INformationen  zu  Narzissmus

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung

Das Streben nach Anerkennung und Aufmerksamkeit ist für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung typisch. Hinter einem oft arroganten Auftreten verstecken sich meist Schmerz und Leid und ein schwaches Selbstwertgefühl. Narzissten sind von dem Gefühl geprägt, den an sie gestellten Ansprüchen nicht zu genügen. Trotz ihres egozentrischen Gehabes, sind sie sehr schnell aus der seelischen Balance zu bringen, wenn sie Kränkungen, Kritik, Trennungen oder andere schwerwiegende seelische Krisen durchstehen müssen. Solche Menschen haben ein extremes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Bewunderung. Sie fallen oft durch ihre Arroganz und Selbstidealisierung auf. Sie ertragen keine Kritik und an ihrem Misserfolg sind immer andere schuld. Andauernde Kritik und Aufmerksamkeitsentzug stürzen sie in schwere seelische Krisen, in denen sie sehr oft versuchen sich durch Gewalt zu befreien. Narzisstische Menschen können sich in der Regel nicht in andere Menschen hinein versetzen. Ihr Verhalten wird daher auf Dauer als anstrengend empfunden. Anderen gegenüber verhalten sie sich oft herablassend. Der Umgang mit Narzissten ist daher sehr herausfordernd und unerfreulich. Sie leben meist in einem Umfeld, indem sie andere Menschen von ihnen abhängig gemacht haben oder sie es zumindest glauben lassen. Von einer pathogenen narzisstische Persönlichkeitsstörung sind etwa ein Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen. Davon in der Überzahl Männer. Eine Therapie gestaltet sich schwierig, da die Symptome des Narzissmus eine breite Akzeptanz in den Führungsschichten der Wirtschaft finden. Kaum jemand hält daher die narzisstische Störung für etwas, das der Behandlung bedarf. Erst wenn andere psychosomatische Erkranken dazu kommen, finden die Betroffenen den Weg zum Arzt oder Therapeuten.

 

Narzissten sind meistens sehr ehrgeizig. Das bringt sie häufig und schnell in Führungspositionen, wo sie oft auch ein sehr erfolgreiches Leben führen. Wenn ihr Narzissmus jedoch stark ausgeprägt ist, beeinträchtigen sie ihre Umwelt und ihr Sozialverhalten führt dazu, das Menschen unter ihnen leiden. Dann wird der Narzissmus krankhaft. Leider ist der Übergang von einer Persönlichkeitseigenschaft zur krankhaften Störung fließend und wird oft aus Gründen toleriert, die in der Wertehaltung der Gesellschaft zu suchen sind. Solange die hierarchisch aufgebauten Wirtschaftsstrukturen bestehen, werden die narzisstischen Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Kritikunfähigkeit, Ellenbogenmentalität, Selbstüberschätzung und Allmachtsanspruch nicht als Störung angesehen und daher auch nicht erforscht. Aufgrund der schweigenden Akzeptanz von psychisch gestörten Führungskräften, wird unsere Gesellschaft zunehmend narzisstischer. Es wird als erstrebenswert angesehen, dass Menschen nur noch auf ihren persönlichen Erfolg und eine perfekte Selbstdarstellung fokussiert sind. Arbeitswelt und Medien zeigen diesen Trend jeden Tag.

Man kann die Narzisstische Persönlichkeitsstörung in mehrere Typen einteilen, die in meinem Artikel "Der Narzissmus des Mannes" ausführlicher beschrieben sind. Hier sei der grandios-maligne Narzissmus Typ als die schlimmste und bösartigste Form herausgegriffen. Menschen dieses Typus können zu einer Gefahr für ihre Umwelt, ihre Familie und Freundeskreis, ihre Firma, Mitarbeiter und allgemein der Gesellschaft werden. Der maligne Narzissmus besteht aus einer Kombination narzisstischer Verhaltensweisen, Aggression, Paranoia und soziopathischem Verhalten. Eine hochbrisante toxische Mischung, die zu extrem grausamen Taten veranlassen kann. So können zB. alle Kriegsverbrecher als maligne Narzissten bezeichnet werden. Die meisten von ihnen sind von ihrer Großartigkeit überzeugt und fühlen sich von anderen nicht angemessen wertgeschätzt. Sie rächen sich ohne Reue und Maß.

