Ebenen deines Bewusstseins

Satsang vom  30.3.2019  Kyparissia, Greece

 

Die Zen-Meister im vietnamesischen Kloster Thuong Chieu sagen: "Wenn wir uns verstehen, wird unsere Praxis einfach. Um uns jedoch verstehen zu können, müssen wir das Bewusstsein verstehen. Die Identifizierung der verschiedenen Elemente des Bewusstseins und das Verständnis, wie sie zusammenarbeiten, ist daher wesentlich für die Praxis der Meditation“.

Wie schwierig die Identifikation der Bewusstseins Elemente jedoch ist, wird schon daraus ersichtlich, dass Buddha bereits lehrte, dass sich Bewusstsein fortwährend wandelt, wie strömendes Wasser. Es ist kein Ding, wie wir es üblicherweise kennen, denn es ist ein Ganzes ohne Anfang und Ende. Wir würden es heute ein Kontinuum nennen, das vom Geist gebildet wurde. Er sagte auch, dass das Bewusstsein vier Ebenen habe, die unabhängig voneinander tätig sind:

 

1. Das Speicher-Bewusstsein

2. Das Geist-Bewusstsein

3. Das Sinnes-Bewusstsein

4. Das Manas-Bewusstsein.

 

Wichtige Anmerkung:

Es ist der Sprache und unserem dualen Denken geschuldet, dass wir Bewusstsein in Ebenen unterteilen, um darüber nachdenken zu können. Diese Ebenen existieren nur im Sinne einer Erklärung. Bewusstsein selbst ist nicht unterteilt. Es ist immer ganz und eine Einheit. Deshalb ist auch nebenstehendes Bild nur eine grobe 2-dimensionale Annäherung zur Darstellung. Betrachte die Ebenen des Bewusstseins im Folgenden nur als eine Funktionsbeschreibung, so wie es im Gehirn ein Sprachzentrum, ein Hörzentrum oder die Funktionen des präfrontalen Cortex gibt. Das Gehirn kennt diese Unterteilungen nicht und braucht sie auch nicht, um zu funktionieren. Auf der manifestierten neuronalen Ebene ist alles mit fast allem verbunden.

 

Die erste Ebene des Bewusstseins ist das Speicher-Bewusstsein. Es ist die tiefste aller Ebenen. Es gibt viele Namen für dieses Bewusstsein, doch die passendste Bezeichnung ist "Bhavanga", ein Wort aus dem indischen Pali, was so viel wie "ständig fließend" oder "wie ein Fluss" bedeutet. Das Speicher-Bewusstsein wird auch manchmal als Wurzelbewusstsein oder "die Gesamtheit aller Objekte" genannt. Eine Kurzform davon ist "Alles-Was-Ist", was so viel bedeutet wie, die gesamte jemals offenbar geworden Schöpfung. Die Aufgabe des Speicher-Bewusstseins ist es, Informationen zu speichern und zu bewahren. Die modernste, westliche Version dieses Bewusstseins ist das "Nullpunktfeld", das sämtliche Veränderungen des Universums auf Quantenebene abbildet. Es hat weder einen Ort noch eine Zeit und besteht vollständig aus Schwingungsformen und Schwingungsmustern. Das Speicher-Bewusstsein hat keine Grenzen und ist eine Emanation des Geistes, zu dem hin es nicht abgegrenzt ist. Etwa so wie ein Wassertropfen vom Meer nicht abgegrenzt ist, solange wir ihn nicht analysieren.

 

Das Geist-Bewusstsein ist die zweite Ebene. Es verbraucht die meiste Energie. Das Geist-Bewusstsein ist unser "arbeitendes" Bewusstsein, das sich konzentriert, seine Aufmerksamkeit auf Dinge lenkt und sie erschafft. Es ist der Teil unseres Bewusstseins, der sich seiner Existenz bewusst ist. Wenn wir von Geist-Bewusstsein reden, beinhaltet das auch das Körper-Bewusstsein, mit seinem Zell-Bewusstsein. Das Geist-Bewusstsein ohne das Körper-Bewusstsein ist nicht möglich. Die Verbindung erfolgt durch das Gehirn. Mit dem Gehirn ist das Geist-Bewusstsein in der Lage den Körper zu „beseelen“ und ihn in seinen Funktionen zu unterstützen. Im Grunde ist aber der Körper die Manifestation des Geist-Bewusstseins in der Welt.  Ein Körper ohne Bewusstsein ist kein echter, lebendiger Körper und das Bewusstsein kann sich nicht ohne den Körper erfahren. Körper und Geist-Bewusstsein sind identisch, auch wenn das oft bestritten wird. Wir können uns selbst darin trainieren, die falsche Unterscheidung zwischen Gehirn und Bewusstsein zu beseitigen. Dabei sollten wir nicht sagen, dass das Bewusstsein vom Gehirn geboren wird, weil das Gegenteil davon wahr ist. Das Gehirn wird aus dem Geist-Bewusstsein heraus geboren. Das Gehirn macht in der Regel nur 2% des Körpergewichts aus, aber es verbraucht 20% der körpereigenen Energie. Das kommt daher, weil das Geist-Bewusstsein so eng mit dem Gehirn verknüpft ist und sein Funktionieren vom Zell-Bewusstsein abhängt. Daher kosten die Aktivitäten des Geist-Bewusstseins eine Menge Stoffwechsel-Energie. Die Aufrechterhaltung des Geist-Bewusstseins ist aus energetischer Sicht also recht teuer. Denken, Sorgen und Planen nehmen viel Energie in Anspruch. Halten wir unsere Achtsamkeit in der Gegenwart, erlauben wir unserem Geist-Bewusstsein sich zu entspannen und die Energie für die Sorgen über die Vergangenheit einzusparen und die Arbeit, die Zukunft vorauszusagen, einzustellen. Wir können diese Energie sparen, indem wir das Geist-Bewusstsein in der Gewohnheit der Achtsamkeit ausbilden. Die Achtsamkeit hält uns in der Gegenwart und erlaubt unserem Geist-Bewusstsein, sich zu entspannen und so Energie zu sparen. Das Geist-Bewusstsein ist der Hüter deines bewussten Wissens, der Glaubenssysteme deines Herzens und entspricht dem, was in vielen Traditionen als „Seele“ bezeichnet wird. 

