Die Reset-Taste im Gehirn

Der Löschknopf im Gehirn  

 

Wer wünscht sich nicht, etwas auf »Knopfdruck« zu vergessen. Wir sind oft versucht, das als Lösung für unsere Problemgedanken anzusehen. Aber wir glauben, dass es so einen Löschknopf nicht gibt. Doch das stimmt so nicht.

Das Gehirn erfand längst eine faszinierende Art und Weise, wie es in sich Platz schafft, um neue Verbindungen aufbauen zu können. Wir wissen bereits seit Jahren, dass Neuronen, die zusammen »feuern«, miteinander in Verbindung stehen. Je öfter diese verbundenen Zellen aktiviert werden, desto robuster wird ihre »Verdrahtung«. Je stabiler ein solches neuronales Netzwerk wird, je schneller und perfekter kann es zur Verfügung stehen. Jeder weiß, dass Üben zum Erfolg führt. Egal ob es sich um Klavierspielen, Jonglieren, eine Fremdsprache, Malen oder mathematische Formeln handelt. Erst durch Übung wird es perfektioniert. Diese Perfektion kommt aus den trainierten neuronalen Netzen. Unsere Fähigkeit zu lernen und uns zu perfektionieren liegt in diesem Mechanismus begründet. Aber es gehört mehr dazu, als nur starke neuronale Netze aufzubauen. Es ist fast noch wichtiger alte Netze wieder aufzulösen und abzubauen. Im Gehirn wachsen die synaptischen Verbindungen zwischen den Neuronen, wie die feinen Haarwurzeln von Blumen. In diesen Verbindungen werden die Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Gaba oder Glycin transportiert. Gepflegt und gesteuert werden diese Verbindungen von den Partnern der Neuronen, den Glia-Zellen. Glia-Zellen und Neuronen bilden eine funktionelle Einheit, ohne die unser Nervensystem nicht funktionieren könnte. Es gibt verschiedene Arten von Glia-Zellen. Die Mikro-Glia-Zellen sind die Servicetechniker des Gehirns. In den normalen Glia-Zellen sind die Neuronen verankert. Glia-Zellen sind somit für den Halt und den strukturellen Aufbau des Gehirns verantwortlich. Sie stützen die Neuronen in der Gewebe-Architektur des Gehirns und übernehmen ihre Versorgung mit Nährstoffen. Ebenso transportieren sie die Stoffwechsel-Abfälle ab. Für den gewünschten Ablauf des Auf- und Abbauprozess der neuronalen Vernetzungen sind die Mikro-Glia-Zellen zuständig. Sie sorgen dafür, dass die Leitungen zwischen den Neuronen gut isoliert sind und nur dort Verbindungen entstehen, wo diese auch sein sollen. Die Mikro-Glia-Zellen arbeiten dabei als »Techniker«, die ungenutzte Verbindungen abtrennen und das Material dem abtransportieren. So bleibt das Gehirn in einem optimalen Zustand. 

 

Doch woher wissen die »Techniker«, was, wann und wo gerade etwas abgebaut werden muss, damit das Ganze so Top in Form bleibt?

 

Unsere Forscher beginnen gerade erst, dieses Geheimnis zu enträtseln. Sie fanden aber bereits heraus, dass nicht mehr oder selten benutzte synaptische Verbindungen mit einem Protein markiert werden. Die Mikro-Glia-Zellen reagieren auf diese enzymatische Markierung, indem sie sich mit diesem Markierungs-Protein verbinden und dann die so gefundene Synapse auflösen. Das dabei abgebaute Material wird abtransportiert, eingelagert und bei Bedarf an anderen Stellen zum Aufbau neuer Synapsen verwendet. So schafft das Gehirn den nötigen Raum, um neue und stärkere neuronale Netze aufzubauen oder um Neues lernen zu können.

Da Raum in den engen Begrenzungen des Schädels ein kostbares Gut darstellt, wird auf diese Weise der wertvolle Platz nur für die wichtigsten Verbindungen verwendet. Die wichtigsten Verbindungen sind jene, die am intensivsten genutzt werden, denn nur die stellen das dar, was der Mensch als Eigentümer des Gehirns, in seinem Leben als wichtig ansieht, tut und fühlt.

 

Vielleicht dämmert es ja jetzt dem einen oder anderen, warum sich der Kopf manchmal zum Platzen voll anfühlt. Geradeso, als ob jetzt gar nichts mehr hineinpassen würde. Meistens passiert das in Zeiten hoher Gehirnleistungen, wo in kurzer Zeit eine Menge neuer Informationen aufgenommen und behalten werden muss. Jeder kennt das Gefühl, dass es keinen Sinn mehr macht weiter zu lernen, weil nichts mehr »reingeht«. Und dann kommt dazu ein Gefühl von bleierner Müdigkeit. Das physische System signalisiert so eine Überlastung. Im wahrsten Sinn des Wortes ist kein Platz mehr im Gehirn um weitere Informationen aufzunehmen. Es muss erst wieder Platz geschaffen werden und deshalb: Mach mal PAUSE!

