Stille ist das lauteste Gebet

Stille ist das lauteste Gebet.

Stille verändert die Herzen. 

Die Stille ist die lauteste Belehrung, die einem Menschen widerfahren kann.
Sie ist die höchste Form der Gnade und wird nur gewährt, wenn der Sucher vollkommen schweigt. Stille ist die erste Form aus der alle anderen Formen entstehen.

Ist es im Sucher still, wird sein Herz rein.

 

Der Unwissende verwechselt seine weltliche Erscheinung mit dem Selbst. Er sucht deshalb nach den Antworten auf seine Fragen in der Welt . Aber die Welt kennt diese Antworten nicht, denn die Welt des Suchers ist aus Unwissenheit erschaffen. In ihr erhält er deshalb nur unwissende Antworten. Was er sucht befindet sich nicht in seiner Welt, sondern in ihm selbst. Solange er vor der Erkenntnis seiner selbst davonläuft, kann seine Welt ihm nur ihre Unwissenheit offenbaren. So wird er niemals die Antworten finden, die er sucht. Er bleibt der ewige Sucher, angebunden an das Rad des Lebens, dem Samsara, dem immerwährenden Zyklus des Seins im Kreislauf von Werden und Vergehen. 

 

Die meisten Sucher sind aber nicht in der Lage still zu sein. Sie suchen deshalb Menschen auf, die bereits still sind und halten sie für große Lehrer. Doch diese “Lehrer” sind die projizierten Gedanken der Suchenden. Die Suchenden wissen das nicht und erkennen auch nicht die Botschaft: Werde still! Doch sie sind so von sich überzeugt, dass sie unentwegt ihre Gedanken an die Stille, an den Lehrer und an die Lehre in die Welt aussenden. Deswegen sind sie nicht still, selbst wenn ihre Worte verstummen. Sie plappern in Gedanken fortwährend weiter und dieser Lärm vertreibt die Gnade des Geistes.  Erst wenn die Suchenden  aufhören ihre Gedanken zu denken, kann die Stille in ihre Herzen einziehen. Sie glauben dann, der Lehrer überträgt seine Stille auf sie. Doch in Wirklichkeit gibt es nichts zu übertragen. Die Suchenden kommen in ihr Innerstes und dort gibt es nur die eine Stille. Die Projektion endet. Lehrer und Suchender sind still.

 

Trotzdem ist es wichtig auf dem eigenen Entwicklungsweg die Lehrer zu erkennen, denn ohne diese vom Selbst des unbewusst Suchenden projizierten Objekte, kann die Erkenntnis des Selbst nicht eintreten. Erst wenn es das “ICH und DU” gibt, können sich die beiden Subjekte in der Stille auflösen und vereinen.

Diese Erkenntnis ist vollkommen. Sie ist ohne  Abhängigkeiten und verankert den Erkennenden in der Wirklichkeit.

Nun, was ist die Wirklichkeit, wenn es nicht die Welt ist, die für die Realität gehalten wird? Um dies zu beantworten muss eine weitere Frage gestellt werden: Wer bist du, der so etwas fragt?

Solange die Frage nach dem “Wer bin ich” nicht beantwortet wird, solange lässt sich die Frage nach der Wirklichkeit nicht beantworten. Deshalb breche ich an dieser Stelle das Schweigen und fordere dich auf:

„Werde, was Du bist!“

Zuerst erscheint diese Aufforderung ein Paradox zu sein, denn entweder wird man etwas oder man ist etwas. "Werden" bedeutet etwas zu sein, dass man noch nicht ist. Wie kann man dann zu etwas werden, das man schon ist?

