Wesentliches und Eigentliches

28.9.2020

Immer wieder treten diese beiden Begriffe auf. Immer wieder erzeugen sie Verwirrung. Immer wieder verführen sie zu dem Glauben, dass es etwas Wichtigeres gibt, als die alltägliche Lebenserfahrung.

Doch im Grunde spielt es keine Rolle, ob die Erfahrung des Alltags als das Geheimnis des Lebens vom eigenen Verstand begriffen wird, denn der Verstand selbst ist nur eine Erfahrung.

Alles in der Welt ist wesentlich. Nichts ist besonders wesentlicher als etwas anderes. Es entsteht, weil wir so sind. Unsere höchstpersönlichen Bewertungen, mit denen wir unser Leben etikettieren, sind das Gift, mit dem wir unsere Erkenntnisfähigkeit betäuben. 

Indem wir in Wesentliches und Unwesentliches unterteilen, fallen wir auf den ältesten und gemeinsten Trick des Verstandes herein, der uns immer wieder weismachen will, dass es etwas anderes zu analysieren gibt als uns selbst. In dem wir auf dieser Ebene eine Dualität erzeugen, erschaffen wir die Spaltung unserer Welt in gut und böse, gewollt und nicht gewollt.

Diese Spaltung der Erfahrung hält uns von der Erkenntnis ab, dass jede Erfahrung, jedes Erleben, jeder Gedanke und jedes Gefühl nur ein Echo auf eine, von uns selbst zuvor ausgeführten Aktion ist. In dieser Unwissenheit versunken, erschaffen wir uns die Fahne des Wesentlichen, die wir im Namen der Wahrheit hochhalten und über die Niederungen des Unwesentlichen erheben. Dabei übersehen wir ganz und gar, dass die gesamte Szene, von uns selbst inszeniert wurde. Doch weil wir nicht hingesehen haben, bevor wir erlebten, fällt es uns schwer diese Wahrheit anzunehmen.

Wir erleben diese Welt als unseren eigenen Selbstausdruck. Deshalb ist die Welt und alles was passiert, so wesentlich wie das "ich selbst". Es ist nicht einmal davon zu trennen. Es spielt auch keine Rolle auf welche Regeln und Gesetze wir uns beziehen: Diese Welt ist grundsätzlich so wie "ich bin", auch wenn der uns eigene kleine Verstand das nun überhaupt nicht akzeptieren will.

Die Welt, die wir erleben, ist in ihrer Totalität unsere eigene Kreation! Eine Kreation, die wir sind und in deren Wahrnehmung wir zur Selbsterkenntnis gelangen. Doch es ist ein Irrtum zu glauben, dass es eine bewusste Kreation ist. Es ist auch keine besonders wesentliche Kreation. Einfach nur die Kreation dessen, was entsteht, wenn wir existieren. Selbstverständlich können wir an uns selbst arbeiten, uns verändern, lernen und schulen, damit uns unser „Leben“ besser gefällt, nicht soviel Schmerzen erzeugt und wir glücklicher durchkommen, aber es bleibt immer eine Kreation dessen, was wir sind. Die schöpferische Kraft, die uns ebenso durchströmt, wie alles andere im Universum, zeigt uns immer nur uns selbst.

So bleibt um Grunde nur eine Frage übrig: Wer sind wir bzw. wer ist ich. Aus dem Netzwerk der Selbstbezüge, die sich aus dem Erleben der Welt ergeben, kann die Antwort nicht abgeleitet werden, da der Erlebende selbst Bestandteil dieses Netzwerkes ist. In der Welt erleben wir uns selbst als eine von allem anderen verschiedene Einheit. Dies gilt sowohl für die äußere Welt als auch für unsere innere Welt. Wir sind weder der Körper im Außen noch die Gedanken und Gefühle im Innen. Wir sind das, was einen Körper hat und was Gedanken, Gefühle und eine Wahrnehmung hat. Da wir wissen, dass die äußere Welt aus Energie besteht, haben wir also auch Energie.

