Empathie

 

Was ist eigentlich Empathie?

Unter Empathie verstehen wir die Fähigkeit, Motive, Gedanken und Emotionen der Charaktereigenschaften einer anderen Person zu erkennen und nachzuvollziehen, sowie die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, angemessen zu reagieren und die Reaktionen der anderen Person vorherzusehen. 

Im weiteren Sinne, ist Empathie die erhöhte Wahrnehmung von Schwingungen aller Art. Die Abgrenzung zur Hypersensibilität ist schwer, denn Empathen reagieren auf Resonanz-Phänomene und entwickeln daraus Ahnungen, Gefühle und Überzeugungen, mit denen sie dann leben müssen. Empathie wird sehr oft als „mitleiden“ mit den Probleme anderer angesehen. Doch das ist falsch. Nur "wilde" Empathen, also jene die nichts von ihrer Fähigkeit wissen oder die nicht gelernt haben damit umzugehen, geraten tatsächlich häufig in emotionale Erschöpfungszustände. Ihr innerer Drang anderen zu helfen und sich zu kümmern, könne sie sich einer solchen Situation nicht mehr entziehen. Je nach Stärke ihrer Fähigkeit, verausgaben sie sich dann bis in die Selbstzerstörung. In unserer heutigen Gesellschaft sind Empathen extrem gefährdet, da sie das psychische Gegenpol zum Narzissten verkörpern und die sich ergänzenden Persönlichkeitsstrukturen gegenseitig magnetisch anziehen. 

Es werden psychologisch vier Empathie Arten unterschieden:

 

Die affektive Empathie 

ist die meist verbreitete Form und ein Bestandteil der angeborenen Menschlichkeit. Es ist die Fähigkeit, sich instinktiv und automatisch (affektiv) in seine Mitmenschen einzufühlen, mit Ihnen mitzufühlen und auf ihre Gefühle angemessen zu reagieren. 

 

Die emotionale Empathie 

ist ein untrennbarer Bestandteil der affektiven Empathie und bezeichnet die Fähigkeit, Gefühle, Emotionen und Stimmungen eines anderen Lebewesens selbst als eigene Erfahrung nachzuempfinden.

 

Die kognitive Empathie 

ist eine angelernte Empathie, die sich bei Wissenschaftlern, Ärzten, Psychologen ausprägt und sie dazu  befähigt, Emotionen und die Gefühlswelt eines anderen zu verstehen. Sie ist aber nicht in der Lage die Gefühle und Stimmungen des Anderen selbst als eigene Erfahrung nachzuempfinden. 

 

Die soziale Empathie 

wird auch Sozialkompetenz genannt und ist meist angelernt. Sie tritt bei Menschen auf, die sich in sozialen Bereichen betätigen. Diese Form der Empathie bezeichnet die Fähigkeit, sich auf Menschen verschiedenster Altersgruppen, Herkunft oder Kulturen und Charakteren einstellen zu können.  

 

Ein gewisses Maß an Empathie ist im Umgang mit Menschen unumgänglich. Fehlt sie, fehlt uns die sog. Sozialkompetenz. Wir leben dann in einer Welt in der Gefühle keinen Stellenwert mehr haben. Es ist jedoch möglich Empathie zu trainieren bzw. zu lernen. Nicht jeder bringt eine erhöhte Fähigkeit zur Empathie schon von Geburt an mit, bzw, verlernt sie im Laufe seiner Erziehung. Das wichtigste Mittel zur Entwicklung empathischer Fähigkeit, neben der grundsätzlichen Motivation sich selbst zu verändern, ist die Selbstreflexion. Bei vielen Menschen verbessert sich die Empathie schon mit zunehmendem Alter, weil die durch das Altern erweiterte Lebenserfahrung einen größeren Verständnis-Spielraum lässt. Durch gezielte Arbeit an der eigenen Persönlichkeit, Therapie und Coaching, lässt sich Empathie verbessern. Etwas, was bisher nur der Mensch zustande bringt.