In jedem Menschen steckt eine Ordnung, eine Struktur, etwas, das ihn unverwechselbar ausmacht. Es ist die Idee, die Gott von ihm hat und sein ausgeführter Lebensplan. Diese Ordnung steckt von Geburt an in jedem Menschen. Sie ist jedoch zutiefst unbewusst und in der Normalität versteckt. Wir müssen sie erst entdecken. Dazu müssen wir aber zunächst eine Suche antreten. Um etwas zu suchen, braucht man aber eine Frage! Diese Frage ist das “Wer bin ich?” Sie führt uns in unser Inneres. Nicht auf einem geradlinigen, direkten Weg, sondern auf einem Weg mit vielen Schleifen und Wiederholungen und mit mehr oder weniger kurzen Umwegen, die wir Leid nennen und gegen die wir mit "Heilung" ankämpfen. Doch diese Heilung ist weltlicher Natur. Es kann medizinische Heilung sein oder psychotherapeutische Hilfe für den Geist. Doch die Frage nach Heilung wird umso unwichtiger, je mehr das Bewusstsein von seinen weltlichen Verhaftungen los lässt. Indem sich das Bewusstsein heilt, gewinnt es an Klarheit. In dieser Klarheit verschwinden die Gedanken mit ihren Emotionen. Zurück bleibt die Stille. Das ist der Moment des Aufbruchs. Das ist mit dem “Werde, was du bist!” gemeint. In der Stille bricht das Herz auf und der Geist strömt ein. In der Stille verschwindet das Bewusstsein. Es tritt zur Seite um das Schöpfende einzulassen.  Was dann geschieht ist für jeden Menschen verschieden, denn jeder Mensch ist eine individuelle Erscheinungsform der Stille, eine unverwechselbare Signatur Gottes, einfach gesagt: Ein einmaliges Individuum, mit einem einmaligen Leben, einzigartigen Erfahrungen und Erkenntnissen. 

 

Es gibt jedoch auch Elemente, die für alle Menschen zutreffen:

 

1.)   Der Mensch ist ein Beziehungswesen

Jeder Mensch lebt von Beziehungen: Familie, Partnerschaft, Beruf , Freunde, materiellen Gütern, in Glaubensgemeinschaften und auch mit seinem inneren Selbst oder Gott. Ohne diese Beziehungen wäre das Menschenleben ohne Freude. Nur in der Beziehung zu etwas findet der Mensch seine Erfüllung.  Weil wir  Beziehungen im Leben als die Grundlage und Ausdruck unserer Gefühle  ansehen, erschaffen wir immer neue Beziehungen, bauen alte ab, verdichten und lockern sie. So entsteht ein Netzwerk, das jeden Menschen umgibt. Dieses Netzwerk ist eine von uns selbst erschaffene Struktur, die uns mit unserer Welt im Innen und Außen verbindet.

Das “Werde, was Du bist” kann in dieser Hinsicht bedeuten, sich den Beziehungen bewusst zu werden, in denen man vernetzt ist. Welche Beziehungen haben welche Qualitäten, welche tun mir gut und welche nicht? Wo verspüre ich einen Mangel oder ein Zuviel? Welche Beziehungen möchte ich gerne mit mehr und welche mit weniger Nähe erleben? Diese Reflexion über das systemische Lebensnetzwerk liefert die nötigen Anstöße und Erkenntnisse, um die gröbsten Problemzonen darin zu erkennen und ggf. zu beheben.

 

2)   Der Mensch ist ein Quantenwesen

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir nicht genau, wann “Der Mensch” in diese Realität eintritt, die wir Welt nennen. Wir haben eine Zeugung und eine Geburt und halten uns an diese materiellen Ereignisse, um unsere Zeitrechnung zu synchronisieren. Doch in Wirklichkeit tritt “Der Mensch” spontan auf. Er erscheint auf der Bildfläche und definiert seinen kausalen Ursprung mit der Zeugung. Dann findet er sich selbst in dieser Welt vor; umgeben von den vielen Dingen, die scheinbar schon vor ihm da waren und vermeintlich noch nach ihm da sein werden. Auch die Dinge, die er zum Leben braucht, hat er scheinbar nicht selbst gemacht, sondern diese werden von anderen Lebewesen inklusive der Natur für ihn erschaffen. Aus diesem Grund identifiziert er sich mit dem materiellen Körper und entwickelt einen festen Glauben daran dieser Körper zu sein. Er muss sich niemals die Frage stellen: Woher komme ich, denn diese Frage ist ja vermeintlich durch die Zeugungsdefinition beantwortet.

