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Das große HIER

Das große HIER

 

Kein Hoffen, kein Suchen und nichts zu erreichen gibt es im großen HIER. In seiner Gegenwart bin ich eins mit mir und mit allem. In ihm lösen sich alle Trennungen auf und werden zu einem endlosen in- und miteinander. Im großen HIER schweben die Potentiale in wacher Stille und warten auf meine Wahl. Alles was ich bin ist in ihm enthalten und sonst nichts. Kein Denken hat es je berührt, kein Wort beschrieben. Ein Platz für die ganze Schöpfung. Im großen HIER verschwinden die Grenzen meiner Welt mit mir. Schwerelos und leuchtend schweben die Räume, in sich selbst versunken, bereit zu erwachen, sobald ein ich eintritt.

Das große HIER ist so einfach, dass der aufgeregte Verstand es unter allen Umständen meidet.  Es ist meine Aufgabe das Gezappel des Verstandes zu beruhigen und mein Bewusstsein zu befrieden und wenn ich das alles aufgegeben habe, dann bin ich im großen HIER, in der Stille des einen Augenblicks. Dann bin ich Geist. Doch warte: Wer ist dieses ich, das sich endlos in den Spiegeln der Schöpfung sieht? Mach dich frei von allen Konzepten, höre auf die Stille in dir, finde das große HIER und gebe dem Lärm der Ansichten und Meinungen keine Nahrung mehr. 

Die Welt funktioniert nicht nach unseren Vorstellungen. Sie funktioniert weder in der linearen Zeit noch in einem linearen Raum. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nur Konzepte im menschlichen Bewusstsein. Genauso wie die Raumdimensionen, Länge, Breite und Höhe dem konzeptuellem Denken des Menschen entspringen. Das menschliche Bewusstsein schneidet aus der Wirklichkeit das heraus, mit dem es umgehen kann, mit dem es zurecht kommt. In Wirklichkeit existiert nur ein einziger ewiger Moment. In diesem, immer gegenwärtigen Moment geschieht alles. Damit können wir beim besten Willen nicht umgehen. Selbst ein noch so hoch entwickeltes Bewusstsein ist damit überfordert. Daher zerlegen wir diesen einen Moment zunächst in unendlich viele Räume, die erfahren werden können. Jeder einzelne mit seiner eigenen Geschichte, seiner eigenen Zeitlinie.

Soweit die konzeptionelle Analyse der Wirklichkeit durch das menschliche Bewusstsein.

Wenn wir davon ausgehen, dass es nur diesen einzigen Moment des Geschehens gibt, dann kann weder Vergangenheit, noch Gegenwart und Zukunft existieren. Dann sind wir immer in diesem Moment und es gibt kein Schicksal oder Inkarnationen, schon gar keine vergangenen oder zukünftigen Leben. Trotzdem erleben wir es anders. Dieses andere Erleben erzeugen wir uns selbst, um Einsicht, Erkenntnis und Wissen über uns selbst zu erhalten. Was wir aber erleben ist keine "fließende" Zeit, sondern unser Weg durch die Räume der Existenz. Jeder Augenblick ist ein Blick in einen anderen Raum, indem unbegrenzte Potentiale darauf warten, aktiviert zu werden. Entscheiden wir uns, ein solches Potential zu aktivieren, enstehen sofort neue Räume = Augenblicke, mit den sich daraus ergebenden Potentialen. Wir vereinfachen diesen komplexen Vorgang dadurch, indem wir die Zeit erfunden haben, die einen Zeit-Raum definiert, in dem etwas geschieht. Dadurch komprimieren sich die unendlichen Dimensionen des existierenden Raumes auf die für uns erfassbaren vier Raum-Zeit Dimensionen: Zeit, Länge, Breite, Höhe. Das ist praktisch und bequem. Doch wie das meiste Bequeme, entstehen so auch Verständnis-Fallgruben, weil wir vergessen, was wir da vereinfacht haben. 