Es bleibt weiterhin die Frage: Wer ist es, der wir sind?

In den bisherigen Theorien endete jede Antwort auf diese Frage in einem Paradox, denn es war nicht möglich die Kausalität von Ursache und Wirkung zu durchbrechen. Wenn wir geschaffene Wesen sind, dann musste es einen Schöpfer geben. Doch auch dieser Schöpfer musste selbst entstanden sein. So entstand die Abspaltung vom Dogma des allexistierenden Schöpfers und der, dem Kausalitätsprinzip folgenden Wissenschaft. Beide Wege haben jedoch noch keine Lösung für das "Wer war zuerst, die Henne oder das Ei" Paradox geliefert.

Intelligent Design

Und obwohl es doch eigentlich die wesentlichste Frage ist, die wir stellen können, haben wir bisher keine Antwort darauf. Erst mit dem Aufkeimen eines neuen, veränderten Bewusstseins, das die duale Erlebensweise der Welt transzendieren kann, werden wir fähig diese letzte Frage zu beantworten. Die heutigen Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass die Welt, die wir wahrnehmen, zum einen aus reiner Energie besteht und Materie erst durch einen Beobachtungsvorgang entsteht und dass sie zum anderen nicht ohne eine formende Ordnung entstehen kann. Sie nennen dies „intelligentes Design“ und meinen damit die Perfektion, mit der alle Vorgänge in der Natur aufeinander abgestimmt sind.

Die Welt, die Realität, die wir Menschen wahrnehmen, entsteht also dadurch, dass eine Intelligenz dafür sorgt, dass Wahrnehmungen, Erkenntnisse und deren Verknüpfungen uns strukturiert und so aufeinander abstimmt erscheinen, dass genau das Universum herauskommt, das wir als das unsere ansehen. Es ist uns nicht möglich diese Intelligenz an sich zu erkennen, wir erleben sie nur anhand ihrer geschaffenen Formen. Wir wissen nicht einmal ob diese Formen tatsächlich existieren, oder ob sie vollständig reine Bewusstseinsinhalte der sie formenden Intelligenz sind. Angesichts der Vollkommenheit und Komplexität, die diese Intelligenz an den Tag bringt, postulieren wir lieber ein höheres Wesen, eine Schöpfergöttin oder Schöpfergott, der uns vor der Erkenntnis bewahrt, dass diese Intelligenz unser  menschliches Wesen ist.

Die Postulierung eines solchen Schöpfers befreit uns von der Last der Erkenntnis und erlaubt uns in der offensichtlich mit allen anderen geteilten Unfähigkeit zu verweilen. Und weil dieser Schöpfer nirgendwo aufzutreiben war, sich jeder Nachforschung entzog und immer unsichtbar blieb, haben wir den von uns getrennten Geist erdacht. Jene hinter allem und jedem wirkende "wesentliche" Wirklichkeit, die so perfekt ist, dass wir sie nicht wahrnehmen können. Wir huldigen lieber diesem so perfekt verborgenen Geist, der niemals so ist wie wir, als dass wir wagen, eins uns eins zusammenzuzählen.

Das superperfekte Geist-Objekt ist ja auch als Antwort für alle unbequemen Fragen sehr praktisch: Hat es uns doch alle Verantwortung abgenommen und uns in letzter Konsequenz selbst erschaffen. Wir konnten so also beruhigt vor der unbequemen Frage: „Wer oder was bin ich?“ weiter davonlaufen.

