Wenn das Liebste zum Albtraum wird

Psychische Gewalt und emotionaler Missbrauch

Dies ist sicherlich kein leichtes Thema, aber ich bin der Überzeugung, dass kein Weg daran vorbeiführt, diese Umstände anzusprechen. 

Der folgende Beitrag stellt die Methoden und Strategien derjenigen dar, die psychische Gewalt anwenden, damit sich jeder darüber informieren kann, wie die Symptome häuslicher Gewalt aussehen. Ich hoffe damit einen Maßstab zu geben, mit dem jeder Betroffene seine Lage selbst beurteilen kann.

 

Ergebnisse der FRA-Studie in Deutschland:

jede 3. Frau hat Gewalt durch den Partner erlebt

jede 2. Frau hat psychische Gewalt durch den Partner erlebt.

fast jede 2. Frau (44%)  hat eine Form von Gewalt vor ihrem 15. Lebensjahr durch einen erwachsenen Täter erlebt.

Die Rufnummer des bundesweiten Hilfetelefons für Frauen als Gewaltopfer lautet:   08000 116016.  
Hier kann man sich rund um die Uhr und an allen Tagen kostenlos beraten lassen.

Die Beratung kann dabei in vielen Sprachen erfolgen. 

Betroffene Familien, Kinder und Jugendliche können sich Hilfe bei der »Nummer gegen Kummer»:  116 111

 

oder bei der Telefonseelsorge:

0800 1110111 (evangelisch)

0800 1110222 (katholisch)

bundesweit  116 123

 


 

Lesezeit ca. 20 Minuten

Die heimtückischste Art der Gewalt zwischen Menschen ist psychische Gewalt. Sie wird in der Regel verdeckt ausgeübt aber oft treten ihre Symptome allen sichtbar zu Tage. Während körperliche Gewalt eindeutige Spuren hinterlässt, sind die Verletzungen psychischer Gewalt meist unsichtbar, extremer und heilen nicht von allein. Die Opfer sind den Tätern aufgrund ihrer psychischen Konstitution oft hilflos ausgeliefert und haben keine Hoffnung auf Hilfe von außen, denn die Täter (nicht nur Männer) manipulieren ihr Umfeld. Sie gehen strategisch vor und handeln mit perfider Zielstrebigkeit um ihren Partner/Partnerin zu tyrannisieren. Der Täter/in geht dabei oft verdeckt aggressiv vor, indem er/sie den Partner in der Öffentlichkeit und vor Freunden durch ironische bis zynische Bemerkungen beleidigt, abwertet oder beschimpft. Meist unter dem Deckmäntelchen des Witzes, über den sich der Partner als humorloser Mensch dann nicht so aufregen soll.

Dieses aggressive Verhalten dauert meist Jahre und der/die Betroffenen merken viel zu spät, dass sie Opfer eines Aspekts häuslicher Gewalt sind.

Es ist mir wichtig, zu sagen, dass es mir nicht gelingt, diesen Text ohne innere Betroffenheit zu schreiben.

Es ist mir nicht möglich Sympathie für den Täter oder die Täterin zu entwickeln und so tendieren meine Aussagen zur Sicht der Opfer. Das ist sicher ein Manko, aber ich bin ein Mensch und als solcher habe ich wie jeder andere meine Grenzen. Deshalb betone ich hier, dass die »Täter« genau so viel psychologische Hilfe benötigen, wie die »Opfer«. Wenn nicht sogar mehr und intensiver, damit der Schaden, den sie in den Menschen anrichten begrenzt wird.

Am Ende des Artikels habe ich ein paar Anlaufstellen für Täter angefügt. Ich habe mich auch für die Bezeichnungen Opfer und Täter entschieden, um damit eine geschlechtliche Wertung zu vermeiden. Leider ist es aber so, dass das Wort Täter einen männlichen Artikel erfordert und so schon die Grammatik darauf hinweist, dass die Mehrheit der Täter Männer sind.

Du wirst im folgenden Text sicher etwas finden, das du schon in deinen Beziehungen erlebt hast, aber nicht jeder Mensch, der sich in der Beziehung schlecht verhalten hat, ist gleich ein Gewalttäter. Es ist mir wichtig, dir zu sagen, dass eine belastende Partnerschaft nicht sofort häusliche Gewalt ist. Es ist mir klar, dass schwierige Partnerbeziehungen, Trennungen oder Aufkündigen der Beziehung seitens eines Partners große Schmerzen bereiten, doch es gibt einen großen Unterschied zwischen Gewalttätern und enttäuschenden oder verletzenden Partnern: Der Gewalttäter handelt aus Vorsatz, auch ohne die Motivation für sein Handeln zu erkennen und mit der Absicht, das Opfer zu quälen. Eine Veränderung seines Verhalten zu erwägen, kommt einem Täter überhaupt nicht in den Sinn. Solltest du beim Lesen aber tatsächlich auf viele Resonanzen stoßen, dann wende dich am besten sofort an die nächste »Frauen-Not-Hilfe«, auch dann, wenn du ein Mann bist! Die Kontakte in deiner Nähe findest du am Ende des Textes und im Internet.

 

Psychische Gewalt wirkt sich in der Regel nicht nur auf den Partner aus, sondern auf alle Personen im Umfeld des Täters. Solange der Täter glaubt, dass ihm vom Opfer keine Gefahr droht, macht er mit seiner Tyrannei weiter. Sie greift auf den Partner, die Kinder, untergebene Mitarbeiter, Nachbarn, Geschäftspartner etc. über und nimmt mit der Zeit zu. Natürlich ist nicht jede Äußerung, die im Streit zwischen Partnern fällt, gleich »psychischer Gewalt« zuzuordnen und nicht jeder in Zorn oder Trauer gemachter Vorwurf eine emotionale Folter, aber es gibt eine Reihe von Symptomen, die psychische Gewalt eindeutig identifizieren. Die Ausübung psychischer Gewalt ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine strukturierte Vorgehensweise einen anderen Menschen zu destabilisieren und unter die eigene Kontrolle zu bringen. Sie ist ein direkter Angriff auf das Denken, die Wahrnehmung und das Sein des Opfers. Je länger jemand dieser feindlichen Gewalt ausgesetzt ist, desto größer werden die seelischen Schäden des Opfers. Das tyrannische und unvorhersehbare Verhalten des Täters führt dazu, die Selbstzweifel seines Opfers zu schüren und den eigenen Verstand samt der eigenen Wahrnehmung anzuzweifeln. Es gehört zur Taktik des Täters, dem Opfer weiß zu machen, dass es diese Grausamkeiten verdient und es die alleinige Schuld daran trägt, dass sie passieren.

