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Vergebung  

In den indischen Schriften des Mahabharata Epos steht, dass das Überleben der Menschheit darauf beruht, dass sie Vergebung lernt, denn nur die heilige Vergebung hielte das Universum zusammen. Sie sei Macht und Opfer in einem und in ihrem Schoß wurzelte die Ruhe des Geistes.  Vergebung sei die Quelle der Sanftmut und der Gelassenheit.  Es fällt selbstverständlich schwer in dieser Zeit, im Sinne der Vergebung zu leben. Zu sehr fühlen wir uns von den möglichen Entwicklungen bedroht und fürchten um das Wenige, das wir haben. Wir fühlen uns ohnmächtig gegenüber den medizinischen, politischen und polizeilichen Gewalten und daher ist es leicht Schuldige zu identifizieren und ihnen die Verantwortung aufzubürden. Es ist einfach, gegen die Entwicklung zu demonstrieren und in den Widerstand zu gehen. Doch erinnere dich daran:  

 

Um das Licht zu fangen, musst du deine Hände offen halten, sonst umfassen deine Fäuste nur das Dunkel und die Leere. 

 

Nur der Schwache wappnet sich mit Härte und Gewalt. Doch du bist mit deiner Arbeit nicht allein auf dich selbst beschränkt. Deine Arbeit besteht auch darin, dich für alle Seelen zu sorgen, die, wie du, in dieser Welt leben. Denn deine Seele weiß bereits, dass es in Wirklichkeit nur eine Seele gibt, die sich in unzähligen Formen in der Schöpfung ausdrückt. Daher besteht wahre Stärke in Toleranz, Verständnis, Güte und dem Wissen, dass es keine Trennungen gibt. Trennungen existieren nur in der Form, wie sich Eiswürfel von Wasser unterscheiden. Sie brauchen nur ihre Zeit, um wieder zu dem zu werden, was sie wirklich sind.

Toleranz, Verständnis, Güte und Wissen finden sich in weit entwickelten Menschen und bei den Religionsgründern dieser Erde wieder. Doch du hältst dich nicht für einen Religionsstifter und du hältst dich wohl auch nicht für weit entwickelt. Was für ein Frevel, da du das große System repräsentierst.  Aber in unserem Leben sind wir Einflüssen ausgesetzt gewesen, die es uns sehr schwer machen, dieser Herzensinformation zu folgen. Daher verurteilen wir uns für jeden gemachten Fehler, den wir uns mit der Zeit aber wieder verzeihen. 

Wenn jedoch ein anderer einen Fehler macht, verurteilen wir den Betreffenden schnell, hart und oft auch gnadenlos.  Anstatt uns ehrlich und aufrichtig in seine Lage zu versetzen, um seine Handlung zu verstehen, ziehen wir es vor, ihn vor dem Hintergrund unserer eigenen Ansichten zu verurteilen. 

 

Wie schnell sind wir bereit, jemandem eine Schuld zuzuweisen und warum sind wir nicht in der Lage, dem Anderen ebenso schnell zu verzeihen wie uns selbst? 

 

Als Menschen machen wir Fehler ja nicht absichtlich oder weil wir von Natur aus böse sind, sondern weil es uns an Wissen, Weitblick und Unterscheidungskraft fehlt. Wir lassen uns vorschnell von unseren Impulsen leiten, die ihren Ursprung in unserer Unwissenheit haben. Dies gilt ganz sicher in kritischen Lebenssituationen aber auch im Alltag. Wie leicht ist es doch, über die gesellschaftlichen Umstände zu schimpfen und dem einen oder anderen prominenten Entscheidungsträger Fehler, Unfähigkeit und Versagen vorzuwerfen.

 

Doch wie weit entfernt uns das vom Prinzip der Liebe?  Wie viele Male muss uns täglich vergeben werden? 

Ganz praktisch von anderen Menschen oder im Geheimen von unserem eigenen Herzen oder dem großen System?  Schwere Zeiten, wie heute die weltweite Pandemie, geben dir die Gelegenheit, dir dessen bewusst zu werden. Jedes Mal, wenn es dir so vorkommt, dass wieder einmal jemand eine falsche Entscheidung gefällt hat, nur in die eigene Tasche wirtschaftet, seine Mitmenschen belügt oder ausnutzt, dann hast du einen Gedanken erwischt, für den du Vergebung erhalten wirst.