Lieder haben wir zweifelsfrei herausgefunden, dass nichts als chaotisch tanzende Quanten vom Kosmos übrig bleibt, wenn wir jedes noch so kleine Objekt aus unserer Wahrnehmung verbannen. Selbst Raum und Zeit verschwinden in diesem Vakuum und werden zu formbaren Variablen. Nur die absolute Perfektion der physikalischen Konstanten macht es möglich, den uns vertrauten Raum und die vertraute Zeit wahrzunehmen. Die gleichen Wissenschaften aber, die mit diesen perfekten Konstanten unsere Welt erforschen und erklären, rufen gleichsam nach dem „intelligent Design“, weil ihre eigene Mathematik ihnen vorrechnet, dass die Welt ohne diese strukturierende Intelligenz einfach nicht entstehen kann. Ohne eine strukturierende Kraft bleibt der Tanz der Beobachtungen ewig chaotisch. Nicht ein subatomares Teilchen fügt sich zusammen und schon gar kein Raum oder eine Zeit entsteht, aus der heraus  der Quantentanz zu beobachten wäre. Dies ist ein weiteres seit Anbeginn existierendes Paradox und der „missing link“, der dieses Paradox lösen könnte, entzieht sich hartnäckig der objektiven Betrachtung.

Der "Missing Link"

Die Krux des „Missing Link“ liegt darin, dass es sich um die Beziehung handelt, die wir Menschen zur Welt einnehmen. Indem wir versuchen die Welt zu „objektivieren“, zerfällt sie vor unseren Augen in eine unendliche Menge verschiedenster Dinge. Alle diese Dinge sind von uns getrennt, anders als wir und jedes andere Ding. Wir übersehen dabei, dass bereits der Wunsch zu objektivieren, eine strukturierende, intelligente Kraft darstellt, die sich direkt auf der Quantenebene auswirkt. Wir selbst sind der „Missing Link“, den wir so sehr suchen und doch nirgendwo finden können. Doch um dies zu verstehen, müssen wir uns von allen Ideen befreien, die  wir bezüglich unseres Seins und unserer Herkunft hegen.

Wir müssen aufhören, uns in Kategorien unserer Wahrnehmung zu definieren, denn sonst definieren wir uns anhand der Wirkungen unserer eigenen Ursachen.

Wir sind keine Geistwesen, keine Energiewesen, keine materiellen Wesen. Wir sind weder Bewusstsein noch Unbewusstsein, weder Energie noch Materie und auch keine Stille oder Bewegung. Was  wir sind, übersteigt jede weltliche Kategorie, jede Dimension und jede Formulierbarkeit.

Wir können aber eine Ahnung erhaschen, wenn wir uns den quantenphysikalischen Erkenntnissen annehmen, von denen wir zurzeit glauben, dass sie unsere Welt formen. Wir wissen, dass auf der subatomaren Ebene andere Regeln herrschen als in unserer Alltagswelt. Auf dieser tiefen Ebene unserer Vorstellung gibt es keine eindeutige Existenzform. Was wir einmal als "Teilchen" beobachten, ist ein anderes Mal eine "Welle", je nachdem, wie wir unser Beobachtungsexperiment aufbauen. Dieser Aufbau ist die Definition dafür, was wir zu sehen erwarten: Teilchen ODER Welle.

Doch das, was wir beobachten ist immer Energie. Unterschiedlich ist nur ihre wahrgenommene Form. Diese Energie ist grundsätzlich immer eine Bewegung. Sie entsteht spontan in einem zuvor „stillen  Etwas“. Dieses "stille Etwas" hat viele Namen: Vakuum, Leere, Nichts, Nirwana, Gott. Die Spontaneität mit der diese Energie entsteht, ist jedoch unsere eigene Erwartung, die hier ihren Einfluss geltend macht: Denn würden wir nicht erwarten, Energie in Form eines Teilchens oder einer Welle mit unserem Experiment zu beobachten, gäbe es weder einen Grund für uns, das Experiment aufzubauen, noch gäbe es einen Grund für die Energie "spontan" in unserer Wahrnehmung zu erscheinen.

Hier trifft also unsere Erwartung "etwas zu beobachten" auf ein Nichts und diese Absicht führt dazu, dass genau das passiert, was ihr entspricht. Wüssten wir es nicht besser, müssten wir dafür magische Zauberei verantwortlich machen.

Traum oder Wirklichkeit?