Das Opfer ist immer und unter allem Umständen in der alleinigen Verantwortung für die Situation und auch für jede sich daraus ergebende Konsequenz oder Veränderung. Nur wenn das Opfer diese Verantwortung auf sich nimmt, ist die Partnerschaft für den Täter zufriedenstellend und befriedigend. Nur dann kann der Täter das Opfer anders behandeln. Sagt er - doch das wird niemals eintreten. Je mehr sich das Opfer auf die Anmaßungen und Forderungen des Täters einlässt, desto unverschämter werden sie. Es ist unmöglich, dem Täter etwas recht zu machen. Je mehr sich das Opfer bemüht die bisherigen Forderungen zu erfüllen, desto mehr Leid fügt der Täter ihm zu.

 

Das Opfer erkennt meist nicht, dass der größte Teil seines Leidens durch das absichtlich feindliche Verhalten des Täters verursacht wird, der behauptet es zu lieben. Das Opfer wird also akzeptieren, dass es sich selbst (extrem) ändern muss, damit sich das Verhalten des Täters ändert und er es besser behandelt. Doch leider gehört es zur Strategie solcher Menschen, dem Opfer das Gefühl zu vermitteln, es sei selbst an allem schuld. Die Vorgehensweise des Täters ist dabei die gleiche, wie sie auch bei der militärischen Verhörausbildung vermittelt wird, deren Ziel es ist, den zu verhörenden Menschen zu »brechen«. 

 

Ich verzichte auf das Ausmalen der Grausamkeiten und zähle hier einige Punkte auf, die zeigen sollen, dass es NICHT NORMAL ist, wenn du durch den Täter:

  • verbal bedroht, belogen oder ignoriert, versetzt, stehengelassen wirst
  • vor anderen lächerlich gemacht wirst,
  • Arbeiten zugewiesen bekommst, für die der Täter keine Lust hat,
  • Arbeiten und Aufgaben erhältst, die deine eigenen Fähigkeiten übersteigen z.B. Körperkraft, Kenntnisse oder Stress-Resistenz.
  • finanziell entmündigt wirst
  • sexuell und finanziell betrogen wirst
  • vor anderen heruntergeputzt oder bloßgestellt oder entehrst wirst
  • hintergangen oder wie ein Sklave/in behandelt wirst

Es ist weiterhin nicht NORMAL:

  • dass deine Gefühle immer wieder verletzt werden
  • dass er/sie dich mit anderen betrügt oder in deiner Gegenwart flirtet
  • dass du den gemeinsamen Lebensunterhalt zu finanzieren und den Haushalt zu schmeißen hast
  • dass du deine Zeiteinteilung nach ihm zu richten hast
  • dass du ihm immer zu Willen sein musst,
  • dass du alles tun musst, was er sagt, will oder nonverbal fordert
  • dass du alles aushalten musst, was er dir antut.

Du fragst dich nun vielleicht: »Warum« ein Mensch so sein kann. Es kann sein, dass solche Menschen unerkannte psychische Störungen in sich tragen. Doch meist haben solche destruktiven Menschen einen langen Leidensweg hinter sich, der sie zu dem machte, was sie sind. Das ist jedoch keine Entschuldigung für ihr gewalttätig, grausames Verhalten. Auch wenn solche Täter hin und wieder ganz nett erscheinen, sie werden nicht aufhören andere emotional, verbal oder psychisch und seelisch zu missbrauchen, misshandeln, quälen und zu manipulieren. Sie können es einfach nicht anders. Destruktive Partner brauchen eine therapeutische Hilfe, um aus ihrem Gefängnis herauszufinden, denn der Grund für ihr Verhalten ist meist ein unstillbarer Selbsthass.

Psychische Gewalt ist fast nie im Verhalten des Opfers begründet. Sie ist fast immer in diesem Selbsthass des Täters begründet, der mit seinen Manipulationen und Quälereien nur versucht, dieses unerträgliche dunkle Loch in sich zu stopfen. Darum wird nichts in der Welt diese Menschen davon abhalten, ihre Partner zu misshandeln.

Ein Mensch, der psychisch gewalttätig ist und damit wirklich aufhören will, kann das nur tun, indem er sich seinen eigenen Themen zuwendet. Kein Mensch kann das ohne einen dafür erfahrenen anderen Menschen schaffen! Doch nur dann kann er aufhören, seine Liebe in destruktiver Form auszudrücken und das zu misshandeln, was ihm am nächsten steht.

 

Aber er liebt mich doch ...

Ich höre immer wieder: »Aber er liebt mich doch!« oder »Ich weiß doch, dass er mich liebt!«

Ja -ABER: Diese Annahmen sind in erster Linie der Grund dafür, dass du in der Situation bleibst, in der sich die Misshandlungen steigern. Du hast mit diesen Annahmen auf eine Art sogar recht: Du bist das Opfer seiner Liebe, doch seine »Liebe« ist die Misshandlung! Je mehr Liebe du ihm gibst, desto härter wird er dich missbrauchen. Also musst du, um aus der Situation heraus zu kommen, etwas unlogisches tun: Du musst den Täter verlassen, damit dieses unerträgliche Band zerreißt.

 

Menschen, die emotionalen Missbrauch betreiben, scheinen manchmal sogar so etwas wie Reue zu zeigen. Das sind die Augenblicke, die deine Annahmen wieder stärken. Doch der Täter schämt sich nur wegen seinem Verhalten.  Er ist erwischt worden und will den Schaden begrenzen. Er empfindet keine Reue. Scham bedeutet nicht zwangsläufig, dass er seine Taten nicht wiederholen wird. Seine Scham hat keine Tiefe und nach ein paar Stunden/Tagen/Wochen beginnt er sein Spiel aufs Neue. Scham ist immer auf sich selbst bezogen und hat nichts mit dem Mitgefühl für den verletzten Menschen zu tun. Sie bringt keine Verringerung der Gewalt, sondern löst Abwehr aus und führt dazu, dass der Täter noch kälter, gemeiner und grausamer wird.

Erwarte von einem Täter niemals Mitgefühl. Dazu ist er nicht in der Lage. Würde er sich auf deine Verletzungen und dein Leiden einlassen, müsste er seinen Selbsthass anerkennen. Er wäre gezwungen, sich seiner eigenen tragischen Themen bewusst zu werden und sie auszuhalten. Nur dann könnte er mit dir mitfühlen, was er dir angetan hat. Die dadurch auftretenden Schuldgefühle sind für ihn nicht zu verkraften und es käme zu einer weiteren Selbstentwertung, die mit noch mehr Selbsthass kompensiert werden müsste.  So ist er in sich selbst gefangen und bezieht ein wenig Linderung aus deinen Qualen!