Mit ein paar kleinen Verhaltensregeln, kannst du "Empathie" bis zu einem gewissen Grad selbst trainieren:

 

Nimm dir Zeit.

Empathie kommt nicht von jetzt auf gleich zum Vorschein. Es bedarf Zeit, sich von den eigenen Abgrenzungsängsten zu befreien, die dem zwischenmenschlichen Erfahren im Wege stehen. Es bedarf auch Zeit die Emotionen anderer stärker auf dich selbst einwirken zu lassen und so besser wahrnehmen zu können. Das empathische Wahrnehmen, Denken und Handeln lässt sich nur schrittweise umsetzen. Wenn du bisher meist oberflächliche Kontakte gepflegt hast, dann wird es natürlich länger dauern. Als geborener Empath wirst du damit allerdings kaum Probleme gaben.  

 

Sei offen für Andere und Neues.

Nur wenn Du unvoreingenommen auf andere zugehst, wirst du eine Beziehung aufbauen können. Selbst bei Menschen, die du als schwierig empfindest, kannst du oft auch positive Eigenschaften entdecken. Doch diese wirst du nur sehen, wenn du dich nicht an einem vorgefassten Eindruck festhältst.

Lass dich auf die Emotionen anderer Menschen ein. Das fällt dir anfangs vielleicht schwer und wirst versucht sein, die in dir dadurch entstehenden Gefühle zu unterdrücken oder nicht zu beachten, aber gehe darüber hinaus und werde dir bewusst, dass das nur deine Reaktion auf die Emotion eines anderen sind. Dass es nicht deine eigene Emotion ist. Lernen das wahrzunehmen und darauf zu vertrauen, dass du nur mitschwingst ohne die Quelle dieser Empfindung zu sein. 

 

Beobachte deine Mitmenschen.

Du entwickelst ein besseres Verständnis für deine Mitmenschen, wenn du sie aufmerksam beobachtest. Eine gute Übung ist es, im Café die Menschen oder Passanten zu beobachten und sich vorzustellen, wie es wäre an ihrer Stelle zu sein. Sich vorzustellen wie es wäre, so zu gehen, sich zu bewegen, so gekleidet zu sein, dieses Aussehen zu haben. Dann kannst du dich fragen, welche Gewohnheiten sie wohl haben, was sie beabsichtigen und denken. Was haben sie für einen Beruf und wie führen sie ihn aus oder wie sie wohl auf bestimmte Situationen reagieren würden. Lass eine Geschichte um deine Wahrnehmung entstehen und spüre dabei in dich hinein, welche Gefühle entstehen.  

 

Zeige Interesse.

Wenn du dich für andere Menschen interessierst, kannst du viel leichter ihre Motivationen und Emotionen nachvollziehen. Es wird dir nicht schwer fallen, ihre Begeisterung oder ihren Ärger zu verstehen, wenn du mitfühlen kannst wie er ist. Allerdings wirst du auch sehr schnell spüren, wenn eine Mensch nur sein "Drama" aufführt, um zB. Aufmerksamkeit zu erheischen. Du kannst nämlich spüren, wenn dir eine Show vorgemacht wird und die gezeigten Emotionen i Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind. Das wird dich davor bewahren auf die Krokodilstränen und die "Unschuldsdramen" so mancher Zeitgenossen hereinzufallen. Versuche herauszufinden, was deinem Gegenüber wichtig ist, für was interessiert er sich, welche Leidenschaften und Hobbies hat er oder sie? Höre aufmerksam zu und achte darauf, ob die Emotionen mit den Themen verbunden sind. So kannst du sehr einfach Gemeinsamkeiten entdecken und das steigert die Sympathie füreinander. Allerdings solltest du auch entsprechend handeln, wenn es zur Antipathie kommt. Dann kannst du dich dem entziehen, indem du die Begegnung oder das Gespräch freundlich beendest. Es gibt nie einen Grund zu streiten und dem anderen den eigenen Standpunkt aufzwingen zu wollen, aber auch keinen, seinen Standpunkt anzunehmen.

 

Hinterfrage Äußerungen. 