 

Die dritte Ebene des Bewusstseins ist das Sinnes-Bewusstsein. Es ist das Bewusstsein, das aus unseren fünf Sinnen besteht: Sehen, Hören, Geschmack, Berührung und Geruch. Manchmal nennen wir diese Sinne die "Tore der Wahrnehmung", weil alle Objekte der Wahrnehmung durch unseren sensorischen Kontakt mit ihnen in das Speicher-Bewusstsein gelangen. Das Sinnes-Bewusstsein umfasst immer drei Elemente: Erstens das Sinnesorgan (Augen, Ohren, Nase, Zunge oder Körper), zweitens das Sinnesobjekt (das Objekt, das wir wahrnehmen) und schließlich unsere Erfahrung von dem, was wir sehen, hören, riechen, schmecken oder berühren. Das Sinnes-Bewusstsein ist sehr eng mit dem Teil das Geist-Bewusstseins verknüpft, der Informationen mit dem Körper (Sinnesorgane) austauscht, doch es ist nicht auf die Sinnesorgane beschränkt. Es ist ebenfalls für erinnerte oder antizipierte Sinnes-Erfahrungen zuständig, also jene Objekte, die nur im Geist- oder Speicher-Bewusstsein existieren. Das Sinnes-Bewusstsein liefert seine Informationen grundsätzlich zuerst an das Speicher-Bewusstsein, um sie dort aufzubewahren. Erst wenn die Wahrnehmung stark genug ist, veranlasst es das Geist-Bewusstsein seinen Fokus auf diese Information zu lenken. In diesem Moment wird uns der Sinneseindruck bewusst.

 

Die vierte und letzte Ebene ist das Manas-Bewusstsein. "Manas" bedeutet im Sanskrit so viel wie: „innerer Sinn, Verstand oder bewusstes Denken“. Es handelt sich also in gewisser Weise um das einfache Denken und Fühlen des Menschen. Hier ist der menschliche Intellekt, die Vernunft, der Verstand, der Wille und die Urteilskraft zuhause. In vielen Traditionen wird "Manas" nicht der Status eines Bewusstseins gegeben, weil es seine Wurzeln in alle anderen Bewusstseins Ebenen treibt und sich dort die Informationen zusammensammelt, die es dann für seine Zwecke gebraucht. Um die Funktion des Manas-Bewusstseins zu verstehen schauen wir uns an, wie der Hinduismus deine Lebensreise sieht: „Erkenne Atman (Speicher-Bewusstsein) als den Eigentümer der Kutsche, den Körper als den Wagen mit seinen Pferden, die Buddhi (Geist- und Sinnes-Bewusstsein) als den Wagenlenker und das Manas-Bewusstsein als die Zügel, die die Pferde lenken. Das Manas-Bewusstsein stellt also die steuernde Verbindung zwischen dir und deinem weltlichen Antrieb dar, mit dem du deine Reise ausführst. Es ist einfach gesagt, das Ego, das sich mit sich selbst identifiziert hat. Das Manas-Bewusstsein ist der geistige Anteil des Tamagotchis. Der andere Teil des Tamagotchis ist die Manifestation des Körpers in seiner ganzen Tiefe. Im Manas-Bewusstsein erlebst du das Zusammenspiel aller anderen Bewusstseinsebenen als eine Einheit. Erst hier ergibt alles einen persönlich interpretierten Sinn: Die Bilder, die du siehst und die Worte, die du hörst, die Gefühle in bestimmten Situationen, aber auch die Erfahrungen, die sich mit Äpfeln, Wasser, Menschen und Tieren ergeben. Das Manas-Bewusstsein ist die Welt des Tamagotchis. Das Bewusstsein deines Avatars, dein Erlebensfokus in dieser Welt.

 

Die gewählten Namen sollen auf die vier Aspekte des Gesamt-Bewusstseins hindeuten. Die erste Bedeutung ist ein Ort, ein "Speicher", wo alle Arten von Informationen geordnet aufbewahrt werden. Doch das Speicher-Bewusstsein nimmt nicht nur alle Informations-Objekte auf, es bildet auch neue Informationen zwischen diesen Objekten, die sich auf ihre Verbindungen zueinander beziehen. Es bildet Muster und Strukturen, anhand derer die Informationen schnell wieder hervorgeholt werden können. Da der Strom an Informationen niemals stoppt, entsteht so der Eindruck, dass ein stetiger Fluss von Veränderung, Verarbeitung und Transformation besteht. Würde man vom Speicher-Bewusstsein Blitzlicht Aufnahmen machen, wäre keines der Fotos gleich mit einem anderen. Egal wie viele Fotos man auch knipsen würde.

