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Sternenstaub

Sternenstaub   

 

Die Sterne sind uns viel näher, als die meisten von uns wohl jemals dachten. Denn wir alle bestehen aus Sternenstaub.

Im Song „Woodstock“ von Crosby Stills, Nash & Young heißt es: 

„Wir sind Sternenstaub.
Wir sind golden.
Wir sind Milliarden Jahre alter Kohlenstoff.“

„We are stardust, we are golden. We are billion year old carbon“

In diesem Song steckt eine ungeheure Wahrheit. Nicht nur in einer Art Fantasie und schönen Vorstellung, denn wir sind tatsächlich Sternenstaub. Geboren aus dem interstellaren Atommüll des Universums, aus dem schließlich alles besteht. Deshalb sind uns die Sterne viel näher als wir glauben. Machen wir uns klar, dass alle Menschen, die jemals gelebt haben, die gleiche Sicht auf die Sterne hatten wie wir, dann können wir vielleicht auch verstehen, dass wir selbst aus dem gleichen Sternenstaub bestehen wie sie. 

Unsere Erinnerung reicht ca. 13,7 Milliarden Jahre zurück, bis zu dem Augenblick, indem unser Universum sich in die Existenz explodierte. Wir können uns die Geburtsstunde des Universums nicht anders vorstellen, denn alles "davor" erscheint uns als eine undurchdringliche Leere, die unserem Begriffsvermögen trotzt. Ob dem so ist, lasse ich jetzt einmal offen, denn mit diesem Big-Bang, dem Urknall, beginnt unsere Entstehungsgeschichte. Bereits eine Sekunde später - sie an, plötzlich gibt es Zeit und Raum! - existierten die ersten kosmischen Bausteine.   

Sie schwammen in einem Meer aus Licht (energiereiche Strahlung, Photonen) und wir nennen sie heute Elektronen, Protonen, Neutronen usw. Nur wenige Minuten nach der Geburt des Weltalls, entstanden in dieser Ursuppe die ersten Atome: Helium und Wasserstoff. Aus diesen ersten „leichten“ Atomen bildete sich dann im Laufe von Milliarden Jahren alle Materie, die wir kennen. 

Aus dieser Materie wiederum bildeten sich später die Sterne, die im Grunde nichts anderes sind, als kosmische Fusions-Kraftwerke, in denen neue Atome gebacken werden: Sauerstoff, Kohlenstoff, Silizium usw. Um jedoch noch schwerere Elemente herzustellen, mussten diese kosmischen Atombrüter selbst untergehen. Das taten sie und tun es noch heute in Form von Supernovae. Im Tod der Sterne, entstanden die Metalle: Eisen, Uran, Kupfer, Silber, Gold und Platin usw. Im Lichtblitz einer Supernova schleuderte sich ein großer Teil der Materie des Sterns in die Leere des Universums. Die Atome der schweren Elemente des gestorbenen Sterns zogen als planetarer Nebel durch das Weltall und vermischen sich mit den stellaren Überresten anderer Sternenexplosionen. 

Die Gravitation des Universums sorgte dann dafür, dass sich diese Nebel wieder zu neuen Sternen ballten oder sich zu Planeten verdichteten, die dann um leuchtende Sonnen kreisten, wie unsere Erde. Ohne das Opfer der Sterne gäbe es im Universum nur eine wabernde Energie-Brühe und auch wir wären dann vielleicht auch nur ein Hauch von wabernder Energie.

 

Führt man die Geschichte unseres Universums zu Ende, kommt man letztendlich zum Menschen. Auch wir sind, wie Steine, Metalle, Pflanzen, Insekten und Bakterien und Diamanten, aus Sternenstaub zusammengesetzt. Unser ganzer Körper, mit all seinen Organen, Knochen, Nerven, Muskeln, unsere Nahrung und die Luft, die wir atmen ist Sternenmaterial, das viele Milliarden Jahre alt ist. Das Gleiche gilt für alle Dinge unserer Realität, andere Menschen, Häuser, Autos, Mobiltelefone, Computer, Pflanzen, Tiere und Landschaften.  