Meisten entstehen Konflikte dadurch, weil die Äußerung eines Mitmenschen falsch verstanden wurden. Es ist nicht einfach zu verstehen, was ein anderer wirklich meint. Seine Äußerungen transportieren zwischen den Zeilen weit mehr Informationen, als die Worte vermitteln. Versuche zwischen seine Worte zu hören und die von ihm ausgehenden "Schwingungen" zu empfinden. Dann ist die Chance ihn wirklich zu verstehen, bedeutend größer. Erst im Zusammenspiel von seinen Worten und Emotionen wird dir klar werden, was tatsächlich hinter seiner Aussage steckt.  

 

Zeige Verständnis.

Wenn du glaubst, dass dein Gegenüber dich versteht, dann wirst du dieses Gegenüber automatisch sympathischer einschätzen, als wenn es deine Aussagen anzweifelt oder dich kritisiert. Wenn du den emotionalen Zustand einer anderen Person nachvollziehen kannst und dies auch sagst, entsteht eine Verbundenheit, in der sich nicht nur der andere wohler fühlt, sondern auch du, denn es entsteht eine wohlwollende Atmosphäre. Ein kleiner Trick das "Nachvollziehen" zu zeigen, ist die subtile Nachahmung seiner Mimik und Gestik. Diese Mimikri des Verhaltens schafft eine emotionale und physische Übereinstimmung zwischen beiden Personen.

 

Der Nachteil von Empathie ist jedoch auch, dass sie zu einem Verhalten führt, das von Vorurteilen und Vorlieben getrieben ist. Zum einen halten wir Menschen umso empathischer, je ähnlicher sie uns selbst sind und umgekehrt fällt es uns schwer, mit von uns sehr verschiedenen Menschen, einen empathischen Kontakt aufzubauen. Deshalb muss die Empathie immer durch entsprechende rationale Prüfungen gesteuert werden, damit man nicht in schwierige Situationen gerät, denn weil uns eben Sympathie schnell dazu verleiten kann falsch zu handeln, besteht hier ein gewisses Gefahrenpotential. Je nach Intensität der empathischen Begabung kann sie dazu führen, dass man sich so sehr in das Leid einer anderen Person  hineinsteigert, dass man abhängig und fanatisch wird. Das Gegenteil von Empathie scheint das rein rationale, vernunftgesteuerte Handeln zu sein, aber es ist ein Fehler zu glauben, dass Vernunft automatisch zu mehr Ordnung oder gutem Urteilsvermögen führt.

 

Wie bereits angedeutet, ist die Voraussetzung für Empathie ist eine gesunde Selbstwahrnehmung.

Je offener jemand für seine eigenen Emotionen ist und je besser er sich selbst versteht, desto besser kann er auch die Gefühle anderer deuten. Aus der Intelligenzforschung wissen wir, das der Mensch mindestens zwei identifizierbare Intelligenzen besitzt: Die rationale Intelligenz (IQ) und die emotionale Intelligenz (EQ). Beide Intelligenzen sollten im Idealfall ausgeglichen stark sein. Der EQ ist ein Maß, das die Fähigkeit beschreibt, gut mit unseren eigenen Emotionen umzugehen, die Gefühle anderer zu erkennen, zu deuten und uns selbst zu motivieren. 

Es gibt jedoch auch bei der Empathie ein "zu viel des Guten". Ein übermäßiges oder unkontrolliertes Einfühlungsvermögen kann zu Abgrenzungsschwierigkeiten führen, weil diese Menschen sich zu sehr auf die Gefühle anderer ausrichten. Das hat zur Folge, dass besonders empathisch begabte Menschen kaum nein sagen können und dadurch schnell an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Solche Menschen sind oft auch sehr gutgläubig und fallen leicht auf gute Schauspieler herein, die sie dann leicht manipulieren können. 