Das Speicher-Bewusstsein ist wie ein dynamisches Museum. Ein Museum kann man aber nur etwas nennen, indem es auch Dinge gibt, die bewahrt und gepflegt werden sollen, damit sie erfahren werden können. Wenn es nichts zu erfahren gibt, kann man es nicht Museum nennen. Das Speicher-Bewusstsein wirkt wie der Museums-Konservator, der für das Museum verantwortlich ist. Seine Aufgabe ist es, die verschiedenen Gegenstände aufzubewahren und zu bewachen, damit sie nicht verloren gehen oder zerfallen. Daher sind in einem Museum meist nur wichtige Dinge, die es wert sind, behalten und gepflegt zu werden. Das Speicher-Bewusstsein versteht sich hervorragend auf diese Aufgabe. Es ist perfekt darin, Informationen zu lagern, zu katalogisieren und zu indexieren und zudem ist es sich über Sinn und Zweck jedes einzelnen, der vorhandenen Dinge bewusst. Es kennt von allen Dingen deren Geschichten von Anbeginn an, Informationen von unseren Vorfahren und alles, was je von anderen Lebewesen empfangen wurden. All diese Informationen werden als Objekte, mitsamt den Informationen über ihre Beziehungen zu bestehenden Objekten, gespeichert oder im Netzwerk referenziert.  

 

Angenommen, dass du heute Morgen einen Gesang zum ersten Mal hörst. Dein Ohr und der Gesang begegnen sich und provozieren die Manifestation der geistigen Form der Berührung. Durch diesen Kontakt wird das Speicher-Bewusstsein durch das Sinnes-Bewusstsein zum Vibrieren gebracht. Diese Vibrationen sind eine neue Information, ein neues Objekt, für das Speicher-Bewusstsein. Es wird es aufnehmen, in sich speichern und für immer bewahren. Das Speicher-Bewusstsein bewahrt alle Informationen auf, die es jemals erhalten hat, doch seine Funktionen gehen weit über das Speichern hinaus. Es ist auch seine Aufgabe diese Informationen zu katalogisieren und zu strukturieren. Es herrscht große strukturelle Ordnung im Speicher-Bewusstsein. Eine Ordnung, die weder vom Geist-Bewusstsein noch vom Manas-Bewusstsein erkannt und verstanden werden kann.

Die Informations-Verarbeitung im Speicher-Bewusstsein kostet keine Stoffwechsel Energie und geht sehr schnell, denn das Speicher-Bewusstsein hat keinen direkten Bezug zu den Manifestationen des Geist-Bewusstseins. Deshalb kann es jede Information ohne großen Aufwand verarbeiten. Wenn du also deine physische Energie sparen willst, denk nicht zu viel, plane nicht zu viel und mach dir nicht zu viele Sorgen, denn das geschieht im Geist-Bewusstsein und kostet eine Menge Energie. Erlaube stattdessen dem Speicher-Bewusstsein, den Großteil der Verarbeitung zu tun, indem du dich mit deinem bewussten Denken heraushältst.

In der Nacht, wenn du schläfst und dein Körper auskühlt, weil das Zimmer zu kalt wird, kann dein Körper die Kälte spüren und ohne das Geist-Bewusstsein aufzuwecken, das Speicher-Bewusstsein bitten, dass dein Arm die Decke hochziehen soll. Das geschieht dann, ohne dass du es merkst. Das Speicher-Bewusstsein funktioniert immer, auch in Abwesenheit des Geist-Bewusstseins. Aber das Speicher-Bewusstsein tut noch eine Menge Dinge mehr. Es plant und trifft Entscheidungen aufgrund des in ihm gespeicherten Wissens, ohne dass du es mitbekommst. Es hat also eine dir unbewusste Intelligenz, auf die du dich voll und ganz verlassen könntest, wenn da nicht das Manas-Bewusstsein wäre.

Wenn du in ein Kaufhaus gehst und nach einem Hut oder einem T-Shirt suchst, hast du den Eindruck, bei der Betrachtung der Auslage, dass du einen freien Willen hast und völlig frei bist zu wählen, was immer du willst. Wenn der Verkäufer dich dann fragt, was du magst, kannst du den Gegenstand nennen und du hast wahrscheinlich den Eindruck, dass du in diesem Moment ein ganz freier Mensch bist, der sein Bewusstsein nutzt, um Dinge zu kaufen. Aber das ist eine Illusion. Alles ist schon vorher ohne dein Wissen im Speicher-Bewusstsein entschieden worden. Wenn du glaubst, du wärst frei, dann bist du in diesem Augenblick bereits vom Tamagotchi gefangen. Du, ich, wir, sind keine freien Menschen, solange wir uns mit den Resonanzen des Bewusstseins zufriedengeben. Unser Sinn für Schönheit, unsere Ängste und unser Gefühl der Vorliebe oder Abneigung, ist sehr diskret und sicher auf der Ebene des Speicher-Bewusstseins bereits vorher festgelegt worden. Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir frei sind. Der Freiheitsgrad unseres Geist-Bewusstseins ist wirklich sehr klein. Das Speicher-Bewusstsein diktiert unser Handeln, weil es kontinuierlich, behält, pflegt und verarbeitet. Es trifft aufgrund dessen viele Entscheidungen, ohne die Beteiligung des Geist-Bewusstseins. Aber wenn wir uns in der richtigen Praxis üben, können wir unser Speicher-Bewusstsein beeinflussen. Wir können lernen, die Art und Weise zu ändern, wie es Informationen speichert und verarbeitet, um für uns bessere Entscheidungen zu treffen, die dann zu einem, für uns zuträglicherem Handeln führen.   