Die Welt, die wir als Menschen erfahren und die den Rahmen unserer Lebenserfahrung abgibt, stellt innerhalb der Welt, von der wir wissen, nur in einen äußerst kleinen Ausschnitt dar. Die Welt, die uns unsere Sinnesorgane erzeugen ist nur ein winzig kleines Spektrum innerhalb aller elektromagnetischen Wellen. Unser Alltags-Bewusstsein baut sich aus den Erfahrungen dieses schmalen Segmentes auf und alle sinnlichen Erfahrungen basieren auf diesem Bereich. Wir glauben daran, dass dieses eng begrenzte Segment, das wir aus dem unermesslichen "Unbewussten" geschnitten haben, alles ist, denn es ist unser Bewusstsein. Dieses Bewusstsein fühlt sich klein und einsam in dem ihn umgebenden unermesslichen Anderen. Unser Bewusstsein, in dessen Zentrum wir uns als "ich" erleben, ist die Bewegung von Energie, die wir einmal als "Welle", als Gedanke und andermal als "Teilchen", als Materie erleben. Dieses Bewusstsein, dass wir wahrnehmen und das wir als "ich" bezeichnen ist das Schwingen von Nichts, das damit auf unsere Absicht "ein Mensch zu sein" reagiert. Wenn aber das "ich" durch das Vorhandensein von Bewusstsein entsteht und dieses Bewusstsein eine Bewegung im Nichts ist, dann kann das "ich", das meint ein Bewusstsein zu besitzen, nichts anderes als das Nichts sein. 

Mit diesem Gedankengang endet die Fähigkeit des logischen Denkens. Der letzte Gedanke ist ein Verweis auf sich selbst, der sich selbst aufrechterhält: Ich bin, das ich bin! Außer diesem einen Objekt: ich - existiert nichts und dieses Nichts ist alles.

Doch auch diese eine und erste Objekt hat keine Substanz. Es ist eine Bewegung, die sich spontan gebildet hat. Spontan jedenfalls für unser Alltagsdenken, mit dem wir in Kategorien und kausalen Zusammenhängen denken. Im Grunde gibt es weder Spontaneität noch Zufall, weder Kausalität noch Regel. Der „Stoff“, aus dem unser strukturiertes Bewusstsein besteht ist Unbewusstsein. Aus diesem Unbewussten haben wir jedoch alles Wissen, jede Entwicklung und jede Erkenntnis strukturiert. Dieses Unbewusstsein ist die Quelle von allem und jedem und natürlich auch die Quelle der schöpfenden Intelligenz.

Schauen wir das Unbewusstsein einmal genauer an. Unbewusstsein bedeutet, dass wir etwas nicht kennen, nicht wissen und auch keine Ahnung davon haben, dass wir es jemals kennen könnten. Es ist völlig weg und nichts ist da. Unbewusstsein ist kein Objekt, mit dem wir umgehen können wie mit anderen Objekten unseres Denkens. Unbewusstsein bezeichnet den Hintergrund, vor dem wir uns selbst gewahr werden. Es ist der Spiegel, in dem wir uns selbst und unser Tun erkennen. Wir können keine unbewussten Gedanken haben, wir können mit "unbewussten Gedanken" nur ausdrücken, eine Erwartung zu hegen, die eine Wirkung hervorbringen wird, deren Herkunft uns unbekannt ist. Doch wer ist es, der diese Erwartung hegt? Wäre diese Absicht im Bewusstsein, müssten wir darum wissen. Ist sie nicht in unserem Bewusstsein, ist sie nicht in dem ich, für das wir uns halten. Wo also kommen die Erwartungen her, die wir im Unbewussten ansiedeln.