 

Nun noch etwas konkreter:

Du bist nicht schuld! Es macht keinen Sinn, deinen Partner darauf hinzuweisen, wie sehr er dich verletzt. Im Gegenteil! Vermeide es ihn/sie als Gewalttäter zu bezeichnen. Auch nicht in stiller Stunde und ganz privat. Du wirst die Schuld dafür tragen. Völlig egal was und wie du es ihm/ihr beibringen willst. In seinen/ihren Augen trägst du die Schuld für sein/ihr Verhalten und er/sie wird die Tatsachen so verdrehen, dass du der Täter bist! Viele Täter führen an, dass sie selbst eine harte Kindheit hinter sich haben und geschlagen und missbraucht wurden. Das ist unter Umständen sogar die Wahrheit. Viele heutige Täter sind Opfer früherer Gewalthandlungen, aber das ist keine Entschuldigung, sondern eher der Beweis dafür, dass der Täter unwillig ist, daran etwas zu ändern. Er weiß um seine Vergangenheit. Er weiß um sein Verhalten. Er ändert nichts!

Damit ein Täter sein Verhalten effektiv ändern kann, müsste er, wie ein Suchtkranker, sein Verhalten anerkennen, es akzeptieren und sich eine professionelle Hilfe suchen. Doch hier will ich gleich wieder eine Warnung einflechten. Wenn ein psychischer Gewalttäter eine Psychotherapie anfängt und dabei an keinen Spezialisten gerät, bedeutet das meist eine Verschlechterung deiner Situation. Die Psychotherapie macht aus dem Täter so schnell keinen liebevollen Partner. Es dauert viele Jahre, die Schäden in der Seele des Täters zu finden und zu heilen. In dieser Zeit wird der Täter sich die neuen psychologischen Fähigkeiten aneignen und in seiner Gewaltanwendung nutzen. Er wird seine Probleme zunächst noch intensiver auf sein Umfeld projizieren und die Fehler der »Anderen« aufzeigen. Erst wenn er sich unter der Anleitung des Therapeuten mit absoluter Ehrlichkeit begegnen kann, wir er sich den Dämonen und Wölfen seines Unterbewusstseins stellen können. Ein Mensch, der allerdings einen Großteil seines Lebens mit Selbsthass, Ausreden, Projektionen und Lügen verbracht hat, braucht sehr lange um Ehrlichkeit gegen sich selbst zu erreichen.

 

Oft nehmen Täter professionelle Hilfe in Anspruch, doch sie nutzen sie als Selbstzweck. Sie geben sich den Anschein Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen, doch in Wirklichkeit perfektionieren sie ihre manipulativen Tricks. Sie verdrehen und pervertieren die Aussagen und Mittel ihrer Therapeuten und wenden dies dann gegen ihre Opfer an. Paartherapien können so ungeahnte Risiken bergen. Täter, die zur Anwendung psychischer Gewalt neigen, sind meistens sehr intelligent, aber eingesperrt in ihre eigenen Verhaltensmuster. Sie sind so vertrauenswürdig wie ein verheirateter Mann, der seiner Geliebten seit Jahren erzählt, er würde seine Frau verlassen. Sie benötigen selbst dringend psychologische Hilfe und können ihr Gewalthandeln am ehesten mit professioneller Unterstützung überwinden. In Deutschland sind  täterorientierte Hilfskonzepte jedoch wenig verbreitet. Am ehesten existieren in Großstädten spezifische Beratungsangebote und moderierte Selbsthilfegruppen für gewalttätige Partner.  Auch wenn es seltsam klingt, müssen die Täter eine gleichwertige und längerfristige psychologische Betreuung erhalten als ihre Opfer. Dafür gibt es in Deutschland aber noch einen riesigen Nachholbedarf.(Siehe Hinweise am Ende des Textes)

 

Emotionale Gewalt kommt in den unterschiedlichsten Färbungen, Formen und Intensitäten daher und sie tritt häufig zusammen mit Drogenkonsum z. B. Alkohol, Stress- und Trennungssituationen auf.

Die subtileren Formen sind sehr schwer auszumachen, da die Zeitabstände zwischen liebevollem und umsorgendem Verhalten und den emotionalen Grausamkeiten oft Wochen und Monate betragen können. Jemand, der seinen Partner nur alle paar Monate quält ist aber nicht besser als derjenige, der das jeden Tag tut. Die quantitative Betrachtung der Vorkommnisse ist keine Entschuldigung, sondern nur ein Versuch die Tragik und Schamlosigkeit solchen Verhaltens herunterzuspielen. Die seelischen Verletzungen, Unsicherheiten, Selbstzweifel und Traurigkeit des Opfers sind die gleichen.  Bei den selteneren Ausbrüchen kommt es jedoch zu der zusätzlichen Gemeinheit, dass die Schmerzen im Inneren des Opfers langsamer heilen. Dadurch wird die immer wieder aufkeimende Hoffnung auf Besserung erneut zertreten. Das ist ganz im Sinne des Täters!

Häufig werden die subtileren Formen emotionaler Gewalt, wie dauerndes Kritisieren, Isolation, Gehirnwäsche und Bevormundung übersehen. Dies kann daran liegen, dass das Opfer so ein Verhalten gar nicht als emotionale Gewalt erkennt, weil es sie als Teil der Beziehung ansieht oder weil es nie andere Beziehungen kennengelernt hat. Vielleicht denkt es, dass die seltenen schönen Momente der Ruhe, des Friedens und die guten Zeiten es für die Qual entschädigen. Oder es glaubt, dass sein Leben wirklich das Beste des Erreichbaren ist und es keine bessere Beziehung gäbe.