 

Die Müdigkeit, die bei geistiger Arbeit auftritt, ist ein Hilfeschrei des Gehirns, dass es dringend Zeit braucht, um interne Angelegenheiten zu regeln. Es muss Platz schaffen und seine neuronale Struktur umbauen. Das das geht am effektivsten im Schlaf. Im Schlaf wird die physiologische Struktur des Gehirns nicht mehr vom bewussten Geist malträtiert. Das Bewusstsein zieht sich zurück und die Servicetechniker können ihren Job erledigen.

 

 In Zeiten, in denen viel neue Information aufgenommen und behalten werden muss:
Immer wieder schlafen, schlafen, schlafen!

 

Im Schlaf strömt eine Armada Micro-Glia-Zellen aus und zersetzt die markierten Synapsen, löst die darauf aufbauende neuronale Vernetzung auf und transportiert sie ab. Es entsteht wieder Platz. Außerdem muss das Gehirn bei einem hohen Aufkommen von neuen Informationen schnell reagieren und kann nur ineffiziente Verbindungen aufbauen. Diese Ad hoc Verbindungen benötigen viel mehr Raum als nötig und sollten nur so kurz wie möglich erhalten werden. Es ist wie bei einem Umzug im Regen: Nur alles schnell in die trockenen Räume - richtig einrichten kann man die Wohnung ja noch später, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist. Für diese Ruhe muss man allerdings sorgen. Deshalb hilft viel zu schlafen, wenn man viel in kurzer Zeit lernen will. In diesen Ruhezeiten baut das Gehirn die Ad hoc Verbindungen um, integriert sie in das vorhandene System und gibt ihnen dadurch eine effizientere Wirkungsweise. Das tut es am Besten im Schlaf. Dann mischen wir uns nämlich nicht ein. Im Schlaf werden die neuronalen Netze auch geputzt. Viele redundante Querverbindungen werden aufgelöst und das ganze System optimiert. Dadurch verkleinert sich der Platzbedarf der aktiven Vernetzungen um mehr als die Hälfte! Das bei der Optimierung frei gewordene »Material« wird abtransportiert und  am »Bauhof« deponiert. Hier steht es für den Ad hoc Aufbau neuer Verbindungen während des nächsten Wachzustandes zur Verfügung. Die Glia-Zellen können es von dort schnell zu den Bereichen bringen, wo neue Netze entstehen sollen.

Nach einem guten Schlaf fühlen wir uns meistens klar und können schnell denken. Wir verfügen dann über eine rasante Auffassungsgabe und eine klare Wahrnehmung. Der Grund dafür liegt im gelungenen Großreinemachen des Gehirns, das während des Schlafes stattfand. Es gibt zu diesem Zeitpunkt viel Platz im Oberstübchen und das Gehirn wird mit Freude neue Informationen aufnehmen - also lernen. Nichts tut das Gehirn lieber!

Bekommt das Gehirn aber nicht genug Schlaf, dann wird das Denken mühsam und anstrengend. Die Informationen können nicht mehr schnell genug in den Netzwerken gespeichert werden. So kommt es zu Konzentrationsmangel, bis hin zu einem Überlauf, bei dem die aufgenommene Information im Nirgendwo verpufft und gar keine neuronalen Netze mehr aufgabaut werden können.

Ganz egal wie sehr man auch büffelt. Deshalb sind Ruhezeiten beim Lernen so wichtig! Den Micro-Glia-Technikern reichen bereits kleine Nickerchen von 15-20 Minuten um einige unbenutzte Verbindungen aufzulösen und Platz für Neues zu schaffen. Je entspannter und ausgeruhter das Gehirn ist, desto »glücklicher« kann es lernen. Diese Freude überträgt sich in das gesamte Leben des Menschen. Das Lernen macht Spaß, der Stoff erscheint fabelhaft und ein Gefühl von »Ich hab's begriffen!« stellt sich ein.

 

Wie die Löschtaste funktioniert.

Auch wenn das Gehirn annähernd autark in diesen Prozessen agiert, so können wir doch einen Einfluss darauf nehmen, was gelöscht und was verstärkt werden soll. Wir wissen ja, dass die unbenutzten synaptischen Verbindungen zur Löschung markiert und die Benutzten dagegen verstärkt, verbessert und optimiert werden.

 

Achte also darauf was du denkst und womit du dich beschäftigst!