Wir halten das Unbewusste üblicherweise für eine dumme und einfältige Angelegenheit, die uns mehr Ärger und Probleme einbringt, als dass sie uns zuträglich ist. Wir haben Angst uns dem zuzuwenden, was wir als unbewusst ansehen, da wir es als die Quelle allen Ungemachs ansehen. Doch das ist ein Fehler universalen Ausmaßes. Wenn wir uns vom Unbewussten abwenden, dann wenden wir uns von uns selbst ab. Das Ich-Objekt, das sich mit dem Bewusstsein umgeben hat, ist nichts anderes als die Idee "Mensch zu sein" und diese Idee wurde geboren, bevor und gleichzeitig als das Ich-Objekt in Erscheinung trat. Es ist eine Kreation des Unbewussten, des Nichts, der Leere, des Vakuums.

So zumindest muss es dem rational reflektierenden Bewusstsein vorkommen, wenn es über seine eigenen Wurzeln nachdenkt. Ein Beispiel:

….Der silberne Jaguar jagte durch die goldene Nachmittagssonne. Die Autobahn war leer. Ich saß am Steuer meines Wagens nahm die vorbei fliegenden Leitplanken auf der linken Seite wahr. Kein anderes Auto war weit und breit zu sehen. Das weiße Leder fühlte sich gut an und im Radio spielte eine angenehme leise Musik. Ich fuhr mit hoher Geschwindigkeit und die Bäume auf der rechten Seite flogen nur so vorbei. Ich sah in den Rückspiegel und stellte fest, dass dort zwei Personen saßen, die ich nicht kannte. Sie unterhielten sich in einer Sprache, die ich nicht verstand. Es störte mich nicht. Sie lächelten mir freundlich zu, als sie bemerkten, dass ich sie ansah. Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter und ein Krankenwagen schoss mit grellem Blaulicht an mir vorbei. Ich hatte das Gefühl zu fallen und stütze mich instinktiv ab. Erschrocken und hellwach stellte ich fest, dass ich in meinem Bett lag und der Wecker klingelte. Es dauerte etwas, bis ich das Erlebte als einen Traum eingeordnet hatte und obwohl es sich so real und echt angefühlt hatte, besaß ich weder einen silbernen Jaguar mit weißen Ledersitzen, noch hatte ich mich auf einer Autobahn befunden....

Diese kurze Traumsequenz liefert einen Hinweis darauf, wie wir das Nichts, das Unbewusste ansehen sollten. Das Traum-Ich, also die Erfahrung, die einen silbernen Jaguar steuert, befindet sich in seiner Welt, mit allen realen Erfahrungen, die dieser Alltag mit sich bringt. Es sieht, es fühlt, es denkt und es handelt. Es hält sich für eine reale Person. Erst als ein Störereignis eintritt und den Träumenden wieder zu sich kommen lässt, bricht die Realität des Traums-Ichs zusammen und es transformiert in die Realität des Träumenden. Diese Traumrealität ist so intensiv, dass der Träumende, der die Erfahrung ja in seinem Unbewussten gemacht hat, den Traum erst als solchen  in sein Bewusstsein einordnen muss. Das Traum-Ich entstand aus dem Nichts, als das Bewusstsein des Träumenden seinen Zustand wechselte. Aus dem Nichts heraus entstand eine Welt, ein erlebendes Traum-Ich, Personen, Gegenstände und ein Ablauf. Dieser Zustand blieb stabil bis das Traum-Ich, seine ganze Umwelt, seine Geschichte, sein Bewusstsein und seine Existenz mit dem Erwachen des Träumenden wieder endeten.

Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Träumenden und dem Traum-Ich. Es ist das gleiche Bewusstsein. Das gleiche Bewusstsein bringt aus dem Nichts eine Traum-Welt hervor und erschafft eine Traumhandlung, die wieder in es selbst zurücksinkt, wenn es den Traumzustand verlässt. Für das Traum-Ich gibt es dafür keine Erklärung. Würde es nachforschen, käme es vielleicht auf die Antwort: Ich bin spontan aus dem Nichts entstanden und meine Welt formt sich aus dem was ich erwarte. Als Zaungast bei diesem Ränkespiel stellen wir fest: Das Traum-Ich kann eine letzte Ursache nicht finden, weil es aus dieser letzten Ursache besteht. Es kann nur seinen Traum leben, bis die letzte Ursache bereit ist aufzuwachen und das Traum-Ich und seine Erfahrungen in sich aufnimmt. Während das Traum-Ich nicht verstehen kann, was der Träumende ist, kann der Träumende lernen mit einer gewissen Bewusstheit in seinen Traum einzugreifen und sowohl Traum-Welt als auch Traum-Handlung und die Traumpersonen nach seinem Gutdünken zu verändern. Den Traumgestalten bleibt das völlig verborgen. Ihre Welt richtet sich einfach neu aus und sie erleben eine andere Geschichte. Der Träumende kann lernen aktiv in seinen Traum einzugreifen und ihn so zu ändern, wie es ihm beliebt.

Was ist das anderes als das, was wir Unbewusstes nennen? Das uns Unbewusste, ist der Träumer, dessen Traum-Ich wir mit unserem schmalen Bewusstseinsausschnitt wir sind. Der Träumer ist unsere Wirklichkeit. Der Träumer sind wir selbst. Das Traum-Ich sind wir selbst. Die Welt, der ganze Kosmos unserer Erfahrungen sind wir selbst.

Indem wir uns dem Unbewussten zuwenden, wenden wir uns uns selbst zu. Indem wir uns selbst ansprechen, erzeugen wir Luzidität und das träumende Bewusstsein kann in Kontakt mit dem geträumten Bewusstsein kommen. Wir erleben diesen Kontakt durch das Nichts, denn nur dort ist es möglich. Indem wir den Hintergrund unserer Existenz berühren, klopfen wir an die Türe, durch die das Aufwachen geschieht. Je nachdem wie weit wir diese Türe öffnen, strömt das strahlende Bewusstsein des Träumenden herein und erhellt unsere Welt. Auf der einen Seite kann man diesen Aufwachprozess als Überwindung einer Illusion ansehen, andererseits ist es nur ein zu sich kommen. Allerdings ein zu sich kommen, dass eine völlige Aufgabe des geliebten Traums-Ichs erfordert, denn solange es besteht, solange ist der Träumer nicht aufgewacht!

Solange wir also glauben, dass unsere Gedanken nur einen Einfluss auf die Welt haben, die wir erleben, sind wir noch weit entfernt vom Aufwachen. Erst wenn wir tatsächlich erfahren, dass wir die Urheber dessen sind, was wir unser Leben nennen und uns darüber klar werden, dass wir das alles selbst hervorrufen, leuchtet ein Funken des träumenden Bewusstseins in uns auf. Verwenden wir es nur dazu, um unsere Welt so zu formen, dass sie uns gefällt, werden wir weiter schlafen und träumen.

Verwenden wir es dazu, den „Master Reset Knopf“ zu drücken und die Tür zum Träumer aufzustoßen, werden wir unser Wunder erleben und aufwachen. Keines von beidem ist schlechter oder besser. Es ist eine freie Entscheidung!

Doch wie können wir eine Entscheidung treffen, wenn nicht bekannt ist, was der „Master Reset Knopf“ ist. Und obwohl ihn jeder kennt, hat jeder einen Heidenrespekt davor. Der Master Reset Knopf ist der Knopf, den man an einem Computer am liebsten niemals drückt, denn er schaltet den Computer ab. Es ist der Ausschalter! Doch genau das ist es, was getan werden muss, um die alten Programme und Prägungen ein für alle Mal loszuwerden. Damit die in unser persönliches Bewusstsein eingeprägten Inhalte sich auflösen können, muss dieses Bewusstsein abgeschaltet werden. Indem wir die Basis für die Programmierung entziehen, kommen wir wieder zu uns und der hypnotische Traum endet. Dies geschieht natürlich nicht sofort und auf einmal, sondern es bedarf des stetigen Übens, des steten sich neu auf die Ausschaltung Einlassens. Das Abschalten des persönlichen Bewusstseins ist gleichzusetzen mit dem Sterben und entsprechend ist der Master-Reset-Knopf von enormer Angst umgeben. Doch er ist vorhanden und was vorhanden ist, können wir benutzen.