 

In Entscheidungsprozesse spielt neben moralischen Gründen, die Empathie, also das Mitfühlen mit anderen (nicht Mitgefühl!), eine große Rolle. Je besser man sich in die Gedankenwelt eines anderen Menschen hineinversetzen kann, desto höher wird unsere Bereitschaft sich für diese Person einzusetzen. In einem Entscheidungstest, indem der Tod von fünf Menschen gegen den eines Menschen abgewogen werden musste, entscheiden sich die meisten Entscheider dafür, ein Leben zu opfern und die fünf zu retten. Ganz anders fiel das Ergebnis aus, wenn die Testpersonen sich vorher in die einzelne Person hineinversetzt haben. Dann verschob sich die Regel "Fünf Leben gegen eines" zugunsten des Einen. Auch wenn die Entscheidung, gegen das Wohl der Mehrheit zu entscheiden, den Entscheidern viel schwerer gefallen ist. Das deutet darauf hin, dass unser Sozialverhalten davon abhängt, ob wir andere mit Gedanken und Gefühlen wahrnehmen oder einfach nur als Objekte. 

Es ist auch eine traurige Tatsache, dass der Lebens-Status eines Menschen sich auf sein Empathievermögen auswirkt. In England untersuchten Psychologen das Verhalten von armen Menschen und fanden heraus, dass diese schneller Blickkontakt aufnehmen und öfter lächeln, als vermögendere Menschen. Wahrscheinlich ist freundliches Verhalten ein effektiverer Weg, von anderen Hilfe zu erhalten. Im Gegenzug schienen Angehörige der wohlhabenderen Schichten mehr empathisches Verhalten zu zeigen, wenn es eine breitere Öffentlichkeit dafür gab.

 

Das regelmäßiges Lesen von Gedichten und Romanen erhöht die Fähigkeit des empathischen Ausdrucks. So fand man heraus, dass das Lesen von belletristischen Werken nicht nur den Wortschatz und die Semantik verbesserten, sondern auch, dass das Lesen von Sachbüchern den umgekehrten Effekt hat.

(siehe dazu meinen Artikel: "Wahl der Worte") Höhere empathische Fähigkeiten führen zusammen mit einem erweiterten Wortschatz dazu, das Reden und Vorträge deutlich besser vom Publikum angenommen werden. Die unbewusste und natürliche Betonung eines Satzes durch den Redner, transportiert bereits das Maß seiner Empathie und lässt ihn bei seinem Auditorium mehr oder weniger gut ankommen. Es gibt sogar Untersuchungen über bestimmte Gene, die empathischer machen und gleichzeitig widerstandsfähiger gegen Stress. Stress ist aber auch ein Auslöser für gesteigertes empathisches Verhalten. Jedoch nur bei Frauen. Männer hingegen reagieren unter Stress weniger empathisch. Das fand man an der Universität Wien heraus. Hier wurde das menschliche Sozialverhalten untersucht und die Ergebnisse zeigten: Unter akutem Stress verbessern sich die empathischen Fähigkeiten von Frauen signifikant und Männer reagieren mit erhöhter Egozentrik. Frauen blieben während der Tests in der Lage, zwischen selbst- und fremdbezogenen Emotionen zu unterscheiden und reagierten weiterhin empathisch, während Männer hingegen eher die klassische Kampf- oder Fluchtreaktion zeigten. Der Grund dafür konnte in dem "Sozialhormon" Oxytocin gefunden werden, da bei Frauen unter Stress eine  deutlich höhere Oxytocin-Konzentration festgestellt wurde, als bei Männern.

 

Empathie ist keine geschlechtsspezifische Fähigkeit, jedoch prägen sich Empathen bei Frauen stärker aus. Der Grund dafür ist unbekannt. Da jedoch empathische Fähigkeiten trainiert werden können, bedeutet das nur, dass Männer einfach mehr Trainingsarbeit abzuleisten haben, um mit dem sogenannten schwachen Geschlecht gleich zu ziehen, das ihnen in diesem Bereich haushoch überlegen ist.

 

  • Du hast dich hier wiedergefunden?
  • Du bist bereit dein Leben in die eigenen Hände zu nehmen?
  • Du bist bereit Konsequenzen zu ziehen?
  • Du brauchst eine erfahrene Begleitung?

 

     Dann wird es Zeit, dass wir uns treffen!