 

Vor allem bevor du dich schlafen legst oder in Ruhephasen gehst. Je länger du dich mit den Dingen beschäftigst, die du NICHT willst, die dich ängstigen oder ohnmächtig erscheinen lassen, desto mehr stärkst du die zu diesen Gedanken gehörenden neuronalen Netze. Sie werden gehegt, gepflegt und verstärkt und du züchtest mit der Zeit einen Angsthasen in dir heran. Konzentrierst du deine Gedanken aber auf das, was du WILLST, dann werden diese neuronalen Netze aufgebaut, während die, für die Problemgedanken zuständigen Netze dem Abbau anheim fallen. Das Schönste daran ist, dass dies alles auf einer nachprüfbaren wissenschaftlichen Basis passiert. Du kannst es  wie Weitsprung oder Marathonlaufen trainieren. Es bedarf einzig und allein deiner Entscheidung!

 

Immer wieder benutzte synaptische Verbinden werden gestärkt - unbenutzte gekappt!
Merk dir das wie 1+1=2.

 

Das ist dein Sechser im Lotto. Deine Eintrittskarte in ein glückliches und schönes Leben. Du wirst es einsehen, sobald du dich aus dem neuronalen Abfallhaufen, den du jetzt dein Gehirn nennst, herausgearbeitet hast. Du schaffst das, dessen bin ich mir sicher. Du hast nämlich jetzt verstanden, was das Geheimnis von all den esoterischen Heilslehren ist, die aus Gedanken ein erfolgreiches Leben machen. Noch einmal: Es ist deine Entscheidung dieses neue Wissen anzuwenden oder es zu lassen. Doch bitte: Hör auf zu jammern, dass dein Leben so ist, wie es jetzt gerade ist.

Worauf du dich konzentrierst, das wird sein. Das ist heute keine Weisheit mehr, die dich vom Stuhl hauen sollte. Das, womit du dich beschäftigst, wird in deiner Realität wahr und du wirst es erleben. Sei also nicht blöd und schlage neues Wissen in den Wind, nur weil es nicht zu dem passt, was du bisher lernen durftest. Du wirst nicht immer die Kontrolle darüber haben, was jeden Tag passiert. Dazu ist die Arbeit der Micro-Glia-Zellen zu komplex. Du hast aber die Möglichkeit das geistige Wetter zu bestimmen, das sich in deinem Leben ausbreitet. Nur du hast nämlich die Kontrolle darüber, mit was du dich beschäftigst, was du denkst und was du an dich heranlässt.

All das bestimmt auf einer mikroskopisch-physiologischen Ebene, welche neuronalen Netze in dir stark und robust werden und damit auch, was in deinem äußeren Leben an dich herantritt. Die Milliarden Glia-Techniker in deinem Kopf hören alle auf dein Kommando. Du musst nur wissen, wie du ihnen Kommandos gibst. Sag ihnen klar und deutlich, was du willst. Das tust du indem du über die für dich wichtigen Dinge nachdenkst. Über jene Themen, die dich bereichern und die zu deinem Wohlergehen beitragen. 

 

Höre auf über Probleme nachzudenken -  Stell dir die Lösungen vor. 

 

Kannst du für dein Problem keine Lösung finden, dann spreche mit den Menschen, die ähnliche Probleme bereits lösten. Früher oder später werden die neuronalen Netze, die für die unerwünschten Dinge in deinem Leben stehen, markiert und entsorgt. Sie verschwinden dann aus deinem Gewahrsein und ebenso aus deiner Realität. Dann weißt du, wie du es erreichen kannst. Dann übst du weiter und Übung wiederum stärkt dein Wissen über diese Zusammenhänge. Je weniger du versuchst dein Leben zu perfektionieren, desto perfekter wird es werden.  

 

Noch einen Tipp zum Anfang:

Zuerst wirst du dir darüber bewusst, wie oft du über Unerwünschtes nachdenkst, oder Ungeliebtes tust. Dann ersetzt du diese Gedanken oder Taten jedes Mal, mit einem Gedanken / einer Tat, die du dir wünschst. Das erfordert eine Zeit hoher Achtsamkeit und Konsequenz, aber es baut neue synaptische Netzwerke auf. Dann fängst du an, die neuen Gedanken oder Handlungen immer wieder auszuführen, ohne dich mit den Alten aufzuhalten. Du tust das so lange, bis es dir zur Gewohnheit wird. Dann geschieht es von allein und automatisch. Das ist wahrlich nichts Neues: Du hast so Laufen, Sprechen, Schreiben und Rechnen gelernt. Auch wenn du heute vielleicht schon ein paar Jahrzehnte älter bist: Du hast niemals etwas nach einer anderen Methode trainiert. Nur jetzt musst du bewusst lernen - naja - wenigstens die ersten Schritte bewusst tun, denn dein Gehirn wird Spaß daran finden und dich ganz von allein leiten. 

Freu dich drauf - denn besser kann es nicht mehr kommen.

 

alles liebe

Hans