Doch in den meisten Fällen stellt der Täter die Ereignisse immer so dar, dass das Opfer die vermeintliche Verantwortung für alle Probleme trägt. Dies treibt das Opfer immer tiefer in eine Verwirrung, dass es letztendlich nur noch überleben will und sich selbst als verwirrt, gestört oder verrückt ansieht. Sollte es wagen das Verhalten des Täters richtig als »Missbrauch« zu bezeichnen, wird der Täter diese Wahrheit vehement abwehren und das Opfer öffentlich als überreagierend und hypersensibel abwerten. Dies verstärkt die Desorientierung des Opfers und zementiert die empfundene Verwirrung ein. Die Wahrheit ist jedoch: Es gibt bessere Beziehungen. Niemand hat es nötig, in einer respektlosen Beziehung zu verweilen, in der er/sie mit emotionaler Grausamkeit tyrannisiert wird. Die Anzahl und die Intensität der Vorfälle sind dabei völlig unerheblich.  Dass emotionaler Missbrauch nur in Form von Wutausbrüchen, ständigem Geschrei, Genörgel, Dauerkritik und Abwertung auftritt, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Es handelt sich dabei um die einfachsten Zeichen und Symptome emotionalen Missbrauchs.  Andere Formen sind weniger offenkundig, aber genauso verheerend: allgemeine Respektlosigkeit, betonte Unhöflichkeit, ständige Kritik, Herablassung, Bevormundung,  Verurteilung, beleidigendes Witze reißen, Lügen, selektives Vergessen, Vertrauensbrüche, Verzerrungen der Vergangenheit, absichtliches Fehlverhalten beim Sex und Fallen stellen.

 

Außenstehende erleben den Täter oft als erfolgreichen, sensiblen und ruhigen Menschen. Gegenüber den Opfern ist er jedoch egozentrisch, kontrollierend, zwanghaft, kindisch, unversöhnlich, feindselig und bösartig. Dieser extreme Gegensatz zwischen dem Menschen, den es liebt und dem Menschen, der ihm schadet, verwirrt das Opfer zutiefst. Oft sind die emotionalen Gewaltakte sogar häufig durchsetzt mit den Beteuerungen der Liebe des Täters:

  • Du bist das Beste, was mir jemals passiert ist!
  • Ich werde dich ab jetzt immer besser behandeln!
  • Warum tust du nicht, was ich von dir will? Ich liebe dich doch so!
  • Warum zwingst du mich, dich immer so zu behandeln? 

Dies führt immer weiter in die Desorientierung des Opfers, denn es hofft auf ein Ende der Grausamkeiten, wenn es nur genug tut und ihm genug gibt.  Es hofft, dass die liebevolle und umsorgende Seite wieder auftaucht. Doch diese Hoffnung ist falsch und einer der häufigsten Gründe dafür, dass misshandelte Personen sich nicht trennen!

 

Die größte Schwierigkeit einen emotionale Gewalttäter zu entlarven, liegt darin, dass er meistens hochintelligent und in der Lage ist, sein missbräuchliches Verhalten zu verstecken.  In der Regel besitzt er eine umfangreiche Sammlung an Lebenshilfebüchern und ähnlichen Ratgebern. Er ist oft gebildet,belesen und verfügt über eine ausgefeilte Kommunikation. Er weiß, wie er Menschen und Sprache verbiegen und manipulieren kann. Sein Äußeres wirkt gelassen und er strahlt eine große rationale Selbstkontrolle aus. Doch in Wirklichkeit hat er keine Kontrolle über seinen inneren Schmerz und seinen chaotischen Selbsthass. Er strebt danach sein Opfer ihm gleich zu machen, und es so unter sein Kontrolle zu bringen.

 

Er kann dich dazu bringen, vollständig auszurasten, nur um seine eigene Gesundheit zu beweisen und dir gleichzeitig einzuprägen, wie sehr du professionelle Hilfe benötigen würdest, da du ja schon wieder so ausrastet. Dabei sagt seine coole, über allen Dingenden stehende Haltung: Nicht ich - DU bist schuld! Dabei bemüht er sich nicht einmal der Sprache sondern bedient sich im richtigen Augenblick eines alles sagenden Augenrollens .... Kennst du das?

 

Diese Aktionen finden meistens öffentlich statt. Er baut auf sein Geschick, das Außenstehende nur deine Reaktion sehen und nicht die auslösende Misshandlung. Für die Betroffenen fühlt es sich dann so an, als wäre ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen worden, weil keiner ihnen glaubt. Sie beginnen an ihrem Verstand und an ihrer Wahrnehmung zu zweifeln, weil alle anderen den Täter als nette, charmante und hilfsbereite Person wahrnehmen. Ein emotionaler Gewalttäter bezieht aus diesem unglaublichen, psychologisch grausamen und absichtlich verletzendem Verhalten seinen größten Gewinn.

 

Hier ist eine Liste der Tricks solcher Menschen: Eine beliebte Strategie dieses Typus ist das „komm her, geh weg“ Spiel. Er droht  damit, dir seine Zuneigung zu entziehen, und sagt Sätze, die dich aus dem Gleichgewicht bringen sollen. Da er dich genau kennt, drückt er einen beliebigen deiner »Knöpfchen«. Damit untergräbt er dein Vertrauen in die Beziehung und verunsichert dich. Gleichzeitig fordert er dich auf, z.B. mit ihm ins Bett zu gehen. Als Nächstes wird er dich als Opportunisten beschimpfen und dich nun als „abhängig« und »klammernd« bezeichnen. Oft wird diese Strategie auf die Sexualität ausgeweitet: Auf der einen Seite beschwert er sich, dass du in sexueller Hinsicht nicht ausreichend interessiert an ihm seist und zu selten sexuelle Aktivitäten initiierst; gleichzeitig weist er dich aber ab, wenn du ihm erotische Avancen machst.

 

Eine andere Spielart: Er teilt dir beiläufig mit, dass er ein Stellenangebot in einer anderen Stadt erhalten hat und es vielleicht annehmen wird. Doch er spricht nur über die Großartigkeit des Angebots und seine Vorteile. Über die Auswirkungen auf dich, eure Beziehung oder gar die Kinder wird überhaupt nicht gesprochen und wenn vielleicht doch, dann bist ausschließlich du der Bedenkenträger. 

Der klassische Täter macht sich mit Vorliebe über seine Partnerin lustig. Auch oder gerade in Gegenwart von Freunden gibt er mehr oder weniger subtile, abschätzige und verunglimpfende Kommentare von sich. Damit lädt er die anderen ein, das ebenfalls zu tun. Deine Reaktionen werden dann als die typische Überreaktion abgetan. Dieses Spielchen nimmt in der Regel mit der Menge des Alkoholkonsums zu und endet meist in der gespielten Überraschung, dass du diese kleinen Witzchen alles andere als witzig findest. Wahrscheinlich erzählt er sogar hinter deinem Rücken herum, dass du wieder einmal überreagiert und nicht verstanden hast, dass doch alles „nur ein Spaß“ ist.