Allerdings müssen wir uns heute die Frage gefallen lassen, was denn dieser materielle Körper ist, wenn nicht eine Konstruktion aus Energie, die aus Myriaden kleinster Schwingungen besteht, die spontan und zufällig aus dem Nichts des Quantenvakuums entstehen und in kleinsten Sekundenbruchteilen wieder darin verschwinden. Unsere Physik lehrt uns heute: Materie ist zu 99,99% leerer Raum. Folglich definieren wir uns als “leeren Raum”, wenn wir uns an die Zeugungsdefinition halten. Doch so leicht dürfen wir uns es nicht machen, denn es ist offensichtlich, dass das Chaos und die Spontanität des Quantenvakuums immer wieder den annähernd gleichen Körper hervorbringt, nämlich den, für den wir  uns halten.

Wie kann das sein?

Der Ursache liegt in dem uns umgebenden, abstrakten und informatorischen Beziehungsnetzwerk, das uns mit unserem Innen und Außen verbindet. Dieses Beziehungsgeflecht ist die grundsätzliche Bejahung und Willenserklärung unserer Existenz. Es ist ein Schwingungsmuster, eine Musik, ein großer Gesang, die hinter der Realität des Weltlichen schwingen. Der Mensch wird in jeder Millionstel Nanosekunde neu mit seinem Leben beschenkt und erfährt im kurzen Aufblitzen seines Gewahrseins das Leuchten seines Wissens. Seine Strukturen und Beziehungen schaffende, kreative Natur, integriert dieses Aufblitzen des Lebendigen zu einer Folge von Augenblicken mit einem Davor und Danach.

“Werde, was Du bist” bedeutet demnach auch, sich der unermesslichen Gnade bewusst zu werden, dass es eine Kraft gibt, die in jedem Augenblick die persönliche Existenz bejaht und liebt. Sich bewusst zu werden, dass die Zeit und der Raum selbst nur Konstruktionen unserer Formen erschaffenden Natur ist, ist der Schritt über den Abgrund in eine tragende Leere. Die Ewigkeit selbst hat das so gewollt und bejaht.

 

3)   Der Mensch verfolgt in seinem Leben ein Ziel

Ohne dass es uns meist bewusst wird, verfolgt unser Leben mit seinen Taten, Aktionen und Gedanken einen Sinn. Dieser Sinn ist oft nicht einfach zu erkennen, doch immer verfolgt er ein positives Ziel, das den Hintergrund für sämtliche Handlungen in unserem Leben darstellt. Dieser Hintergrund schwingt in allem mit und verursacht so den Sinn in unserem Denken, Handeln und Fühlen. Unsere Beziehungsnetze wachsen auch nach “innen” und wir sind so immer mit den “höheren” Dimensionen unserer Existenz und mit der alles erschaffenden Stille verbunden. Diese Verbindung klingt durch uns hindurch und bringt das hervor, was wir so oft nur erahnen: Ein Ziel im Leben, zu dem wir hin tendieren. Allein durch Nachdenken können wir es jedoch nicht erfassen und so bleibt eine ewige Spannung zwischen dem, was wir bereits wissen und erreicht haben und dem, was noch als Ahnung in uns schlummert.

Mit der richtigen Motivation von “Werde, was Du bist” werden diese Ahnungen in das Bewusste erhoben und mit einem Mal geht es einem selbst auf, woraufhin wir leben und was die richtigen Handlungen sind, es zu erreichen.

Diese Erkenntnis ist eine Gnade und alles was wir tun können ist, die Sehnsucht danach wach zu halten, denn Sehnsucht – oder ein Herzenswunsch – macht uns offen für dieses Geschenk.

“Werde was Du bist” ist dann auch die Aufforderung nach dem Sinn unseres Lebens Ausschau zu halten und nichts zu akzeptieren, was diesem Sinn widerspricht. Es ist die Ermahnung nicht locker zu lassen und eine klare eindeutige Antwort auf die Frage zu erhalten “Wer bin ich?”

 

alles liebe

Hans