, individuelle Personen zu sein und lernen nun die Wahrheit. So wie jedoch das Ego aus Erfahrungen besteht und keine Substanz hat, so gibt es auch weder eine individuelle Seele, die man ist, noch ein persönliches Bewusstsein. Und auch keinen aus Materie selbstständig bestehenden Körper, denn wie die Quantenphysik zeigt, ist Materie nur dort, wo wir sie erwarten. Und etwas erwarten kann nur das Bewusstsein. Der Rest ist wüst und leer und in diese Leere projiziert sich der Geist und tritt in Erscheinung : Du und ich und die ganze Schöpfung. 

 

Der Vater und ich sind EINS.

 

Liebe alte Seele, Lichtarbeiterin und Fackelträger, wir gehen frohgemut den Weg der Liebe. Egal wohin er führt: Durch das Dunkle, die Kriege, die Not, das Leid, die Krankheiten und Trauer. Immer wissend, dass nichts vor dem Licht des EINEN Bestand hat. Wie sehr wie uns auch bemühen, unseren Eigenwillen durchzusetzen: Es ist immer der Wille Gottes, der geschieht. Konzentrieren wir uns also besser auf einen Weg der Freude, des Glücks, des Miteinanders und Mitgefühls - eben des Lichts und drücken so den Willen des EINEN aus. Es ist unsere Entscheidung. Immer wieder unsere eigene Entscheidung.

 

Jesus der Christus hat uns das 100 Jahre vor Ptolemäus gezeigt: Die Hingabe am Kreuz. Die Aufgabe des Eigenwillens auf Golgota. Angebunden an die Waagerechte der Welt und die Senkrechte des Geistes, erhebt sich der Mensch über all seine Vorstellungen hinaus und erlöst sich so selbst aus seinen Illusionen. Das hat uns Christus im Symbol des Kreuzes hinterlassen und daran soll es uns immer wieder erinnern: Die Aufgabe der Individualität im Frieden des Geistes ist die Erlösung, denn das EINE und "ich" sind EINS. Erst wenn wir diese Ego- bzw. Selbstlosigkeit erreicht haben, sind wir zu tatsächlicher Liebe und Mitgefühl fähig, denn dann haben wir am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet den Nächsten zu lieben, wie sich selbst.

Gerade in dieser Zeit.

 

In diesem Sinne, liebe Weg-Gefährten

alles liebe und ein schönes Osterfest

Hans

🌹⚜️