Dieses Sternenmaterial befindet sich in einem ewigen Kreislauf. Nicht ein Jota geht davon verloren. Kein einziges Atom im Universum geht jemals verloren. Selbst in einem atomaren Kernzerfall, der in unseren Kernkraftwerken abläuft, entstehen aus den zerstrahlten schweren Atomen neben Energie, leichtere Atome. Bis hin zu Helium und Wasserstoff. Doch selbst dann geht nichts verloren. Wir verwandeln damit nur das Vermächtnis der Sterne in den Stoff, aus dem neue Sterne geboren werden können. Natürlich nur in einem verschwindend geringen Ausmaß, das uns selbst mehr schadet als guttut. Doch immer entsteht aus dem, was war und ist, in einem ewigen Kreislauf, das was sein wird. Es ist ein nie endender Kreislauf des Werdens, Vergehens und Neu-Entstehens von Materie. In der Natur, in kosmischen und in mikroskopischen Maßstäben, wird alles recycelt und als neues Baumaterial in den Kreislauf der Schöpfung zurückgegeben.

„Staub bist du und zum Staub kehrst du wieder zurück“ 

Im Buch Genesis kommt dieser Kreislauf in der Reaktion Gottes auf die Verfehlung von Adam und Eva bereits zur Sprache. (1.Moses 3/19). Auch im katholischen Aschermittwoch-Gottesdienst zeichnet der Priester ein Aschenkreuz auf die Stirn der Gläubigen und spricht dazu: „Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ Etwas weniger religiös hat es Heraklit formuliert, der sagte „Panta rhei“ – „Alles fließt“ und aus dem Osten weist die Philosophie des DAO oder TAO auf den gleichen Umstand hin. 

Der Gedanke, dass wir aus Sternenstaub bestehen und wieder zu Sternenstaub werden, hat bereits viele Menschen inspiriert. Die meisten haben es allenfalls als eine hübsche Geschichte unter vielen anderen aufgefasst und sind an der tiefen Wahrheit, die sich darin verbirgt, vorbeigerutscht. Betrachten wir das "Panta rhei" mit dem Fokus der Mystik, kann uns der "ewige Fluss des Seins" sehr viel über uns selbst verraten. Haben wir einmal begriffen, dass alles, was wir wahrnehmen, seinen Ursprung in uns selbst hat, dann können wir nicht mehr verleugnen, dass auch diese kosmischen Zyklen in uns selbst gründen. Das ist ein wahrlich großer Gedanke und gerade deswegen kann er uns viel über uns und unser Verständnis, besser jedoch unsere Glaubenssysteme, ins Bewusstsein rufen.

Fragen wir uns denn einmal "Wer wir sind", dann werden wir auf viele richtige Antworten stoßen. Im Grund sind alle gegebenen Antworten richtig. Glauben wir diese Antworten, sind wir zufrieden. Doch eine Eigenheit der Frage "Wer bin ich" ist, dass jede Antwort einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Ok? Wir sind Sternenstaub. Oder?

Aber eigentlich ist der Körper aus Sternenstaub. Doch bin ich mein Körper? Bin ich mein Gehirn? Jede Antwort darauf ist ein richtiges JA ... und ... doch wieder nicht. Jeder von uns hat ein untrügliches Gefühl dafür, dass er/sie nicht die materielle Erscheinung in dieser Welt ist, sondern etwas anderes. Etwas, das er/sie nicht aussprechen kann. Jeder weiß, dass er lebt und Leben kann mit Sternenstaub nicht erklärt werden. Deswegen ist die Aussage, dass der Mensch aus Sternenstaub besteht nicht falsch, sondern nur unvollständig. Du und ich wir sind Sternenstaub UND Leben und wenn ich eine uralte Wortbedeutung für Leben verwende, dann bist du und ich "Liebe und Sternenstaub".