In den Momenten hast du nämlich vergessen, dass alles nur mit dem Einverständnis des großen Systems passiert. Ohne dieses Einverständnis geschieht gar nichts. Es ist vollkommen egal, was du, der Papst, der Präsident oder sonst wer darüber DENKT. Es geschieht NICHTS, was nicht so sein muss und alles, was geschieht, repräsentiert für dich den den richtigen Weg in die Vollendung. 

 

Deshalb höre niemals auf, Gutes zu denken, zu tun und dein Licht aufrechtzuerhalten.

Gib deine liebevolle Vision für dein Leben nicht auf. Unter keinen Umständen lasse zu, dass sich Angst in dir ausbreitet. Du bist die Inkarnation des großen Systems. Du bist in der Lage mit jeder Situation angemessen umzugehen. Ganz gleich, wie viele Rückschläge und Erniedrigungen du von anderen dafür einstecken musst. Es gibt Tausende Menschen, die deine Bemühungen in Gedanke, Wort und Tat zu schätzen wissen und nur sehr wenige, die das nicht tun. 

Wenn sie dich mit ihrer Lieblosigkeit wieder einmal kreuzigen wollen, dann sag nur: "Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Dann tue weiterhin Gutes und lass die Unwissenden links liegen. 

Bemühe dich nicht einmal darum, etwaige Missverständnisse auszuräumen. Gib deine Energie nicht an die dunklen Kräfte weiter. Verbünde dich nicht mit ihnen, indem du dich darin verschwendest zu diskutieren oder dich mit ihren Argumenten zu beschäftigen. Indem sie dich in deiner Arglosigkeit dazu verführen, dich mit ihren Gedanken zu beschäftigen, vergiften sie dich mit ihrem Gift. Dieses subtile Gedankengift beraubt dich deiner Kraft und sorgt dafür, dass du nicht weiter auf die Zukunft formend einwirken kannst. Unterscheide immer zwischen den Seelen und den fehlgeleiteten Gedanken und Handlungen der Menschen. Ignoriere die dunklen Gedanken, Worte und Taten derer, die noch Gefangene der Dunkelheit sind und sende dein Licht in ihre Herzen. Indem du das tust, lenkst du deine Liebe an die richtige Adresse. Auf diese Weise wendest du Vergebung an. Es wird dir Kraft schenken und du wirst einen inneren Frieden erlangen, der dir nicht geraubt werden kann.

 

Du wirst dadurch nicht zum Mitläufer oder jemandem, der die Verantwortung anderen überlässt. Ganz im Gegenteil. Wenn dein Herz diese Art von Mitgefühl empfindet, beginnt sich jenes große Bewusstsein in dir zu entfalten, das wir in unserem Kulturkreis das Christusbewusstsein nennen. Es ist jener Zustand, den zu erlangen, du in dieses Leben geboren bist und dessen Voraussetzung es ist, mit anderen mitzufühlen. In diesem Bewusstseinszustand fließt die ewige Liebe des Geistes. Es ist unmöglich darin weiterhin unrechte Gedanken zu hegen oder den Kräften des Dunklen anheim zu fallen. Es ist der Zustand, indem der Geist sich seiner Formkraft bewusst wird und aufhört, sich im Handeln zu verströmen. Es ist der Zustand, indem du zum Beobachter wirst, dessen Wahrnehmung die schöpferischen Kräfte steuert. Liebe verändert den Menschen und sie wirkt natürlich auch in allen, die darin vollkommen aufgegangen sind. Deshalb mahnte uns auch Johannes vom Kreuz aus den Kerkern der Inquisition:

 

"Wenn du Gott begegnest, Mensch, glaube nicht, dass du so bleiben kannst, wie du bist!"