Befindest du dich z.B. in einer Gruppe von Leuten, wirst du von deren Informationen beeinflusst. Das Speicher-Bewusstsein ist in dauerndem Kontakt zu jedem Lebewesen in deiner Umgebung und fragt dort Informationen ab. Das beeinflusst die Entscheidungen, die du triffst, deine Vorlieben und Abneigungen und deine Wertvorstellungen. All das hängt von der Gesamtheit des dich umgebenden Speicher-Bewusstseins ab. Darum wird das Speicher-Bewusstsein auch oft "kollektives Bewusstsein" genannt, doch außer einer Vernetzung von Informationen, die durch die Annäherung zweier oder mehr Tamagotchis entsteht, gibt es kein "kollektives" Bewusstsein. Nur die Art und Weise, wie unser Geist- und Sinnes-Bewusstsein die Welt erleben, harmonisiert sich durch den Informationsaustausch des Speicher-Bewusstseins mit anderen. Deshalb erscheinen den Menschen viele Aspekte der Welt gleich. Das macht uns aber noch lange nicht zu kollektiven Wesen. Du kannst vielleicht über lange Zeit die Schönheit einer Musik nicht nachvollziehen, aber wenn viele Leute in deiner Gesellschaft anfangen sie zu mögen und sie schön empfinden, wirst auch du sie allmählich als schön empfinden. Einfach deswegen, weil das Speicher-Bewusstsein die dazu nötigen Informationen  abgerufen hat und daraus die Illusion eines kollektiven Handelns, Bewertens und Urteilens entsteht. Der Wert des Geldes besteht z.B. aus solch "kollektivem" menschlichen Denken. Die objektiv messbaren ökonomischen Elemente des Geldes folgen den Ängsten, Wünschen und Erwartungen der Menschen. Das ist ein an den Börsen schon lange bekanntes Phänomen. Devisenwerte steigen und fallen, je nachdem ob die Menschen Befürchtungen, Hoffnungen oder Zuversicht gegenüber dem Geld oder der Politik hegen. Wir sind stark durch die vom Speicher-Bewusstsein angeglichenen "kollektiven" Denk- und Handlungsweisen beeinflusst. Deshalb ist es so überaus wichtig, die Menschen, mit denen du deine Lebenszeit verbringst, sehr gut auszuwählen. Es ist für dich sehr, sehr wichtig, dich mit Menschen zu umgeben, die Liebenswürdigkeit, Verständnis und Mitgefühl in sich tragen.

Das Speicher-Bewusstsein erlaubt uns durch seine immer fließende Natur, Erleuchtung und Transformation zu erfahren. Es ist wie ein Garten, indem wir die Samen von Blumen, Obst und Gemüse in der Gewissheit pflanzen können, dass dann Blumen, Obst und Gemüse wachsen werden. Es wird darüber hinaus dafür sorgen, dass aus den Blumen keine Disteln und dem Gemüse keine Bäume entstehen. Das Geist-Bewusstsein ist der Gärtner dieses Gartens. Ein Gärtner kann dem Garten helfen und sich um das bestellte Land kümmern, aber der Gärtner muss an das Gesäte glauben. Er muss wirklich glauben, dass es Früchte, Blumen und Gemüse geben wird, selbst dann, wenn nichts als braune Erde zu sehen ist. Als Praktizierende können wir uns nicht allein auf unser Geist-Bewusstsein verlassen. Wir müssen auch unserem Speicher-Bewusstsein vertrauen, denn dort werden die wichtigen Entscheidungen getroffen.

Angenommen, du gibst etwas in deinen Computer ein und diese Informationen werden auf der Festplatte gespeichert, dann ist diese Festplatte wie das Speicher-Bewusstsein. Obwohl die Informationen nicht mehr auf dem Bildschirm zu sehen sind, sind sie immer noch da. Du musst nur den entsprechenden Befehl geben und sie werden sich auf dem Monitor manifestieren. Die Information im Speicher-Bewusstsein, entspricht den Daten, die du auf deinem Computer speicherst. Wenn du willst, kannst du sie mit dem richtigen Befehl im holografischen Bildschirm des Geist-Bewusstseins erscheinen lassen. Dein Geist-Bewusstsein ist ein mehrdimensionaler, holografischer Bildschirm, in dem sich die Daten des Speicher-Bewusstseins manifestieren. Das Speicher-Bewusstsein kann natürlich sehr viel mehr Information speichern, als jemals auf deinem Bildschirm sichtbar werden können, denn es ist ja eine unendliche Festplatte. Das Speicher-Bewusstsein sorgt auch durch bestimmte Organisationsmethoden dafür, dass sich von dir angeforderte Informationen sehr schnell in deinem Hologramm manifestieren. Gleichzeitig optimiert es die Fülle der Information und schützt sie vor Veränderung oder vor dem versehentlichen, aber auch absichtlichen Löschen. 