 

Versteckte Kritik ist auch eine beliebte Masche. Selten ist es offene Kritik, sondern ein unspezifisches Gegrummel, dem jede Konstruktivität fehlt: Die Küche sei nicht sauber und ein reines Chaos, das Haus sei zu unordentlich, die Wäsche nie richtig gebügelt, die Kinder seien zu laut und wüssten nicht, was sich gehört. Damit löst er den Eindruck aus, dass du dafür verantwortlich seist, ihn zufrieden zu stellen. Er geringschätzt aber auch deine Haushaltsführung und Arbeit und im gleichen Atemzug bist für seine schlechte Laune verantwortlich. Oft vermittelt dir der Täter den Eindruck, als sei er an deinem Wachstum und an deiner Entwicklung interessiert. Du bekommst den Eindruck, dass er es begrüßte, wenn du neue Fähigkeiten erlernst und deinen Horizont erweiterst. Hast du dich darauf eingelassen, ergreift er plötzlich Maßnahmen, um Wachstum und Entwicklung zu verhindern. Er wird beispielsweise still, aber unübersehbar und offenkundig, leiden und sich darüber beschweren, dass du plötzlich zu wenig Zeit für ihn hast.  Du vernachlässigst ihn, die Kinder, die Familie, das Haus und alles andere (Gebrummel) durch deine neue Beschäftigung. Oder er ermutigt dich sogar etwas Neues auszuprobieren, verweigert dir dann aber die, für dein Vorhaben benötigte Hilfe im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung. So macht er es dann unmöglich für dich, deine eigenen Projekte anzugehen und am Ende des Tages kann er dir dann  mangelnden Mut, fehlende Motivation oder was ihm sonst noch einfällt vorwerfen.

 

Wenn er sich aber tatsächlich bereit erklären sollte, dich zu unterstützen, wirst du es immer wieder zu hören kriegen. Er wird immer wieder klagen, wie sehr es ihn überanstrengt und dass er es nur für dich tut. Dass er so viel von seinem Leben aufgibt und alles nur für dich und deine Kinder! Diese Masche wird er bis zum Erbrechen durchziehen und wenn du dann von Schuldgefühlen geplagt, deine Vorhaben wieder aufgibst, wird er dir deine fehlende Motivation und Durchsetzungskraft vorwerfen. Der Täter wird seinem Opfer die Verantwortung für seine eigene Glückseligkeit zu übertragen. Er wird dich glauben machen, dass er mit nichts zufrieden sein kann, was du machst und du die Schuld daran trägst. Er wird dich durch direkte Kommentare oder implizite Aussagen, daran erinnern, dass du es wieder gut machen musst. Das Problem daran ist, dass du es niemals schaffen wirst, ihn zufrieden zu stellen.

Er wird darauf bestehen, dass er der beste Partner und die beste Beziehung war, die du jemals hattest und haben wirst. Er wird dir einreden, dass er dich verlässt, wenn du seinen Ansprüchen nicht endlich genügst. Er wird dir weismachen, dass du ohne ihn aufgeschmissen bist und rein gar nichts auf die Reihe bringen wirst. Da Missbrauch auf Kontrolle basiert, baut er darauf, dass er dich in Unsicherheit und Instabilität schmoren lässt.

 

Die meisten Täter überkompensieren ihren immensen Selbsthass mit einem verdrehten Narzissmus. Sie meinen wirklich, dass ihre Opfer wissen müssen, wie und was sie fühlen. Ebenso gehen sie davon aus, dass du selbstverständlich wissen musst, was zu tun ist, um ihn glücklich zu machen. Du musst das natürlich wissen, ohne zu fragen und du musst natürlich alles machen, ohne selbst vorher gefragt zu werden. Sie glauben daran, dass sie es verdient haben, besser behandelt zu werden als der Rest der Welt und auf deiner Liste immer an erster Stelle stehen. Sie erwarten quasi, dass Du ihre Gedanken liest. Dieses Spielchen nennt sich “Wenn Du mich wirklich liebst, wüsstest Du, wie ich mich fühle”. Selbstverständlich ist es natürlich und angemessen, Dich zu bestrafen, wenn du die Spielregeln nicht einhältst.

 

Die Taktik des „Vergessens“ ist für einen emotionalen Gewalttäter sehr effektiv. Er wird daher Verabredungen, Versprechungen, Handlungspläne einfach „vergessen“. Besonders dann, wenn sein „Vergessen“ das Opfer emotional trifft. So kann dem Opfer auf einfache Weise mitgeteilt werden, dass ihn dessen Belange einfach nicht interessieren. Der Täter wendet dabei auch sehr hinterhältige Taktiken an. Er lädt sein Opfer zum Essen in einem Restaurant im obersten Stock eines Hochhauses ein, obwohl er weiß, dass es Höhenangst hat. Er bereitet Essen zu und »vergisst«, dass es auf bestimmte Zutaten allergisch reagiert. Er bestellt roten Wein, obwohl er weiß, dass sein Opfer Rotwein nicht verträgt oder er kauft ein sehr großes neues Auto »für die Familie«, obwohl er weiß, dass sein Opfer Angst hat, damit zu fahren.

 

Das Opfer kann diese „Geschenke“ nicht genießen, auch wenn es sich im ersten Moment darüber gefreut hat. Der Täter kann sich dafür an SEINER Enttäuschung weiden, dass seine Geschenke nicht gefallen haben. Dabei hatte er sich doch so bemüht und so viel dafür getan. Letztendlich ist das Opfer eben eine undankbare Person.

 

Wenn du tatsächlich so weit gehen würdest und sein Verhalten als hochgradig irrational benennen, wird er Dir schnell deine vermeintlichen Kommunikationsfehler aufzählen und dir versuchen einzureden, dass sie der Grund für sein Verhalten sind. Es ist und bleibt immer Deine Schuld, wenn Du nicht erraten konntest, was er brauchte oder wollte. Er wird sein Verhalten auf Dich projizieren und darauf bestehen, dass es ihm schlichtweg unmöglich war, mit Dir über das zu sprechen, was ihn letztendlich störte, schließlich warst du zu heftig, zu kritisch, zu wütend, zu urteilend oder zu bedürftig.

Zieh Dir den Schuh nicht an. Das sind SEINE Themen. NICHT DEINE!