(Johannes vom Kreuz, "Die dunkle Nacht der Seele")

Er sprach nicht davon, dass diese Veränderung ohne Leid, Angst und Not vor sich gehen würde. Er sagte auch nichts über unsere Fehleinschätzungen, denen wir während unserer Wandlung aufsitzen werden. Eine dieser Fehleinschätzungen ist der Glaube an die  Minderwertigkeit der "Vergebung". Wir glauben heute oft noch, dass Schuld mit Strafe ausgeglichen wird. Doch das ist eine energetische Unmöglichkeit, denn Strafe lädt die Schuld der Strafe auf den Strafenden. Mit "Schuld" meine ich die Verknotung der Liebeskraft zwischen dem, der straft und dem, der bestraft wird. Diese energetischen Verknotungen der Schuld, sind die Ursache dessen, was wir oft als Karma bezeichnen. Doch diese karmische Vernetzung kann sich in der höheren Energie nicht länger halten. Sie löst sich langsam auf und die befreite Energie kehrt zu den Beteiligten zurück. Für uns war die Güte, die in der Vergebung liegt, für eine lange Zeit verschleiert. Doch die zurückfließende Liebe aus den karmischen Verknotungen erlaubt uns nun, die Zusammenhänge immer besser zu verstehen. In der bisherigen Unwissenheit über die Macht unseres Denkens, konnten wir die darin liegende Gefahr weder verstehen noch begreifen.

So wurde die heilende Vergebung durch uns zur Verletzung unserer selbst und unsere Schuldzuweisungen fesselten alle Beteiligten aneinander.

 

Wenn du also wirklich vergeben willst, dann kehre in den Frieden deines Herzens zurück. Die dazu nötigen Mittel sind dir schon oft gegeben worden:

  1. Ignoriere den Irrtum! 
  2. Gib der Illusion keine Wirklichkeit!
  3. Wähle immer das Liebevolle! 
  4. Erkenne in allem das Licht des größeren Systems! 
  5. Erlaube deinen Gedanken nicht, sich in das Wirken der Schöpfung einzumischen.
  6. Wende dich an dein Herz und wisse, dass der Geist die Welt formt.

Erinnere dich daran, dass dich das größere System liebt und dir immer und in allen Lebenslagen zur Seite steht. Es weist dir niemals Schuld zu, denn seine einzige Absicht ist, dich zu lieben. 

Wenn es dir schwerfällt dies einzusehen, dann ist das ein, in deiner Biografie wurzelnder Zustand, an dem du arbeiten kannst. Wenn du nicht erkennen kannst, dass dich (Gott, das Universum, das große System, Alles-was-ist) liebt, dann zeigt sich darin nur dein eigener Mangel an Selbstliebe. 

Indem du den Mangel an Selbstliebe beseitigst, kehrst du in den Frieden zurück. 

 

Doch wie beseitigst du den Mangel?

Gib dir selbst die Vergebung, dann wird allen vergeben. Suche keine Schuld bei dir, dann wird nirgendwo Schuld gesucht.  Sieh ein, dass es unmöglich ist, jemand anderem zu vergeben, denn du siehst in ihm nur dich selbst.  Der Andere zeigt dir dein ungeschminktes wahres Gesicht. Dein Gegenüber ist immer ein Spiegel, der dir zeigt, wo du dir noch vergeben musst.  Die Absicht, einem anderen zu vergeben, ist eine Illusion, die du dir vorspiegelst, um dich wohler zu fühlen. Doch das ist kein Vergeben, sondern es ist das Nehmen von Schöpfungsenergie, um damit deine Schwäche zu überdecken. Dieses Überdecken wirst du immerfort tun müssen, solange du glaubst, dass dem Anderen Schuld vergeben werden muss. Und so wird deine Vergebung zu einer kräftezehrenden Angelegenheit, die nur Graffiti auf deine Seele zeichnet.

 

Vergibst du dir aber selbst voll und ganz, indem du wieder in den Frieden des einen Herzens zurückkehrst, lösen sich die Illusionen auf und die vermeintliche Schuld verschwindet. Es bedarf keiner weiteren Schöpferkraft mehr und du beschwerst dich nicht weiter. Dadurch wird dein Weg in eine Welt höher schwingender Energie frei. Dein Herz wird frei und die Bindung an die Schwere der Erfahrung löst sich auf. Deine, in der Schuldzuweisung verknotete Energie, die dich mit dem Anderen verbunden hat, löst sich auf und die bindenden Resonanzmuster glätten sich. Ihr werdet beide frei. 