Im Gegensatz zu den digitalen Datenbits auf einer Festplatte sind jedoch alle Informationen im Speicher-Bewusstsein von organischer Natur, deren Eigenschaften modifiziert werden können. Die Information "Hass" kann zum Beispiel geschwächt werden, indem seine Energie (Schwingung) durch die Energie des Mitgefühls ersetzt wird. Die Information "Liebe" kann gestärkt werden, indem ihre Energie durch Zuneigung und Freude angeregt wird. Die Natur der Informationen, die vom Speicher-Bewusstsein gehalten und verarbeitet werden, fließt immer und verändert sich immer, wobei jede Veränderung wieder als neues Objekt mit den bestehenden Informationen vernetzt wird. Wir können das mit der Dualität des Lichts vergleichen, das in der Physik manchmal als Teilchen erscheint und manchmal als Welle. Während ein Teilchen einen Ort und Zeit seiner Existenz besitzt, existiert die Welle zeitlos im ganzen Universum. Das ist für so ein Lichtquant überhaupt kein Problem. Liebe kann in Hass verwandelt werden, und Hass kann in Liebe verwandelt werden. Das ist für das Speicher-Bewusstsein überhaupt kein Problem, selbst wenn Geist- und Manas-Bewusstsein es für unmöglich halten.

Das Speicher-Bewusstsein ist allerdings auch ein Opfer seiner gespeicherten Informationen. Es ist nicht völlig frei, weil es an einer Täuschung anhaftet, die tief in ihm vergraben wurde. Im Speicher-Bewusstsein gibt es Elemente der Unwissenheit, der Täuschung, der Wut und der Angst. Diese Elemente bilden eine Energie, deren Kraft alles festhalten und besitzen will. Dies ist die vierte Ebene des Gesamt-Bewusstseins, das ich Manas-Bewusstsein nenne. Das Manas-Bewusstsein hat an seiner Wurzel den Glauben an ein eigenes Selbst, den Glauben an eine individuelle Person. Diese "Ich bin" Information, ist sehr tief im Speicher-Bewusstsein eingepflanzt. Es ist keine Information, die vom Geist-Bewusstsein jemals aufgenommen bzw. erfahren wurde. Diese Information des "Ich bin", diese Idee, über ein eigenständiges Selbst, welches von anderen Elementen getrennt existiert, ist sehr tief in das Speicher-Bewusstsein eingegraben. Diese Täuschung aufrecht zu erhalten, ist die einzige Funktion des Manas-Bewusstseins, des Tamagotchis, das sich daran klammert, um das Bewusstsein einer Existenz als ein eigenes Selbst zu bewahren.

Das Manas-Bewusstsein eignet sich aus diesem Grund alles an, was sich zur Rechtfertigung eines eigenständigen Selbst und einer persönlichen Existenz eignet. Jede vom Speicher-Bewusstsein hervorgerufene Situation, jedes Gefühl und jede Handlung, wird von ihm sofort annektiert. So entsteht ein wirres Durcheinander, das sich selbst als "ich" bezeichnet und sich ggf. als den Schöpfer der Welt ausgibt. Diese tiefsitzende Täuschung, der Glaube, dass es ein Selbst gibt, das um jeden Preis erhalten werden muss, ist dort im Speicher-Bewusstsein als Ergebnis von Unwissenheit und Angst verborgen. Das ganze Speicher-Bewusstseins dreht sich um diese Täuschung und konzentriert dort seine Energie. Dabei "vergisst", d.h. ignoriert das Speicher-Bewusstsein andere vorhandene Informationen, die ihm selbst erlauben würden, sich als Teil des Gesamt-Bewusstseins anzusehen, aus dessen Existenz heraus es selbst existiert. So entsteht die immer aktive Kapsel des Manas-Bewusstseins. Es lässt niemals die Bewusstseinsebenen los, in die es verwurzelt ist. Es muss alles unablässig umarmen, festhalten und verkleben, damit es sich selbst als lebendig erfahren kann. Das Manas-Bewusstsein glaubt, dass das Speicher-Bewusstsein, das ein und alles seiner Liebe ist. Deshalb ist das Speicher-Bewusstsein nicht frei. Es ist von der Illusion besetzt, die besagt, dass das "ich", das Manas-Bewusstsein, sein Geliebter ist. Daher kann es diese Information nicht auflösen oder loslassen. Es gibt unablässig eine geheime, tiefe Überzeugung, dass dieses "ich bin" etwas ist, das unbedingt geschützt und begriffen werden muss. Aus dieser Verwechslung heraus wurde das Manas-Bewusstsein geboren und konnte seine Wurzeln in alle Bewusstseins- Ebenen senden und nun erscheint es im Speicher-Bewusstsein als das Objekt: "Ich bin und ohne mich, bist du nicht!“ Die Funktion des Tamagotchis ist es, dieses Bewusstsein als persönliches Eigentum zu bewahren.