Dabei muss die Ablehnung nicht einmal real sein, denn sie sehen sich in ihrer paranoiden Logik durch ihre Mitmenschen bedroht und nehmen sie als Feinde wahr. 

In der Familie herrschen sie mit absolutistischer Macht und brechen jeden Widerstand durch physische, psychische, emotionale oder sexuelle Gewalt. Sie sind der unangefochtene, allmächtige Patriarch, dessen Wort, Gefühle und Ansichten das Gesetz für alle Familienmitglieder sind und dieses Gesetz wird mit Terror durchgesetzt. Personen im Umfeld solcher Menschen geraten dadurch in eine auf Angst und Ohnmacht basierende, psychische Abhängigkeit. Da die Narzissten von einem Augenblick auf den anderen sehr selbstbewusst und grandios wirken können und kurz darauf Anzeichen von Depression und Ängstlichkeit zeigen, verstärkt die Unsicherheiten noch. Einige Symptome dieser psychischen Störung sind jetzt schon plakativ genannt worden, um zu zeigen, wie gefährlich diese Störung für die Gemeinschaft ist. Doch der Narzissmus weicht auch in vielen anderen Bereichen von der soziokulturellen Umgebung ab. Diese egozentrischen Persönlichkeitsmerkmale führen zu immensem Leiden und starker Beeinträchtigung im sozialen, beruflichen oder familiären Umfeld. Allgemein kann man an den von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidenden Menschen folgende Verhaltensweisen in sehr starker Ausprägung beobachten:

  

Sie haben ein übertriebenes, unrealistisches Gefühl ihrer eigenen Wichtigkeit

Sie haben Phantasien von grenzenlosem Erfolg, Macht, Schönheit oder Liebe

Sie glauben, besonders und einzigartig zu sein 

Sie glauben nur von herausragenden oder angesehenen Personen der Gesellschaft verstanden zu werden

Sie erwarten von anderen übermäßige Bewunderung und kritiklose Zustimmung

Sie erwarten,  besonders bevorzugt behandelt zu werden und ihre Erwartungen das Maß der Dinge sind

Sie nutzen andere gewissenlos aus, um ihre eigenen Ziele zu erreichen

Sie haben keine oder wenig Empathie und weigern sich, sich in andere hineinzuversetzen

Sie sind oft neidisch auf die Erfolge anderer

Sie glauben, sie würden alles auf jeden Fall besser machen können.

Sie glauben, jeder andere ist neidisch auf sie und missgönnt ihnen ihre Erfolge

Sie verhalten sich auffallend arrogant, überheblich und selbstbezogen in Gruppen

Sie verhalten sich oft verletzend gegenüber nahestehenden Personen

 

Viele Narzissmus-Symptome sind eindeutig, andere subtiler. Auch spielt die Erziehung und der Lebensweg des betroffenen Menschen eine Rolle. Einige leben ihre Überheblichkeit nicht offen und man erkennt die Symptome nur bei genauem Hinsehen. Lange Zeit wurde angenommen, dass Narzissmus der Ausdruck eines hohen Selbstwerts ist, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Der Selbstwert des Betroffenen ist extrem niedrig und er versucht mit seinem Verhalten, diese Tatsache zu verschleiern. Die Betroffenen leiden vielmehr unter einer inneren Leere und ihr Selbstwert besteht aus der Anerkennung und Aufmerksamkeit, die sie von anderen erhalten. Die Aufwertung der eigenen Person bzw. die Abwertung anderer, stellt den Versuch dar, die negative Gefühle und Selbstzweifel zu bewältigen, die sie in ihrem Erleben quälen. Eine Kränkung, wie zum Beispiel eine Scheidung kann unbändige Rachsucht und jähzornige Wut erzeugen. Finden dieses aggressiven Gefühle keinen Ausdruck, wenden sie sich gegen den Betroffenen und ziehen Depression, bis hin zum Suizid nach sich. Die selbstherrliche Selbstdarstellung des Narzissten ist also keineswegs ein Ausdruck seiner Selbstliebe, sondern sein Versuch die nagenden Selbstzweifel und idealisierten Unvollkommenheitsgefühle zu lindern.