 

Der Täter wird neidisch und nachtragend reagieren, wenn du in sozialen Situationen mehr Aufmerksamkeit als er erhältst. Wahrscheinlich wird er Dich zunächst öffentlich abwerten und dann auf unterschiedlichen Wegen zu bestrafen versuchen: Er macht dich auf einer Party vor den anderen lächerlich, spricht intime Details an oder er ignoriert Dich. Er verschwindet für Stunden oder flirtet unmissverständlich mit jemand anderem. Er lässt dich stehen und verlässt die Party, ohne Dir Bescheid zu sagen. Telefonanrufe werden ignoriert. Natürlich wird er dafür eine plausible und für Außenstehende völlig akzeptable Erklärung für sein Verschwinden parat haben. Was auch immer es ist, der wahre Grund liegt in seinem Bedürfnis dich zu bestrafen, dich zu treffen und in dir Schuldgefühle zu entfachen, weil du ihm nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet hast. Wenn du ihn darauf hinweist, dass er sich einfach unhöflich verhalten hat, wird er die Tatsachen so verdrehen, dass du wieder schuld bist oder eine fadenscheinige Entschuldigung abliefern. Sein Ziel hat er dennoch erreicht: Das Opfer wird als überreagierend und labil dargestellt und seine Selbstsicherheit demontiert..

 

Täter erwarten, dass der gesamte Haushalt sich an sein Tempo und Rhythmus anpasst: Alles hat sich nur um ihn zu drehen: Schlafzeiten, Essenszeiten, Arbeitszeiten, einfach alles. Wird dieser Zeitplan gestört, wird er Sanktionen ergreifen und dafür sorgen, dass sein Wille geschieht. Führt das Opfer seinen eigenen Zeitplan ein, wird er es entsprechend bestrafen. Zu diesen Bestrafungen und Sanktionen gehören verbale und emotionale Angriffe und/oder passiv-aggressive Taktiken. In seinen Augen verdient es das Opfer, bestraft zu werden, da seine Weigerung, nach seinem Kalender und seinen Gewohnheiten zu leben, ihn herabsetzt und einen Liebesentzug darstellt.

 

Täter sind Meister darin, Dir jede einzelne Schwäche vor Augen zu führen. Ob das nun deine Selbstkritik an deiner Frisur, deiner Figur oder deiner Kleidung ist, spielt keine Rolle. Selbst dann, wenn du gar keine Selbstkritik an deinen Schwächen übst, wird er sie dir in den Mund legen und später in geselliger Runde verdreht und entstellt öffentlich ansprechen. Derartiges Verhalten dient dazu, dein Gleichgewicht zu destabilisieren und in die Angst vor deinen Schwachstellen zu treiben. Die Gefahr ist, dass sich aufgrund dessen, tatsächlich Schwächen entwickeln können. Der Gewalttäter wird darin bestrebt sein, das Opfer von seinen Freunden und seiner Familie zu isolieren. Es bedient sich hierzu verschiedener Strategien. Wenn er es nicht schafft, Deine Freunde zu manipulieren, wird er sie nach bestem Können verunglimpfen und denunzieren. Er wird auch nie oder sehr selten etwas gemeinsam mit Dir und Deinen Freunden unternehmen. Er wird sie als „langweilig“ deklarieren oder andere Abwertungen parat haben, die dir langfristig den Umgang mit deinen Kontakten erschweren. Der Täter ermutigt Dich sogar etwas zusammen mit deinen Freunden zu unternehmen, begleitet dich aber nie. Wenn du dann zurückkommst, kritisiert er dich dafür, dass du ihn allein gelassen hast, deinen Pflichten nicht nachkommst und die Konsequenzen dafür zu tragen hast. Im Laufe der Zeit führt so ein Verhalten dazu, dass du dich seiner Zeiteinteilung unterwirfst und so von deinen Kontakten getrennt wirst. Missbrauch basiert auf Kontrolle und Macht. Ein Täter wird daher zunächst bemüht sein, eine gute Beziehung zu den Freunden des Opfers aufzubauen. Sollten sich die Freunde zu ihm hingezogen fühlen, wird er diesen Umstand geschickt ausnutzen um Zwietracht zwischen das Opfer und dem Freundeskreis zu säen, damit die stabilisierenden Außenkontakte verschwinden. Um Vertrauen und Mitgefühl der Freunde zu gewinnen, wird er oft auch dort seine Mitleids-Masche einsetzen.  Ihm ist jedes Mittel Recht, um die Sympathie und das Wohlwollen des Freundeskreises zu erreichen. Er wird hier die Rolle des fürsorglichen und sensiblen Partners spielen und die Freunde so für sich einnehmen. Hat er sie dann mit seinen Blendungen eingewickelt, stehen sie nicht mehr  bedingungslos auf der Seite des Opfers - und damit hat er sein Ziel erreicht.

Das mehr oder weniger eindeutige flirten mit Freunden oder Freundinnen ist ein weiteres Mittel, dessen er sich bedient. Er beschämt damit das Opfer und untergräbt die Freundschaft. Greift das Opfer ein, steht als eifersüchtig, engstirnig oder Moralapostel da. Der Täter weiß immer was er tut, und er weiß auch, wie sehr er das Opfer damit verletzt, bloßstellt und in ausweglose Situationen bringt. Das ist ja schließlich das Ziel seines Verhaltens! Einem emotionalen Täter kann nie genug gegeben werden! Er erwartet viel mehr von seinem Umfeld, als er bereit ist zu geben. Es ist völlig gleichgültig, wie viel er vom Opfer bekommt, es wird nie genug sein. Er wird immer mehr fordern, je mehr er erhält. Dieses Ungleichgewicht entsteht dadurch, dass sein Beziehungskonzept auf Kontrolle basiert und nicht auf Liebe. Ein Täter erwartet, dass sich sein Oper ändert. Allerdings ist es unmöglich, diese Änderung zu erreichen. Egal, wie sehr es sich verbiegt, er wird ihm immer mehr abverlangen. Dabei erwartet der Täter, dass man ihm seine „Fehler“, also sein tyrannisches Verhalten, seine Manipulationen und Quälereien vergibt, denn sie sind ja nicht seine Schuld. Vielmehr ist er ja durch das Opfer gezwungen, so zu handeln und überhaupt weiß es ja, wo SEINE „Knöpfe“ liegen. Es ist die Bosheit des Opfers, dass es sie absichtlich gedrückt hat. Kein Täter ist in der Lage, seinem Opfer auch nur die geringste Verfehlung zu vergeben. Jeder Fehler ist daher unverzeihlich und er wird sie ihn in Zukunft noch oft hervorziehen und sein Verhalten damit legitimieren.