Jetzt haben wir die Namen der vier Schichten des Bewusstseins, und wir können sehen, wie sie interagieren. Das Speicher-Bewusstsein ist ein Prozess - immer fließend, immer vorhanden, nie unterbrochen. Aber das Geist-Bewusstsein kann unterbrochen werden. Zum Beispiel, wenn wir, ohne zu träumen schlafen, wenn das Gehirn gestört ist oder Bewusstlosigkeit eintritt. Dann ist das Geist-Bewusstsein außer Betrieb. Wenn wir in einem Koma sind, hört die Tätigkeit des Geist-Bewusstseins ganz auf. In tiefen Konzentrationen, stellt das Geist-Bewusstsein seine Aktivitäten ebenfalls ein, dann gibt es kein Denken und keine Planung - und doch bleibst du weiter konzentriert. Dies ist der Moment wo das Speicher-Bewusstsein alles Weitere übernimmt. In der westlichen Welt kennt man diesen Zustand als "Flow", der bei konzentrierten Tätigkeiten eintritt und dich die Welt vergessen lässt. Plötzlich bist du dann am Ziel deines Vorhabens, aber du hast keine Ahnung, wie du dahin gekommen bist oder erschrickst darüber, dass die von dir erlebten wenigen Minuten, viele Uhrzeit-Stunden verbraucht haben. Das Speicher-Bewusstsein kann man auch als "Hintergrundbewusstsein" betrachten, in dem kontinuierlich alles aufgezeichnet wird, was an Informationen auftritt. Ob du wach bist oder schläfst, ob du träumst oder nicht, die Arbeit der Verarbeitung und Speicherung von Informationen wird kontinuierlich durch das Speicher-Bewusstsein erledigt, ob du es willst oder nicht.

Wenn wir Autofahren, eine Maschine bedienen oder andere Aufgaben konzentriert ausführen, erlauben wir oft unserem Geist-Bewusstsein, sich zurückzuziehen und dem Sinnes-Bewusstsein direkt mit dem Speicher-Bewusstsein zusammenzuarbeiten. Das ermöglicht uns, viele Dinge, fast automatisch und perfekt zu tun. Wenn wir unser Geist-Bewusstsein auf diese Vorgänge richten, können wir plötzlich diese Prozesse bewusst wahrnehmen und meistens kommt dadurch unsere Tätigkeit dann ins Stocken! Der Flow endet.

Das Wort "Bildung" bedeutet: "Das, was manifestiert, wenn viele Bedingungen zusammenkommen". Wenn wir eine Blume betrachten, erkennen wir viele Elemente, die zusammengekommen sind, um die Blume in dieser Form und Situation zu manifestieren. Wir wissen, dass es ohne den Regen kein Wasser gibt und die Blume sich ohne Wasser nicht manifestieren kann. Und wir wissen, dass sie es ohne Sonnenschein auch nicht könnte. Die Erde, der Kompost, der Gärtner, Zeit und Raum und viel, viel mehr Elemente kamen zusammen, um diese Blumen-Manifestation zu ermöglichen. Die Blume hat keine getrennte Existenz von diesen Elementen. Sie ist eine Form im Speicher-Bewusstsein, die vom Geist-Bewusstsein hervorgebracht und wahrgenommen wird. Die Sonne, der Mond, die Milchstraße, dein Haus, dein Körper, der Berg, der Fluss und die Schmetterlinge sind alles solche Formen. Mit dem Wort "Bildung" erinnern wir uns daran, dass es keinen separaten Kern der Existenz gibt, der vom Netzwerk der Informationen getrennt ist. Das Zusammenkommen von so vielen Bedingungen für eine Manifestation einer Form, kann das Manas-Bewusstsein nicht erfassen. Der Intellekt des Manas-Bewusstseins reicht nicht aus, um die feine Vernetzung der schöpferischen Energien zu analysieren, die einer Manifestation zugrunde liegt. Deshalb hält es an dem "Ich bin" so fest, wie ein Ertrinkender einen Rettungsring.   

Als Übende auf dem Weg nach Hause können wir uns darin üben, alles mit den Augen des Speicher-Bewusstseins zu betrachten. So trainieren wir uns, alles als eine Form zu betrachten, die in der Wahrnehmung entsteht. Wir erleben dann auch, dass sich alle Formen ständig ändern und Unbeständigkeit der Charakter der Wirklichkeit ist. Alle Formen, denen wir uns gewahr werden können, existieren im Speicher-Bewusstsein. Daher sind alle Formen, geistige Formen, die durch die Kraft des Geistes aufrechterhalten werden. Wenn es einen Kontakt zwischen deinem Sinnes-Bewusstsein und einer geistigen Form gibt, entsteht im Geist-Bewusstsein eine Vibration und in diesem Moment wird dir dieser Kontakt in Form des Fühlens, Sehens, Hörens, Schmecken oder Riechens bewusst. Sofort fixiert sich deine Aufmerksamkeit auf diese Form und deine manifestierten Sinnesorgane nehmen ein Objekt oder einen Vorgang wahr, der sich augenblicklich manifestiert und verändert. Du siehst, deine Welt ist weit weniger massiv, als du vielleicht dachtest. Indem wir uns selbst darin üben, die geistigen Prozesse wieder zu erleben, wandeln wir uns zurück in die Wesen, die wir wirklich sind.