Bei der Ausbildung der narzisstischen Störung, spielen neben einer vermuteten genetischen Prädisposition, die prägenden Umweltfaktoren eine große Rolle. Die meisten psychologischen Studien sehen die Wurzeln des Narzissmus in der Kindheit, verursacht durch gestörte Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen. Meist fördern emotional kalte oder latent aggressive und fordernde Eltern die übersteigerte Selbstdarstellung ihrer Kinder. Diese lernen dann schnell, die Verletzung ihres Selbstwerts durch den Fokus auf Schulleistungen zu kompensieren. Sie gewöhnen sich an, nur mit dem Besten zufrieden zu sein, für das sie dann gelobt werden. Wenn überhaupt. Es kann aber auch zu einer Totalverweigerung kommen und die Kinder wählen einen Weg, der ins Abseits der Gesellschaft führt. Andererseits entwickeln Kinder, die von ihren Eltern keine Zuwendung oder Grenzen erhalten, ein unrealistisches und perfektionistisches Selbstbild, das sie für die Ausprägung narzisstischer Neigungen empfänglich macht. Beide "Erziehungen" vernachlässigen die kindlichen Bedürfnisse. Kinder benötigen einerseits empathische Geborgenheit und Liebe, anderseits müssen sie durch das Setzen von Grenzen und Beachten von Regeln in die bestehende Gesellschaft integriert werden. Für ihre gesunde Entwicklung müssen Kinder auch den Umgang mit Enttäuschungen lernen, die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen und vor allem sich in die Gefühle anderer einzufühlen.

Es ist davon auszugehen, dass Personen mit narzisstischen Symptomen in ihrer Kindheit keine empathischen Fähigkeiten ausbilden und trainieren konnten. Sie wuchsen in dem Glauben auf, dass ihr Verhalten als richtig und erstrebenswert angesehen wird. Daher haben sie auch als Erwachsene keine Einsicht darin, dass ihr Verhalten Probleme erzeugt. Sie sind von der Großartigkeit ihres Selbst überzeugt und suchen die Fehler immer bei den anderen Menschen. Durch diese fehlende Einsicht, kann der Narzissmus nur schwer therapiert werden. Wie schon erwähnt, begeben sich diese Menschen wegen anderer Störungen in Behandlung, in der die narzisstische Persönlichkeitsstörung dann aufgedeckt wird.

Die Therapie gestaltet sich schwierig und stellt hohe Ansprüche an den Therapeuten. Die meisten Narzissten verweigern sich in diesem Thema, auf den Therapeuten einzulassen, denn Hilfe anzunehmen empfinden sie als Niederlage und Bedrohung ihres Selbstbildes. Sehr oft werten sie den Therapeuten auch extrem ab, um ihre Überlegenheit zu wahren. Nicht jeder Therapeut ist gewillt, sich mit solchen Klienten abzugeben. Daher ist es für den Narzissten auch schwer, überhaupt einen Therapeuten zu finden, der bereit ist, gegen seine Arroganz und Überheblichkeit anzugehen. Heute geht man davon aus, dass die narzisstische Persönlichkeitsstörung anders als eine Krankheit, veränderbar ist. Doch ist sie in der Persönlichkeit selbst angelegt und daher im eigentlichen Sinne nicht heilbar. Jedoch lassen sich die Symptome in der Langzeit-Therapie deutlich abmildern.