 

Eine andere Spielart, einen Menschen emotional zu quälen ist, einerseits darauf zu bestehen, dass er seine Liebe dadurch beweist, endlich mehr Zeit mit dem Täter zu verbringen. Dem Opfer wird abverlangt, seine Zeitplanung an das Leben des Täters anzupassen. Tut es das schließlich, wird jeder vom Opfer kommende Vorschlag für gemeinsame Unternehmungen abgelehnt oder die gemeinsame Zeit betont gelangweilt verbracht. Versucht das Opfer Pläne mit ihm zu schmieden, behandelt er es herablassend und erinnert es daran, dass es unfähig sei, überhaupt zu planen oder die Pläne in die Realität umzusetzen.  Dieses Verhalten untergräbt auf Dauer das Selbstvertrauen des Opfers und führt zu der Überzeugung, dass es dumm und unfähig ist. Schließlich wird es dann glauben, dass es unzuverlässig und zu nichts zu gebrauchen sei. Mit diesem Glauben liefert das Opfer dann die weiteren Gründe es zu erniedrigen, zu beleidigen und anderweitig zu bestrafen. Es kann auch vorkommen, dass der Täter zunächst vom Opfer vorgeschlagene Aktivitäten ablehnt, sie aber später mit anderen Menschen unternimmt und dem Opfer danach erzählt. So schürt er die subtile Botschaft, dass das Opfer es nicht wert ist, so etwas mit ihm zu unternehmen. Andere Menschen aber schon.

 

Die subtile, hinterhältige Abwertung und Herablassung sind beliebte und effektive Techniken, um das Opfer zu manipulieren und zu verletzen. Sie sind das Ventil für die Wut des Täters. Liefert das Opfer ihm keinen Anlass, verhält sich der Täter unhöflich, bevormundend, bösartig oder bewusst unsensibel. Reagiert das Opfer dann verletzt, gibt das den gesuchten Anlass ab. Jetzt kann er wütend auf das Opfer sein, weil es verletzt auf sein Verhalten reagiert und so den Streit vom Zaun gebrochen hat. Häufig wird dem Opfer dann vorgeworfen, dass es den Täter emotional misshandelt und dass es hochgradig gestört sei. All das ist ein Teil der Machtspielchen des Täters. Er provoziert so lange, bis die Selbstkontrolle verloren geht, sein Opfer in Tränen ausbricht, wütend wird oder ihn anschreit. Sobald es seine Stimme erhebt oder eine Klärung anstrebt, dreht er es so, dass das Opfer zum Täter wird. Sicher gibt es bessere Wege, als selber wütend oder laut zu werden, aber durch das Übermaß an psychologischer Kriegsführung, hat das Opfer meist keine Kraft mehr und verteidigt sich nur noch. Jedoch machen emotionale Reaktionen in derartigen Situationen noch lange keinen Täter! Kauf niemandem diesen Schwachsinn ab, glaub nichts davon, auch wenn es schwer fällt. Wahrscheinlich versucht er zu vermitteln, dass es überhaupt nicht in Ordnung ist in Wut zu geraten oder sich verletzt oder getroffen zu fühlen. Sollte das Opfer trotzdem solche Gefühle haben, ist das nicht sein Problem. Es liegt nicht in seiner Verantwortung, dass sie da sind. Eine besonders destruktive Strategie ist, die »kein Mitgefühl zeigen« Masche. Das Opfer wird entweder ignoriert oder abgewiesen. Ganz besonders effektiv ist es, wenn dabei der Selbstwert oder die Gefühle des Opfers weiter verletzt werden. Zur Rede gestellt, wird der Täter die Tatsachen verdrehen und seine Taten als ein Versehen oder dem Versuch zu helfen darstellen .

Hierzu kann auch gehören, dass er Lippenbekenntnisse über seine Verantwortung macht, aber nichts tut, um die zugefügten Verletzungen zu lindern. Sollte das Opfer darauf bestehen, dass er die Verantwortung übernimmt, wird er ihm vorwerfen, dass es alles tue, damit er sich schuldig fühle. Er bejammert dann seine Opferrolle, in die er getrieben wurde und verdreht alles mit perfider Logik, so dass das Opfer am Ende wieder sein schändliches Verhalten vorgehalten bekommt. Dann ist er bereits wieder damit beschäftigt, sich Strafen für all diese Vergehen auszudenken.

Normalerweise würde sich ein Partner, wenn er die Gefühle des anderen Partners verletzt hat, bemühen, den Schaden wieder gut zu machen.

Er würde von sich aus helfen, die emotionale Verletzung wieder zu heilen. Doch vor allem würde er dieses Verhalten nicht regelmäßig wiederholen. Wir sind in Beziehungen immer einer potentiellen »Gefahr« ausgesetzt, verletzt zu werden. Menschen machen Fehler, schätzen Situationen falsch ein oder sind schlicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um nicht hin und wieder die Gefühle ihres Partners zu verletzen. Wen wir unsere Herzen in Liebe und Vertrauen öffnen, dann akzeptieren wir auch die Möglichkeit verletzt zu werden, denn wenn man einen anderen Menschen liebt, dann kann es passieren hin und wieder verletzt zu werden. Doch wenn dieser Mensch mich auch liebt, wird er bestrebt sein, meine Gefühle ebenfalls nicht zu verletzen. Dieses Vertrauen in die Liebe ist nicht verhandelbar. Es ist ein Maß für die wirkende Liebe in der Beziehung, denn je seltener solche Verletzungen vorkommen, desto harmonischer ist die Gemeinsamkeit der Partner. Obwohl es nicht möglich ist, jemandem Gefühle zu „machen“, ist es doch möglich durch gezieltes Agieren, auf Verhalten, Denken und Fühlen eines nahestehenden Menschen Einfluss zu nehmen. Daher trägt jeder Mensch eine Verantwortung für sein Verhalten und dessen Angemessenheit in Bezug auf Andere. Niemand darf sich damit herausreden, dass sein Verhalten KEINE Wirkung auf die Wahrnehmung und damit den Zustand eines anderen Menschen hat.

Somit gibt es für Täter keine Entschuldigung, selbst dann nicht, wenn er selbst unter Traumata zu leiden gehabt hat.

 

Jemandem mitzuteilen, seine Gefühle wären allein sein Problem, ist in diesen Fällen eine menschliche Grausamkeit. Vertrauen in einer Beziehung bedeutet doch auch, den Partner zu respektieren und seinen körperlichen, psychischen und emotionalen Zustand zu achten. Wenn dein Vertrauen missbraucht und du emotional misshandelt wirst, dann ist das NICHT DEIN PROBLEM.

Es ist auch nicht dein Fehler, deinem Partner ursprünglich vertraut zu haben. Dein Partner missbraucht dein Vertrauen und deine Liebe, um dich damit zu zerstören. Dass auf einer viel höheren geistigen Ebene ihr beide einen dramatischen Tanz aufführt, darf dich in deiner Situation nicht interessieren, denn du wirst aus dem Gefängnis eines emotionalen Gewalttäters nicht entkommen, wenn du auch nur ein Fünkchen Verständnis für sein Handeln aufbringst. Sei also in deiner Situation auf der Hut vor den esoterischen Heilslehren, die alles nur mit Liebe und Dankbarkeit heilen wollen. Du bist letztendlich schicksalhaft in diese Situation gekommen und befindest dich im Krieg um dein Überleben, denn du bist im Sinne des Täters immer Schuld an seiner Gewalt.