Wenn der Kontakt zwischen Sinnes-Bewusstsein und Speicher-Bewusstsein jedoch nur schwach ist, dann hört diese Vibration schnell wieder auf und im Fließen des Speicher-Bewusstseins, bleibt diese Kräuselung zwar gespeichert, aber ohne weitere Wirkung. Du schläfst weiter oder setzt deine Aktivitäten ohne Unterbrechung fort, denn die Vibration, die durch die Berührung des geistigen Objektes entstand, war nicht stark genug, um die Aufmerksamkeit des Geist-Bewusstseins auf sich zu lenken. Es ist, als ob ein Insekt auf der Oberfläche eines Teiches landet und das Wasser ein wenig kräuseln lässt, aber nachdem das Insekt wieder abfliegt, beruhigt sich die Oberfläche des Wassers wieder. Obwohl also das Sinnes-Bewusstsein einen Kontakt manifestiert und der Fluss des Speicher-Bewusstseins diesen Kontakt registriert, gibt es keine Aufmerksamkeit des Geist-Bewusstseins, weil der Eindruck eben zu schwach gewesen ist.

Doch der Kontakt ist nur das Erste von vielen Objekten, die Informationen in Form von Vibrationen über das Sinnes-Bewusstsein an das Speicher-Bewusstsein senden. Es folgen Aufmerksamkeit, Gefühl, Wahrnehmung und Wille. Diese fünf geistigen Formen können sehr schnell nacheinander oder gleichzeitig stattfinden. Ihre Intensität und ihre Tiefe, variieren in jedem Bewusstseinsniveau. Wenn wir zum Beispiel von Aufmerksamkeit sprechen, können wir es im Kontext des Speicher-Bewusstseins oder im Kontext des Manas-Bewusstseins meinen, oder wir können auch die Aufmerksamkeit des Geist-Bewusstseins meinen. Auf allen vier Ebenen sind die Wirkung, die Intensität und die Tiefe von "Aufmerksamkeit" unterschiedlich.

Die Objekte im Speicher-Bewusstsein sind der Inhalt dieses Bewusstseins. Jedes von Ihnen hat eine einzigartige Frequenz, einen eindeutigen Klang, der von allen anderen verschieden ist. Das Speicher-Bewusstsein ist da sehr rigoros: Gleiche Klänge, gleiche Objekte und das bedeutet: keine erneute Speicherung. Es ist ähnlich wie die Wassertropfen den Inhalt eines Flusses bilden, der Fluss selbst aber nicht da ist, wenn es keine Wassertropfen gibt. Trotzdem reicht das Wissen um einen Wassertropfen aus, um ein ganzes Meer zu füllen! Zum Beispiel ist Wut ein geistiges Objekt. Das Objekt Wut kann vom Geist-Bewusstsein so manifestiert werden, dass es das Geist-Bewusstsein vollständig überschwemmt. In diesem Augenblick ist das Geist-Bewusstsein komplett von Wut erfüllt. In dem Augenblick spüren wir unseren Geist voller Zorn und unser Körper reagiert. Aber in Wirklichkeit ist das Geist-Bewusstsein nicht nur diese Wut, denn in der Wut ist auch das Mitgefühl vergraben und wenn die Vibration der Wut abklingt, kommt dieses Mitgefühl zum Vorschein. Dann wird das Geist-Bewusstsein zum völligen Mitgefühl. Das Geist-Bewusstsein ist, zu unterschiedlichen Zeiten, immer von den Objekten erfüllt, auf denen seine Aufmerksamkeit ruht. Dabei spielt es keine Rolle ob du das als positiv, negativ oder neutral bewertest. Diese Bewertung stammt nämlich ausschließlich aus dem Manas-Bewusstsein, deinem Tamagotchi.

Ohne geistige Formen gibt es kein Bewusstsein. Beobachtest du einen Schwarm Vögel am Himmel, dann fliegen sie schön und harmonisch, selbst die kompliziertesten Flugfiguren. Doch es gibt keinen Anführer, der sagt wie sie zu fliegen haben. Das Objekt "Schwarm" hält die Vögel zusammen und bestimmt ihren Flug. Die Vögel sind der Schwarm und der Schwarm weiß, was zu tun ist. So brauchst du auch kein Selbst, um du zu sein oder eine Form zu erschaffen, die DU sein soll. Wie es geht, machen dir die Vögel vor. Schau hin! Auch in einem Bienenstock brauchst du niemanden, der Befehle an die einzelnen Bienen gibt. Die Bienen Objekte kommunizieren untereinander und sind so dadurch ein Bienenstock. Unter allen Bienen kann jede Biene eine andere Verantwortung haben, aber keine Biene behauptet, der Chef aller Bienen zu sein. Nicht einmal die Königin ist der Chef. Ihre Funktion ist einfach nur, die Eier zu legen. Wenn du in dir eine gute Gemeinschaft bist, dann bist du wie ein Bienenstock oder ein Vogelschwarm, in dem alle Teile das Ganze ausmachen, ohne Führer und ohne Chef. Letztendlich brauchst du kein Manas-Bewusstsein, das kontrolliert, analysiert, durchdenkt und plant. Alles wird durch das Speicher-Bewusstsein und die darin enthaltenen Objekte perfekt und harmonisch geregelt. So lebst du bewusst und in gelassener Heiterkeit deine Tage.