 

Wenn wir uns einmal bildlich vorstellen, wie wir von unendlich vielen Räumen in allen Richtungen umgeben sind, die in Gesamtheit alle unsere Möglichkeiten enthalten, dann existieren wir in diesen unendlich vielen Räumen bereits. Wir sind in diesem Augenblick bereits alles, was wir in Zukunft sein werden und auch alles, was wir in der Vergangenheit waren. Es ist einzig und allein unsere eigene Entscheidung, welchen Raum wir als nächstes betreten wollen. Hier wird es wieder etwas schwieriger, denn wir müssen unterscheiden, zwischen dem Wollen des kleinen, vom Verstand dominierten "ich", dem Tamagotchi, wie ich es nenne, und der Absicht des Bewusstseins, das wir sind. Die Absicht des Bewusstseins äußert sich durch Resonanzen, die Existenz-Räume mit den passenden Frequenzen (Eigenschaften) anzieht. Das hat nichts mit dem uns bewussten erreichen von Zielen zu tun. Nicht einmal mit unserer Körperbewegung, die nebenbei bemerkt, ohne die unendlich vielen Räume um uns herum gar nicht möglich wäre. 

Der von uns gegenwärtig erlebte Moment, ist also die genaue Entsprechung dessen, was wir sind, da der Gesamtklang des Bewusstseins, das wir hier darstellen, genau die Existenzräume um uns zusammenzieht, die wir gerade erleben. Dieses "Zusammenziehen" der passenden Räume erleben wir als Zeit. Zeit ist damit nichts anderes, als die Veränderung der Räume, bzw. DES Raumes, den wir grobsinnlich wahrnehmen. Das "Hier", indem ich mich jetzt gerade befinde ist also die Kompression aller Möglichkeiten, die ich jetzt gerade habe. Durch diese grobstoffliche Betrachtungsweise, kann ich die feine Struktur des Raumgewebes nicht mehr erkennen und bin quasi blind auch für die offensichtlichsten Potentiale. Dann fühle ich mich auch an die Zeit gefesselt, die ich ebenso grobsinnlich wahrnehme.

 

Übe ich mich aber darin, mich für die Struktur des HIER zu öffnen, werden die mir darin enthaltenen Existenz-Räume bewusst und ich kann beliebige Situationen in der Vergangenheit oder Zukunft erleben. Spätestens dann stellt sich heraus, wie begrenzt die menschliche Sicht auf die wirkliche Realität ist, und dass der sogenannte physische Raum, indem ich mich befinde, nichts weiter als ein Inhalt, eine Projektion, meines Bewusstseins ist. Genauso, wie die unzähligen Existenz-Räume, die alle von Versionen von mir bevölkert sind. Alle meine vergangenen und zukünftigen "Ich" leben parallel in diesen Räumen ihre Leben und sind über Resonanz-Beziehungen mit mir verbunden. Unsere Leben beeinflussen sich gegenseitig. So wirkt mein zukünftiges "Ich" auf mein gegenwärtiges "Ich" ein und mein gegenwärtiges "Ich" beeinflusst die Gegebenheiten meiner vergangenen "Ichs". Niemand kann erleben, für das er keine Resonanz hat und die Resonanzen sind die "Klangbilder" aller Frequenzen, die in meinem Bewusstsein existieren. (Siehe dazu auch meinen Text: "Das Nichts am Anfang")

 

Das HIER ist somit der Kraftpunkt meiner Aufmerksamkeit. Der Fokus meines Bewusstseins und Mittelpunkt meines Lebens.