Das, was wir nicht sehen können, dort wo für uns nur gähnende Leere ist, wo unser Bewusstsein versagt und kein Denken mehr möglich ist, dort ist Liebe. Eine für unser Bewusstsein unfassbare Kraft schöpferischer Kreativität, jene Kraft, die das Universum verursachte und damit alles ins LEBEN rief. Auch dich und mich, hier und jetzt. Werde dir dieses Umstandes bewusst, so wie du dir bewusstwerden kannst, dass dein Körper aus Sternenstaub besteht. Dass du eins bist mit allem in deinem ganzen, von dir wahrnehmbaren Universum.

Mach dir klar, dass deine Geschichte in den Staub der Zeit geschrieben steht und du sie mit allen Lebewesen, die jemals irgendwo existierten teilst, denn:

Du bist die Liebe, die durch Liebe entstanden ist.

Nichts anderes als das Universum selbst.

alles liebe

Hans

 

PS:

 

Lyrics des Songs: Stardust/Woodstock

 

Nun, ich bin auf ein Kind Gottes gestoßen

Well, I came upon a child of God

Er ging die Straße entlang

He was walking along the road

Und ich fragte ihn: Sag mir, wohin gehst du?

And I asked him, Tell me, where are you going

Das hat er mir erzählt

This he told me

Sagte, ich gehe runter zu Yasgur's Farm

Said, I'm going down to Yasgur's Farm

Ich werde mich einer Rock'n'Roll-Band anschließen

Gonna join in a rock and roll band

Ich muss zurück ins Land und meine Seele befreien

Got to get back to the land and set my soul free

 

Wir sind Sternenstaub, wir sind golden

We are stardust, we are golden

Wir sind Milliarden Jahre alter Kohlenstoff

We are billion year old carbon

Und wir müssen uns zurück in den Garten begeben

And we got to get ourselves back to the garden

 

Na, dann kann ich neben dir gehen?

Well, then can I roam beside you?

Ich bin gekommen, um den Schmutz zu verlieren,

I have come to lose the smog,

Und ich fühle mich wie ein Zahnrad in etwas, das sich dreht

And I feel myself a cog in somethin' turning

Und vielleicht ist es die Zeit des Jahres

And maybe it's the time of year

Ja und vielleicht ist es die Zeit des Menschen

Yes and maybe it's the time of man

Und ich weiß nicht, wer ich bin

And I don't know who I am

Aber das Leben ist zum Lernen da

But life is for learning

 

Wir sind Sternenstaub, wir sind golden

We are stardust, we are golden

Wir sind Milliarden Jahre alter Kohlenstoff

We are billion year old carbon

Und wir müssen uns zurück in den Garten begeben

And we got to get ourselves back to the garden

 

doch als wir bei Woodstock ankamen.

but the time we got to woodstock

waren wir eine halbe Million stark.

we where half a million strong

und überall war ein Lied und eine Feier.

and everywhere was a song and a celebration

und ich träumte, ich sah, wie die Todesflugzeuge der Bomber

and i dreamed i saw the bombers death planes 

die wie Schrotflinten am Himmel ritten,

riding shotguns  in the sky 

und sich in Schmetterlinge über unserer Nation verwandelten.

turning into butterflies above our nation

 

Wir sind Sternenstaub, wir sind golden

We are stardust, we are golden

wir sind in einem Teufelspakt gefangen.

we are caught into devils bargain

Und wir müssen uns zurück in den Garten begeben

And we got to get ourselves back to the garden

 

und finden die Kosten der Freiheit 

finding the cost of freedom

vergraben im Boden 

buried in the ground

Mutter Erde wird dich verschlingen

Mother earth will swallow you

lege deinen Körper ab

 

lay your body down

 

Wir sind Sternenstaub, wir sind golden

Wir sind Milliarden Jahre alter Kohlenstoff

Crosby, Stills, Nash and Young (Album Dejavue 1970)