Im Gegensatz zu unseren technischen Computern haben wir jedoch keinen Knopf, den wir einfach drücken könnten. Das wäre auch zu riskant. In unserem menschlichen Fall liegt der Master-Reset-Knopf verborgen und wird erst sichtbar, wenn die Bedingungen stimmen. Diese Bedingungen werden durch Absicht und Konzentration gebildet. Indem wir uns auf die Hingabe an das Unbewusste konzentrieren, erscheint der Master-Reset-Knopf in Form eines Gedankens, der uns vom Unbewussten gegeben wird. Widerstehen wir dieser letzten Versuchung zu folgen, schwindet jede Form der Bewusstheit, die wir kennen und wir tauchen in eine dimensionslose Leere ein. In diesem Zustand explodieren wir in das Unbewusste hinein, ohne es selbst zu merken, da es so etwas wie eine Person dann nicht mehr gibt. Je nach Übung dauert  dieser Zustand nur wenige Sekunden oder länger. Er endet mit dem Restart, dem neuen zusammensetzen des individuellen Bewusstseins. Auch davon merken wir zunächst nichts, denn die Bestandteile des persönlichen Bewusstseins werden nicht völlig ausgetauscht. Es erfolgt ein allmähliches  Durchweichen des Bewusstseins mit Inhalten, die es ihm erlaubt sich besser auf die Kommunikation mit dem Unbewussten einzustellen. Dabei werden zunehmend mehr alte Programme nicht mehr aktiviert und allmählich gelöscht. Dieser Vorgang lässt sich biophysisch in der Veränderung des Gehirngewebes nachweisen, in dem die neuronale Vernetzung erfolgt.

Nach einigen dieser „Restarts“ verändert sich zunächst die innere Haltung. Sie wird gelassener, freudiger, auch wenn sich das Leben nicht sonderlich geändert hat. Dann allmählich führt diese mentale Haltung zu einem Einströmen von Erkenntnissen, die vorher nicht möglich waren. Es handelt sich um neue „Programme“, die aus dem Unbewussten eingespielt werden. Diese neuen Erkenntnisse arbeiten auf die nächsten Reset Momente hin und bereiten den Boden dafür vor. Der Master-Reset erfolgt nun in einem vom Unbewussten kontrollierten Umfeld und nicht mehr aufgrund des bisherigen persönlichen Bewusstseins. Das kann zu Situationen führen, in denen die Gesellschaftsfähigkeit nicht mehr gegeben ist. Es kann sein, dass man nicht mehr arbeiten kann, Gefühlsausbrüche in allen Qualitäten erlebt, dass der Körper nicht mehr funktionieren will und sogar pathologische Symptome entwickelt. Bei all dem kann einem angst und bange werden. Indem wir jedoch einfach weiterhin zulassen und den Master-Rest-Knopf drücken, gehen all diese Effekte vorbei. Dann betreten wir einen Lebensbereich, in dem sich kausale Wirkungsketten zwischen den eigenen Empfindungen und Gedanken und dem Geschehen in der Welt beobachten lassen. Dieser Lebensbereich führt immer tiefer in die Gefilde des Unbewussten  und entwickeln vollautomatisch die erforderliche Luzidität, die für das Eintauchen in das größere Unbewusstsein erforderlich ist.  Letztendlich ist aber dieses Stadium der Entwicklung so wenig beschreibbar, wie der Geschmack einer Banane. Ich schließe diesen Text mit einem Zitat aus John C. Lillys Buch: „Das Zentrum des Zyklons“:

„… was man für wahr hält, wird wahr im eigenen Geist, und zwar innerhalb der Grenzen, die von Experiment und Erfahrung determiniert werden. Diese Grenzen sind Überzeugungen, die transzendiert werden müssen.“

 

Alles liebe

 

Hans