 

Mit der Zeit werden die Täter immer schlimmer, da ihre Forderungen unersättlich sind. In ihrer Sucht nach Kontrolle werden sie versuchen, vom Opfer einen Freibrief für ihr schändliches Verhalten zu bekommen. Wenn das Opfer nur zermürbt genug ist, wird es ihm schließlich erlauben, sich missbräuchlich zu verhalten. Es beginnt zu glauben, dass es selbst das grausame Verhalten des Täters auslöst. Das ist dann der erste Schritt in die weiteren Ausformungen der häuslichen Gewalt: physischer und/oder sexueller Missbrauch. Leider verfallen viele Opfer dem Irrtum, dass es in ihrem Fall eine andere Entwicklung nehmen wird.

Das entspricht aber nicht der objektiven Realität.

In der Ansicht des Täters liegt es in der Verantwortung des Opfers, jede Provokation mit für ihn auslösendem Verhalten zu unterlassen. Das Opfer muss sein Verhalten ändern, dann ist alles in Ordnung. Dabei bestimmt er, was ein auslösendes Verhalten ist. Es ist unmöglich vorherzusehen, was er dazu auserwählt hat und es ist sicher, dadurch einen seelischen Schaden zu erleiden!

Wenn du z.B. einen Täter bei einer offensichtlichen Lüge erwischst, wird er die Situation fadenscheinig zu erklären versuchen und sich in echt gespielter, tränenreicher Verzweiflung hinsichtlich dieser Erklärung hineinsteigern. Er wendet die Mitleids-Masche an. Ganz plötzlich sind dann deine verletzten Gefühle nicht mehr im Mittelpunkt, sondern sein Drama. Du wirst Dich dabei ertappen, wie du mitfühlst, seine Angst teilst und ihn tröstest. Nur damit er dir das bei nächster Gelegenheit wieder als dein offensichtliches Schuldeingeständnis wieder vorwirft.  Beliebte Mitleids-Maschen sind z.B.: 

  • dass er als Kind selber missbraucht wurde. Meist ähnelt sein Verhalten dann dem angeführten Missbrauch. 
  • Dass er im Job überlastet ist und zu viele Probleme um die Ohren hat. 
  • Dass er dir deine Verfehlungen vorhält, die er nicht verkraften kann. 
  • Dass er krank vor Sehnsucht nach seinen Kindern ist, die bereits ausgezogen sind oder beim Ex-Partner leben. 
  • Dass er in solchen Stress-Situationen einen unaushaltbaren Schmerz (Migräne, Stechen in der Brust) verspürt.

Vergiss nicht: Ein Täter tut nichts ohne Grund. Für jeden Gefallen erwartet er eine Gegenleistung. Du kannst dabei aber nicht erwarten, dass er offen sagt, was er als Gegenleistung haben will. Solltest Du ihm allerdings nicht genau diese Gegenleistung liefern, wird er seine missbräuchliche Tyrannei steigern, schließlich bist du doch so undankbar und geizig. Kommt es dann (glücklicherweise für dich) zur Trennung, wird er den Menschen in Eurem Umfeld erzählen, wie niederträchtig und undankbar du bist, wo er doch so viel für dich getan hat.

Viele von Gewalt Betroffene, sind Frauen. Sie brauchen unbedingt Unterstützung und Hilfe. Diese erste Hilfe ist bei den Frauennotrufen und Frauenberatungsstellen zu bekommen. Es spielt dabei keine Rolle, welche Art von Gewalt sie erlebt haben.

 

Kein Mensch muss damit allein fertig werden. Auch kann die professionelle Unterstützung durch Berater/innen und Psychotherapeut/innen eine große Hilfe sein, um mit den tiefen Verletzungen umzugehen. Allerdings müssen die beratenden Menschen Erfahrung im Umgang mit Situationen häuslicher Gewalt haben, denn die meisten üblichen therapeutischen Methoden wirken kontraproduktiv. Im Grunde ist für ein Opfer jede Hilfe von Wert. Angehörige sollten den Betroffenen beistehen und sie zur Trennung ermutigen.

 

alles liebe

Hans

 

 

Die Rufnummer des bundesweiten Hilfetelefons für Frauen als Gewaltopfer lautet:

08000 116016. 

Hier kann man sich rund um die Uhr und an allen Tagen kostenlos beraten lassen. Die Beratung kann dabei in vielen Sprachen erfolgen. Betroffene Familien, Kinder und Jugendliche können sich Hilfe bei der »Nummer gegen Kummer»:

116 111

oder bei der Telefonseelsorge:

0800 1110111 (evangelisch)

0800 1110222 (katholisch)

sowie bundesweit                        116 123

 

oder auch beim Jugendamt holen. In akuten Situationen können Frauen mit ihren Kindern auch in ein Frauenhaus flüchten. Diese sind untereinander gut vernetzt und beraten auch vor Ort über weitergehende Maßnahmen.

So schwer es auch sein mag, häuslicher Gewalt in jeder Form ist nur durch eine räumliche Trennung zu beenden.
Die räumliche Trennung zerbricht die Möglichkeiten des Täters, seine Quälereien fortzusetzen. Da in der Regel nicht nur der Partner, sondern die ganze Familie unter dem Täter leiden, ist eine Isolation des Täters von der Familie der richtige Ansatz. Es ist also die RICHTIGE Entscheidung Hilfe zu suchen und sich dann mit allen Opfern aus der gemeinsamen Wohnung zurückzuziehen. Das ist allerdings auch meistens der Anfang einer dauerhaften Trennung oder Scheidung. Daher ist es sinnvoll, sofort anwaltliche Hilfe zu suchen, um die Finanzierung des Unterhaltes zu sichern. 

  

 

Mach dir aber nichts vor: Das bringt den Täter erst recht in Rage und er wird nach Mitteln und Wegen trachten, dir das Leben zu erschweren. Welche Taktiken er dabei anwendet, werde ich in der Fortsetzung dieses Textes darlegen.

  • Du hast dich hier wiedergefunden?
  • Du bist bereit dein Leben in die eigenen Hände zu nehmen?
  • Du bist bereit Konsequenzen zu ziehen?
  • Du brauchst eine erfahrene Begleitung?

     Dann wird es Zeit, dass wir uns treffen!