Dieses HIER unterscheidet sich ganz deutlich vom "hier und jetzt" sein, von dem oft geredet wird. Die meisten Menschen verstehen unter "hier und jetzt" sein, einen Zustand des im gegenwärtigen Augenblick seins. Also einen Moment, in dem sie nicht über Zukunft oder Vergangenheit nachdenken. Das ist jedoch nur eine sehr einfache und begrenzte Interpretation, denn das HIER sein umfasst viel mehr. Doch um das zu verstehen, ist es nötig, die bisherigen Konstrukte über die physische Welt, den eigenen Körper, die eigene Identität, die eigene Umwelt und auch die illusionären Konzepte der Zeit aufzugeben. Solange wir nicht von diesen Ideen loslassen und die angelernten Überzeugungen, wie die Welt tickt, hinter uns lassen, solange können wir weder etwas an unserem Schicksal noch an unserem Leben ändern. 

Erinnerung: Das HIER ist der Ausdruck dessen was wir sind! 

Wir müssen quasi unsere eigene Persönlichkeit transzendieren und die vermeintlich individuelle Identität aufgeben, damit etwas geschehen kann, was wir heute noch bestenfalls als "mystische Veränderung" bezeichnen können. Wir müssen unser Leben in die Hände eines, uns selbst weit überlegenen Wesens legen und bereit sein, ihm die Führung zu überlassen. Dieser Schritt, heraus aus dem Tamagotchi, heraus aus der begrenzten Welt eines begrenzten Verstandes mit seinem konditionierten Wissen, ist der entscheidende Schritt in die Freiheit. Es ist der Anfang des Weges zurück, die "religio" des Menschen, hin zu seinem höheren Wesen. Es ist der Beginn des Wiedererkennens und der Wiederbegegnung mit seinem "höheren Selbst", seiner wahren Existenz.

Diese Existenz ist wahrlich so mächtig, dass sie angsteinflößend ist und daher immer, wenn sie spricht, sagt: "Fürchte dich nicht, denn ..." 

 

Für jeden Menschen, der das HIER begreift, ist es ein kurzer und einfacher Weg sich wieder in sein ursprüngliches Wesen zu transformieren. Zum einen, weil jeder Mensch in der Zukunft dieses Wesen bereits ist und zum anderen, weil er noch nie etwas anderes war. Erst das Tamagotchi, dieser aus grobsinnigen Informations-Kompressionen bestehende Avatar, hat mit seinem analytisch, engstirnigen Verstand dafür gesorgt, dass unser Aufmerksamkeits-Fokus fast ausschließlich auf seinen Bedürfnissen ruhte. Indem wir ihm seine Vorherrschaft entziehen, sein Wissen als eines von vielen Wissen, richtig bewerten und nicht mehr so wichtig nehmen, entmachten wir ihn. Als Folge können wir die Potentiale in der Raum-Struktur des HIER besser erkennen und erheben uns über das Selbstbild, das dieses Tamagotchi erzeugt hat. Dann ist der Weg frei.

 

Zum Ende noch eine Bemerkung über das "ich":  Wen meine ich mit "ich", "wir", "mich", "unser"? Wer ist es der einen Aufmerksamkeits-Fokus und ein Tamagotchi hat und zu welchem höheren Wesen sollte dieses ich, wir, mich, unser, zurückfinden? Nun, die Antwort ist einfach: DU! und etwas komplizierter: Der GEIST, der DU ist. Der Geist, der mittels eines Bewusstseins ein Universum erschuf und sich darin als Tamagotchi verlor. Mit anderen Worten: DU, DU, DU!

 

Wo ich gehe – du!

Wo ich stehe– du!

Nur du, wieder du , immer du!

Du, du, du!

Ergeht`s mir gut – du!

Wenn`s weh mir tut –du!

Nur du, wieder du, immer du!

Du, du, du!

Himmel – du,

Erde – du,

Oben – du,

unten – du,

Wohin ich mich wende, an jedem Ende

Nur du, wieder du, immer du!

Du, du, du!

 

(Gedicht von Martin Buber)

In Gedenken an meinen Zen-Lehrer Bert Kemming.

 

Alles klar?

 

alles liebe

Hans