 

Die Schwere in deinem Leben ist deine eigene Projektion, die in dein Leben geführt wurde, damit du  dir selbst vergeben kannst. Du hast sie erschaffen, indem du den Anderen, die Umstände, Gott oder das Schicksal für schuldig erklärt hast. Du hast deine Schöpferkraft ignoriert und nun erlebst du, wie sich das auswirkt. Wenn du das begriffen hast, dann wirst du mit Vergeben keine Schwierigkeiten mehr haben. Du wirst in allem, was dir begegnet das Wirken des größeren Systems zu erkennen, das dich aufwecken und dir in deiner Entwicklung helfen will.

 

Du bist der größte Täuscher in dieser Welt, aber du täuschst dich nur selbst. Du willst immer, dass ein anderer böse und schlecht ist, weil du deine eigenen Verletzungen nicht sehen willst. Deshalb wird deine Welt zusehends schlechter, liebloser und böser in dem Sinne, wie du das Böse verstehst. Deshalb wird das Gute, Liebevolle und Glückliche für dich immer wertvoller und die Kluft zwischen den Polen vertieft sich. Bis zuletzt eine Welt entsteht, in der du nicht mehr sein willst. Zu wenig Licht und Wärme, zu viel Dunkelheit und Kälte. Dieser Widerstand des "nicht mehr in der Welt sein Wollens" führt zu Strömungen und Tendenzen, die es immer schwerer machen, in den Frieden zurückzukehren.

Es ist eine Spirale, die sich ins Unglück dreht und du bist ihr Motor.

 

Natürlich willst du das nicht. Aber du bist auch solange nicht in der Lage es zu ändern, so du nicht die Ursache deiner Lebensumstände in dir selbst suchst. Erst wenn du für die wahre Suche nach Gott, dem Universum, Christus oder nach deiner Selbst bereit bist, wirst du in der Lage sein, wirklich zu vergeben. Ab diesem Moment verlangsamt sich die Abwärtsspirale und du kannst wieder in den Bereich deines Herzens hinaufsteigen. Die karmischen Knoten lösen sich auf und deine Bindung an diese alten Energien verschwinden. Als entfesselte Seele, steigst du dann in deine Heimat auf.

 

Doch glaube nicht, dass dieser Weg in das menschliche Leiden eine "Strafe Gottes" ist. Er ist eine liebevolle Hilfe für dich. Denn erst, wenn du völlig mit dir und der Welt einig geworden bist, kannst du in deine Heimat zurückkehren.

Erst, wenn deine Absicht, dein Handeln und dein Ziel zu einer Einheit geworden sind, bist du zu der Einheit geworden, in der du Gott begegnen kannst.

Solange du dir noch Gedanken darüber machst, bist du von dieser Einheit entfernt. Solange du denkst, dass du noch etwas zu vergeben hast,  vergibst du nicht. Erst wenn du Nicht-Denkst und nichts mehr fühlst, wenn jede lieblose Projektion auf den anderen aufgehört hat, ist der Zustand erreicht.

 

Natürlich wirst du jetzt darüber nachdenken, dass dann ja auch die Liebe, das Glück und das Gute verschwindet. Doch hier irrt dein Verstand wieder, denn du bist Liebe. Du bist die Inkarnation des größeren Systems und deine einzige Eigenschaft ist Liebe. Du bist die Schöpfung, auch wenn die eingeschränkte Erkenntnisfähigkeit unseres Mensch-Seins dies heute nur schemenhaft erahnen lässt. Deine Schöpferkraft unterliegt nicht dem Gebot deiner Gedanken. Sie unterliegt nicht einmal deinen Gefühlen. Gedanken und Gefühle sind Reflektionen des Geistes, der dein Bewusstsein erschaffen hat und der das große System ist, dessen weltliche Erscheinung du bist. 

 

alles liebe

Hans