 

Mit einem Narzissten eine Partnerschaft zu führen, ist eine große Herausforderung, da die Welt des Narzissten sich praktisch nur um sich dreht. Der Partner, genau wie alle anderen Menschen, ist nur ein Hilfsmittel, seine Gefühle und Bedürfnisse zu erfüllen. Sich in andere Menschen  hineinzuversetzen, gehört ja wie gesagt, nicht zu seinen Stärken. Verheerend wirkt sich Narzissmus in einer Familie, einem Freundeskreis oder auch im Arbeitsteam aus. Oft verursacht er ein Martyrium der Mitglieder solcher Verbunde. Ein einzelner Mensch kann durch diese Störung ganze Familien zerstören und Kinder, sowie Ehepartner für ihr weiteres Leben psychisch verunstalten. Meist verändern sich diese Menschen nur langsam und schleichend. Er rutscht allmählich immer tiefer in seinen Selbstbestätigungswahn. Nichts und niemand kann ihn noch genügend bewundern. Er ist niemals mehr mit etwas zufrieden auch nicht mit sich selbst. Er verliert jede Regung von Empathie, selbst gegen die eigenen Kinder. Es endet meist in einem Terror aus emotionaler Erpressung, psychischer oder verbaler Gewalt. Der Partner des Narzissten wird fortlaufend von ihm abgewertet, beleidigt und beschuldigt, bis er selbst tief in seiner Seele zerbricht. Das wertet den Narzissten wieder auf und er wird diese Vorgehensweise so oft wiederholen, wie er kann. Es endet in einem perfiden Spiel aus Schuldzuweisungen, emotionaler Manipulation und Macht.

 

Es ist daher dringend angeraten so schnell wie möglich für klare Grenzen zu sorgen, um sich selbst zu schützen. Die einfachste und beste Art mit einer solchen Situation umzugehen, ist eine schnelle und tiefgehende Trennung vom Narzissten. Diese Trennung sollte von vornherein dauerhaft ausgelegt sein, denn die Heilungschancen für Narzissmus stehen denkbar schlecht.

 

Narzissmus ist eine ernste Persönlichkeitsstörung. Menschen, die an dieser Störung leiden sind gefährlich, denn sie verletzen und schaden anderen Menschen, ohne dass es ihnen überhaupt bewusst ist. Sie sind so tief unbewusst, dass es fast unmöglich ist, sie zu therapieren. Daher ist es sehr wichtig Narzissten schnell zu erkennen, sich von ihnen zu trennen und jeden Kontakt zu ihnen abzubrechen.  Erst wenn ihre narzisstischen Neigungen keine Nahrung mehr in anderen Menschen findet, nehmen sie vielleicht die Hilfe eines professionellen Therapeuten an. 

Leider ist Empathie der  Gegenpol zu Narzissmus. Daher treten im Umfeld eines Narzissten vermehrt Menschen mit einer empathischen Veranlagung auf, die wie ein Magnet von ihm/ihr eingefangen wurden. Diese empathischen Menschen sind besonders gefährdet, durch den Narzissten Schaden an ihrer Seele zu nehmen.

 

In diesem Artikel wurden die Anzeichen und Symptome angesprochen, an denen ein Narzisst erkannt werden kann. Doch Vorsicht! Nicht jeder dominante oder egoistisch handelnde Mensch ist gleich ein Narzisst. Die meisten, die diese Seite lesen, werden einen hohen Grad an Empathie haben und sich dessen vielleicht gar nicht bewusst sein. Sie sollten die beschriebenen Symptome an den Menschen ihrer Umwelt überprüfen und entsprechend handeln!

Hier gibt es mehr zum Thema:

Psychische Gewalt                 Ein Artikel

Claire & Eddy                        Eine Geschichte

Empathie                               Ein Artikel

Gabi                                       Eine Geschichte

Vergewaltigt und danach      Eine Geschichte 

 

Hier sind noch ein paar Youtube Links, die Narzissmus als Thema haben:

Keine Lust mehr auf komische Stimmungen

Wenn sie realisiert haben, dass du endgültig bist

Der Wolf im Schafspelz

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