Wenn du sagst, "es regnet", dann meinst du auch, dass es regnet. Du brauchst niemanden, um das Regnen auszuführen, denn es gibt weder den Regen noch jemanden, der den Regen veranlasst. Es ist nur eine Resonanz in den Bewusstseinsebenen, die deine Wahrnehmung auf die fallenden Regentropfen zieht. In unserer Art zu sprechen haben wir es uns angewöhnt, ein Thema und ein Verb zu haben. Deshalb gebrauchen wir das Wort "es", wenn wir sagen, "es regnet." Das "es" ist das Thema, das den Regen macht. Aber wenn wir tiefer schauen, gibt es kein "es". Da ist kein Regenmacher da, der den Regen macht. "Regen" und "regnen" sind das Gleiche. Es ist ein Gesang im Bewusstsein und je nach deiner Aufmerksamkeit wirst du es unterschiedlich erfahren. Genauso gibt "es" kein Selbst, keinen Chef. Alles ist Ausdruck des großen Schöpfungsdramas.

Es gibt die mentale Form des "Gedanken". Wenn wir dieses Objekt verwenden, entsteht das Verb "denken". Nur so können wir den Kontext, das Thema, bilden: Ich denke, du denkst, er denkt. Aber in Wirklichkeit brauchst du kein Thema, um einen Gedanken zu produzieren. Gedanke und Denken sind gleichzeitig und synonym. Es bedarf keines Denkers, auch wenn das Manas-Bewusstsein es anders sieht. Zu denken ist, über etwas nachzudenken. Zu erkennen ist, etwas zu sehen. Der Wahrnehmende und das wahrgenommene Objekt sind eines, da es nur ein Spiel im Bewusstsein ist.

Als der große Philosoph René Descartes sagte: "Ich denke, also bin ich," ging er davon aus, dass ein "Ich" da sein muss, damit denken möglich ist. Er glaubte mit "Ich denke", beweisen zu können, dass ein "Ich" existiert. Doch wir wissen bereits, dass ein "ich" nur als Manas-Bewusstsein besteht, als eine komplexe Informationsvernetzung zwischen Speicher-, Sinnes- und Geist-Bewusstsein. Wir haben allerdings die starke Angewohnheit, an ein Selbst zu glauben. Doch wenn wir sehr aufmerksam sind, sehen wir, dass ein Gedanke keinen Denker braucht, um zu existieren. Es gibt keinen Denker hinter dem Gedanken und niemanden, der einen Gedanken erschafft. Da ist nur das geistige Objekt "Gedanke", das sich aus den Vibrationen der Bewusstseinsebenen bildet und vom Geist-Bewusstsein manifestiert wird. Da ist nur der Gedanke. Das ist genug. Denken - das ist genug. Das Denken manifestiert sich ohne die Notwendigkeit eines Selbst dahinter, denn es ist die Tätigkeit des Manas-Bewusstsein, des Tamagotchis, das sich des Gedankens bemächtigt hat und fortan als "sein" betrachtet.

Denken ohne Denker. Fühlen ohne Fühler. Was wäre übrig von unserem Zorn ohne unser "ich" und ohne unser "Selbst"? Das ist der Gegenstand unserer Praxis. Alle geistigen Formen existieren und manifestieren sich durch sich selbst. Sie erscheinen ohne jemanden, der das arrangiert. Unser Geist-Bewusstsein hat die Gewohnheit, sich auf die Idee des Selbst und sein geliebtes "ich" zu stützen und geht dabei dem Manas-Bewusstsein auf den Leim. Aber wir können meditieren, um uns dessen bewusst zu sein und wir können meditieren, um zu erfahren, wo all die geistigen Objekte sind, die sich momentan nicht in unserem Kopf manifestieren. Wenn wir meditieren, üben wir uns darin Licht und Klarheit tief in unser Wesen zu bringen und zu behalten. Wenn wir in der Mediation die Vision des „Nicht-Selbst“ aufrechterhalten, wird die Täuschung des Geist-Bewusstseins aufgelöst. Das nennen wir die große Umwandlung. In der buddhistischen Tradition geht die Transformation mit tiefem Verständnis und Mitgefühl einher. In dem Augenblick, in dem die Vorstellung von "Ich bin" zerfällt und die schwer fassbare Vorstellung von "Nichts ist", erfahren wird, zerstört das die Wurzeln des Manas-Bewusstseins, es löst sich auf und wir finden Freiheit und Glück.

Am Ende dieses Satang möchte ich dich jedoch bitten, über die Wahrheit des 13. Chakras, des Kala-Chakra oder des Satchitananda Chakras nachzudenken:

„Du bist nicht das Manas-Bewusstsein. Du bist nicht das Sinnes-Bewusstsein, nicht das Geist-Bewusstsein und auch nicht das Speicher-Bewusstsein. Du bist nichts davon. Deine wahre Natur ist "Satchitananda", was Sein, Wissen und Glückseligkeit bedeutet. Du bist unendliches Sein, unendliches Wissen und unendliche Seligkeit. Das ist deine wahre Natur.“

Lerne es, deinen Geist zu beobachten, die Gedanken-Objekte im Geist zu beobachten, die Emotionen zu beobachten und dich nicht damit zu identifizieren. Weise aber auch die Informationen des Bewusstseins nicht ab. Lerne, nicht Sklave des Bewusstseins zu sein. Du kannst das Bewusstsein steuern, denn du bist GEIST und du kannst dich von all deinen Schöpfungen erlösen.

alles liebe

Hans

 

 

Eine einfache Darstellung der 24 Energie Bewusstseins/Ebenen im Chakrensystem.

 

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